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Ukraine-Krise : Deutsche Industrie lehnt schärfere Russland-Sanktionen ab

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„Ich finde es falsch, Manager zu kritisieren, die sich bemühen, mit Russland im Gespräch zu bleiben“: Manager Werner Wenning Bild: AP

In der deutschen Industrie rumort es wegen den immer schärfer werdenden Sanktionen gegen Russland. Der Multi-Aufsichtsrat Werner Wenning warnt im Interview mit der Sonntagszeitung davor, den Bogen zu überspannen.

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          Die deutsche Industrie will keine weiteren Sanktionen gegen Russland. Man dürfe die „Beziehungen nach Moskau jetzt nicht abschneiden“, sagte Werner Wenning, Aufsichtratsvorsitzender von Eon und Bayer, im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Man sollte sich hüten, die über Jahrzehnte entwickelten Handelsbeziehungen zu unterbrechen“. Der Top-Manager, der außerdem in den Kontrollgremien von Siemens und Henkel sitzt, hob hervor, dass weltweit tätige Unternehmen sich mit den Verhältnissen vor Ort zu arrangieren hätten: „Wir Unternehmer können uns nicht jedes Mal das politische System aussuchen. Wir können nicht bei jedem Umsturz die Maschinen mitnehmen, das Land verlassen und sagen: Wir kommen wieder, wenn ihr unserem Verständnis von Demokratie entsprecht.“

          Auch im Mittelstand nimmt die Unzufriedenheit zu. Volker Treier, Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), warnte vor negativen Auswirkungen der Russland-Krise auf die deutschen Unternehmen. Er sagt der „Bild am Sonntag“: „Die Krise der russischen Wirtschaft hinterlässt immer tiefere Bremsspuren im Russlandgeschäft deutscher Unternehmen.“

          Laut einer Umfrage der deutschen Außenhandelskammer in Russland unter knapp 300 deutschen Unternehmen müsse fast jeder dritte Betrieb Mitarbeiter entlassen, sollte sich die wirtschaftliche Entwicklung nicht verbessern, so Treier. „36 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, Projekte stornieren zu müssen.“ Jedes achte Unternehmen erwäge einen Rückzug aus Russland.

          Beim letzten EU-Gipfel hatten mehrere Staaten Zweifel an der gemeinsamen Sanktionspolitik geäußert. Außenminister Steinmeier (SPD) äußerte sich in Sorge, dass Russland destabilisiert werde.

          Der Fraktionsvorsitzende der EVP im Europäischen Parlament, Manfred Weber von der CSU, hält dagegen: „Die größte Stärke der EU in der Ukraine-Krise ist ihre gemeinsame und geschlossene Position.“ Der deutsche Außenminister mache mit seiner Absetzbewegung einen schwerwiegenden Fehler.  Der russische Präsident werde nur durch Stärke, Entschlossenheit und immer neue Gespräche von seinem für Europa und andere Nachbarregionen gefährlichen Weg abzubringen sein, so Weber.

          Putin: Niemand kann Russland einschüchtern

          Der russische Präsident Wladimir Putin demonstriert derweil Stärke. Niemand werde schaffen, Russland einzuschüchtern, sagte er am Samstag in einer Rede vor Mitarbeitern der Sicherheitsbehörden. Solche Versuche seien bereits in der Vergangenheit gescheitert. Russland müsse bereit sein, „gewisse Schwierigkeiten zu überstehen und immer eine angemessene Antwort zu geben“.

          Wladimir Putin

          Das russische Außenministerium  erklärte zudem, die Vereinigten Staaten und die EU hätten mit den Strafmaßnahmen „gegen die Republik Krim und die Stadt Sewastopol“ einen direkten Beweis dafür geliefert, dass der Westen anerkenne, dass sich die Krim-Bewohner „einstimmung und freiwillig“ für die Rückkehr nach Russland entschieden hätten.

          Die EU und Amerika hatten am Donnerstag und am Freitag neue Strafmaßnahmen gegen die von Russland in sein Staatsgebiet eingegliederte Schwarzmeerhalbinsel Krim verhängt. Putin sagte, Russland bezahle einen „hohen Preis für seine unabhängige Haltung und für die Unterstützung seiner Landsleute auf der Krim und in Sewastopol“, dem Hafen der russischen Schwarzmeerflotte auf der Krim.

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