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Überraschende Forderung : Gewerkschaftschef will Managergehälter nicht deckeln

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Die Höhe des Gehalts ist nicht automatisch ein Gradmesser dafür, ob es ungerecht in einem Unternehmen zugeht, findet Michael Vassiliadis. Bild: dpa

Der SPD schwebt ein Gesetz zur Begrenzung hoher Managergehälter vor. Die CDU ist nicht begeistert – und auch ein mächtiger Gewerkschaftschef hält wenig davon.

          Ausgerechnet aus der Gewerkschaftswelt kommt Widerspruch gegen die vor allem von der SPD vorangetriebenen Gesetzespläne zur Eindämmung hoher Managergehälter. Der Chef der Industrie-Gewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis, sagte vor dem Koalitionsgipfel an diesem Mittwoch in Berlin der dpa: „Den Vorstoß, die Hauptversammlung über die Vergütung des Vorstands abstimmen zu lassen, halte ich für Unsinn.“

          In einer Hauptversammlung redeten vier Stunden lang Kleinaktionäre über ihre Probleme, am Ende aber würden die Unternehmerfamilien und Investmentfonds als große Anteilseigner die Entscheidungen im Alleingang treffen. „So würde der Bock zum Gärtner gemacht“, sagte der einflussreiche Gewerkschafter, der unter anderem im Aufsichtsrat des weltgrößten Chemie-Konzerns BASF sitzt.

          Beim Spitzentreffen von Union und SPD im Kanzleramt soll auch über seit langem diskutierten schärferen Auflagen bei der Bezahlung von Topmanagern geredet werden. Der Koalitionsvertrag sieht nur vor, dass die Hauptversammlung von Aktiengesellschaften über die Management-Vergütung entscheiden soll. Die SPD fordert schärfere Maßnahmen.

          „Was ist mit GmbH-Geschäftsführern oder Fußballern?“

          So sollte die Hauptversammlung ein Maximalverhältnis festlegen, wie stark das Gehalt eines Vorstandsmitglieds vom durchschnittlichen Verdienst eines Mitarbeiters im Unternehmen abweichen darf. Auch sollten Konzerne die Vergütungen ihrer Topleute nur noch bis jeweils 500.000 Euro von der Steuer absetzen können. Eine Einigung zwischen SPD und Union gilt als unwahrscheinlich.

          Vassiliadis sagte, die Debatte werde zu stark auf Spitzenmanager börsennotierter Unternehmen verengt. „Was ist mit GmbH-Geschäftsführern oder Fußballern?“ Die Höhe des Gehalts sei nicht automatisch ein Gradmesser dafür, ob es ungerecht in einem Unternehmen zugehe. „Ein guter Manager darf auch gut verdienen, wenn er das Unternehmen erfolgreich führt und damit neue Arbeitsplätze schafft oder bestehende sichert.“

          Vassiliadis hofft, dass die Wirtschaft nach zahlreichen Gehalts- und Bonus-Affären von alleine handeln wird. Es müssten breit akzeptierte Kriterien gefunden werden, an denen sich die Erfolgsbeteiligung aller Beschäftigten orientiere. „Damit der Vorstandschef nicht für den Personalabbau bezahlt wird.“ Außerdem sollten Manager stärker in Haftung genommen werden und Boni noch transparenter am Unternehmenserfolg ausgerichtet sein.

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