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Krim-Krise : Gasexport als strategische Waffe gegen Russland

Amerikanisches Druckmittel: Schiefergas aus North Dakota Bild: © Tristan Spinski/Corbis

Amerika hat eine neue strategische Waffe gegen Russland für sich entdeckt: Das Land erwägt, die Ausfuhr von Flüssiggas zu erhöhen. Das könnte den Weltmarktpreis drücken - zum Schaden der russischen Wirtschaft.

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          Im Zuge der Ukraine-Krise gerät die amerikanische Regierung unter Druck, mehr Energie-Ausfuhren zuzulassen, um Russland wirtschaftlich zu schwächen. Politiker nicht nur der republikanischen Opposition fordern von der Regierung, zügiger Exportgenehmigungen für Flüssiggas zu erteilen, um so wirtschaftlichen Druck auf Russland auszuüben. „Was der Präsident heute tun kann, ist, den Export von Gas auszuweiten“, sagte der republikanische Sprecher des Abgeordnetenhauses, John Boehner. Wenn der Präsident in dem Konflikt mehr Einfluss gewinnen und helfen wolle, die amerikanischen Verbündeten in der Region zu schützen, solle er mehr Genehmigungen erteilen.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Mehr amerikanische Gasexporte könnten den Weltmarktpreis drücken, was Russland schadet. Zugleich könnten europäische Länder unabhängiger vom russischen Gas werden. Schon die durch die Fracking-Technik drastisch gestiegene Schiefergasförderung in den Vereinigten Staaten hat in den vergangenen Jahren den Weltmarkt entspannt, weil Amerika weniger Energie einführen muss. Fachleute sprechen schon von der Energie als neuer strategischer Waffe Amerikas. In diesem Jahr werden die Vereinigten Staaten wahrscheinlich Russland als größten Gasförderer der Welt ablösen. Nach Prognosen könnte Amerika schon 2015 mehr Öl als Saudi-Arabien fördern.

          Die Regierung hält sich mit Blick auf beschleunigte Exportgenehmigungen oder die Freigabe von Öl aus der strategischen Reserve alle Optionen offen. „Wir wissen um die Abhängigkeit Russlands von der Energie“, sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter vor Journalisten. Wenn Russland die Lage stärker eskaliere, müsse es sich auf mehr Gegenreaktionen der Vereinigten Staaten, Europas und anderer Länder einstellen, die seine Kosten erhöhen würden.

          Die Ukraine-Krise belebt eine schwelende Debatte

          Das amerikanische Außenministerium verfolgt nach eigenen Angaben schon seit langem ein langfristig angelegtes Programm, um den Europäern zu helfen, die Gasversorgung zu diversifizieren. Das zielt vor allem auf osteuropäische Länder. Tschechien und Bulgarien beziehen 100 Prozent ihres Gasverbrauchs vom russischen Konzern Gasprom. In Deutschland ist es fast die Hälfte.

          Die Ukraine-Krise belebt eine in Amerika schwelende Debatte über die Ausfuhr von Energie. In den vergangenen Jahren hat das Energieministerium von mehr als 20 Anträgen auf den Export von Flüssiggas nur sechs genehmigt. Wohl erst 2015 wird der Export von Flüssiggas in Schwung kommen, vorerst vor allem nach Asien. Eine Ankündigung der Regierung, den Exportlizenzen schnell zu erteilen, würde aber als Signal schon heute den Gasmarkt beeinflussen. Die Regierung ist verpflichtet zu prüfen, ob der Export von Gas im strategischen Interesse der Vereinigten Staaten liegt. Generell sind vor dieser Prüfung nur Länder ausgenommen, mit denen Amerika Freihandelsverträge geschlossen hat.

          Die Europäische Union dringt in den Verhandlungen über ein transatlantisches Handels- und Investitionsabkommen auf einen offenen Energieexport nach Europa. Die Ausfuhr von Rohöl aus Amerika ist seit den siebziger Jahren generell mit wenigen Ausnahmen untersagt worden. Mit der prognostizierten Energieunabhängigkeit Amerikas dringen die Ölwirtschaft und Politiker aus den vom Öl abhängigen Bundesstaaten wie Alaska oder Louisiana verstärkt auf eine Aufhebung des Verbots.

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