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Migranten auf dem Arbeitsmarkt : Arbeit für die Flüchtlinge

Ein Mercedes-Mitarbeiter erklärt einem Flüchtling während eines Brücken-Praktikums einzelne Montage-Arbeitsschritte. Bild: dpa

Die meisten Flüchtlinge sprechen kaum oder schlecht Deutsch und sind beruflich eher gering qualifiziert. Soll für sie deswegen der Mindestlohn nicht gelten?

          Deutschland steht vor einer gewaltigen Herausforderung: Hunderttausende Flüchtlinge strömen allein im kommenden Jahr auf den Arbeitsmarkt. Die meisten von ihnen werden nach einhelliger Auffassung zunächst aber kaum Chancen haben, eine Stelle zu finden. Denn das Gros der Migranten spricht kaum oder gar kein Deutsch und verfügt auch nicht über die nötigen Qualifikationen, die für die meisten offenen Stellen nötig sind.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Unter den Arbeitslosen aus den wichtigsten Asylherkunftsländern haben 80 Prozent keine Berufsausbildung, berichtet die Bundesagentur für Arbeit. Viele sind jedoch bereit, einfache Arbeiten zu verrichten, denn sie wollen rasch Geld in die Heimat überweisen, wo die Familien häufig für Flucht und Schlepper die letzten Reserven zusammengekratzt hatten.

          Bevor ein Arbeitgeber jedoch einen Flüchtling einstellt, muss er sich die Frage beantworten, ob dessen Produktivität hoch genug ist, um die Kosten zu decken – sonst rechnet es sich nicht. Durch den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro je Stunde tauchen vielerorts Zweifel auf.

          Deshalb kommen vermehrt Forderungen auf, Flüchtlinge vom Mindestlohn auszunehmen. Ausnahmen wären dabei nichts Neues - sie gibt es schon heute etwa für Langzeitarbeitslose. Wer in diese Gruppe fällt, darf ein halbes Jahr lang zu geringeren Löhnen beschäftigt werden.

          Dahinter steckt die Hoffnung, dass Langzeitarbeitslose so leichter wieder in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden können. Aber: Bislang machten die Arbeitgeber davon kaum Gebrauch.

          „Training on the Job“

          Die Übertragung schon bestehender Mindestlohn-Ausnahmen auf Flüchtlinge ist unter Arbeitsmarktfachleuten umstritten. Einig sind sie sie, dass eine solche Öffnung höchstens befristet als Einstiegshilfe in Frage komme.

          Ein dauerhafter Niedriglohnsektor für Asylanten und Migranten schüfe indes viele neue Probleme. Aber selbst vorübergehende Öffnungsklauseln stoßen unter Mindestlohn-Befürwortern auf Widerstand: Gewerkschaften, aber auch SPD, Grüne und Linkspartei sehen darin den Versuch der Arbeitgeber, die hart erkämpfte Lohnuntergrenze stückweise aufzuweichen.

          Die Befürworter der Ausnahmeregelung führen die schiere Masse der Flüchtlinge ins Feld, die mit normalen Mitteln der Arbeitsmarktpolitik nicht zu integrieren sei. Außerdem ist mittlerweile auch erkannt, dass gerade arbeitsmarktferne Gruppen leichter „on the job“ für höhere Aufgaben weiterqualifiziert werden können als in jahrelangen verschulten Kursen.

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