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Übernahmepoker : Alstom reift zum Spaltpilz

Montage einer Gasturbine im Alstom-Werk in Mannheim. Bild: Alstom

Verkehrte Welt in Frankreich? Konservative denken darüber nach, Alstom zu verstaatlichen. Sozialisten sagen, der Staat soll sein Geld besser einsetzen.

          Die Debatte über die Zukunft des Industriekonzerns Alstom führt in Frankreich zu neuen innerparteilichen Gräben. Und teils kuriosen Konstellationen: So gibt es im konservativ-bürgerlichen Lager Forderungen nach einer Teilverstaatlichung. Bei den Sozialisten finden sich Gegner dieser Lösung.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Laurent Wauquiez, der ehemalige Arbeitsminister unter Präsident Nicolas Sarkozy, forderte einen temporären Staatseinstieg zur Rettung von Alstom. Nur so sei eine Zerschlagung zu verhindern, sagte er der Zeitung „Parisien“. Unterstützung bekommt er durch eine neue Umfrage, wonach 55 Prozent der Franzosen für eine zeitweise Teilverstaatlichung von Alstom sind.

          Die sozialistische Politikerin Juliette Méadel, Vorstandsmitglied ihrer Partei, meint hingegen, „der Staat kann nicht alle privaten Unternehmen retten, nur weil sie angeblich von ausländischen Übernahmen bedroht sind“. Steuergelder seien besser anderswo eingesetzt, sagte sie. Das französische Wirtschaftsministerium hat bisher eine klare Präferenz für eine Siemens-Offerte gezeigt. Präsident François Hollande hat sich in der Öffentlichkeit bisher dagegen weniger deutlich geäußert.

          GE oder Siemens?

          Unterdessen hat das frostige Verhältnis zwischen Alstom-Chef Patrick Kron und dem Siemens-Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser Züge angenommen, wie sie in feindlichen Übernahmeversuchen gepflegt werden. Am Wochenende hatte Kron auf die zwei Schreiben von Kaeser zum Teil schroff geantwortet. In dem Brief, welcher der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt, hat der Franzose erstmals offiziell den Eingang der Kaeser-Briefe vom 26. und 29. April bestätigt, in dem Siemens sein Interesse an der Energietechnik von Alstom bekundet hat und damit gegen den amerikanischen Bieter General Electric antritt.

          „Bevor ich diese Briefe beantworte, möchte ich einigen unfairen Äußerungen, die ihre Kollegen gemacht haben, stark widersprechen“, schrieb Kron nun. Der Siemens-Chef hatte nämlich seinen Kollegen aus Paris nicht minder heftig attackiert. Er beklagte sich, wie mit dem Übernahmeangebot umgegangen werde. „Wir sind besonders enttäuscht von der mangelnden Kooperation des Vorstandschefs“, hieß es in dem Brief von Kaeser, der - wie vermutet wird - Kron unter Druck setzen sollte.

          Der entgegnete nun, dass er von Anfang an betont habe, dass der Vorstoß der Deutschen es Wert sei geprüft zu werden. Er habe ein Treffen der Berater vorgeschlagen, die sich ja bereits über das Angebot ausgetauscht hätten. Kaeser hat in seinem Schreiben am 29. April angekündigt, das Angebot zu verbessern. Der deutsche Konzern hatte bis dahin die Energietechnik von Alstom mit 10,5 bis 11 Milliarden Euro bewertet. Im Konkurrenzangebot bewertet GE die Energiesparte der Franzosen mit 12,35 Milliarden Euro.

          Der Disput ist in Anbetracht der knappen Zeit für die Vorbereitung eines Angebotes wenig hilfreich. Siemens will bis Ende Mai die Voraussetzung für die Abgabe einer Offerte prüfen. Alstom hat sich den 2. Juni zum Termin gesetzt, über die GE-Offerte zu entscheiden. Kron favorisiert die Offerte der Amerikaner. Die französische Regierung war nicht unterrichtet, verärgert und rief Siemens zu Hilfe.

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