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FAZ.NET exklusiv : Das sind die wichtigsten Denkfabriken

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Weltkugel in Vancouver: Wer beeinflusst die politischen Entscheidungen? Bild: Reuters

Denkfabriken nehmen Einfluss auf politische Entscheidungen auf der ganzen Welt. Eine neue Studie zeigt nun die wichtigsten.

          Das amerikanische Brookings-Institut ist die wichtigste Denkfabrik auf der ganzen Welt. Das zeigt eine neue Studie der Universität Pennsylvania, die am heutigen Freitag in Berlin offiziell vorgestellt wird und die FAZ.NET vorab vorliegt. Die unabhängige Organisation aus Washington D.C. besteht seit 1916 und deckt schwerpunktmäßig die Themen amerikanische Innenpolitik, Internationale Beziehungen und wirtschaftliche Entwicklung ab. Die Analysen des Instituts genießen einen exzellenten Ruf. Allerdings hatte im September 2014 ein Bericht der „New York Times“ für Aufsehen gesorgt, in dem behauptet wurde, Katar hätte knapp 15 Millionen Dollar an die Denkfabrik gespendet. Brookings-Präsident Strobe Talbott wehrte sich damals heftig gegen den Vorwurf, das Institut könnte käuflich sein.

          Das „Think Tanks & Civil Societies Program“ der Universität Pennsylvania hat für ihren 168-seitigen Report zum zehnten Mal mehr als 2.500 Politikwissenschaftler, Politiker und Journalisten befragt. Als Denkfabriken gelten dabei sowohl unabhängige als auch einer bestimmten Institution zugehörige, ständig existierende Organisationen, die Forschung zu politischen Themen betreiben. Ihr Ziel: Politiker und Verwaltungen sachkundig informieren und in ihren Entscheidungen beraten. Denkfabriken bauen Brücken zwischen der akademischen Theorie und der praktischen Politik, vermitteln so zwischen Zivilgesellschaft und Staat und dienen dem öffentlichen Interesse.

          Auf Platz zwei der Rangliste landet das britische „Chatham House“. Das Londoner Institut mit dem Beinamen „Royal Institute of International Affairs“ erstellt Analysen, Berichte und Bücher im Bereich der Internationalen Beziehungen und arbeitet regelmäßig dem britischen Parlament zu. Nach ihm benannt ist auch die berühmte “Chatham-House-Regel“, die den berühmten deutschen „Kreisen“ entspricht: Findet ein Treffen unter dieser Regel statt, dürfen die besprochenen Informationen verwendet werden, jedoch muss die Quelle anonym bleiben. Platz drei belegt das „Institut francais des relations internationales“ (IFRI) mit Sitz in Paris und Brüssel, das ebenfalls zu Internationalen Beziehungen forscht.

          Aus Deutschland haben es drei Denkfabriken in die TOP 20 geschafft: die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung (Platz 16), die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung (Platz 17) sowie die unabhängige Stiftung Wissenschaft und Politik (Platz 18). Außerdem können sich Transparency International (Platz 27), das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik DIE (Platz 35), die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik DGAP (Platz 42) und das Institut für Weltwirtschaft IfW (Platz 43) platzieren.

          Insgesamt zählen die Forscher der Universität Pennsylvania 6.846 Denkfabriken weltweit, davon die weit überwiegende Mehrheit in den Vereinigten Staaten (1.835). Europa kommt auf 1.770 solcher Institute, Deutschland auf 195.

          In drei Spezialkategorien schneiden deutsche Institute besonders gut ab: In der Kategorie Umweltpolitik landet das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) auf Platz 2, hinter dem Stockholmer Umweltinstitut SEI. Die Max-Planck-Institute belegen in der Kategorie „Wissenschaft und Technik“ gar den Spitzenplatz, dicht gefolgt vom Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEW) aus Bonn auf Rang 3. Auch Transparency International mit Sitz in Berlin belegt einen Spitzenplatz: Platz 1 in der Kategorie „Transparenz und gute Regierungsführung“.

          Die Befragten legten in ihrer Wahl vor allem qualitative Kriterien zu Grunde: Qualität und Ansehen der Beschäftigten in den Denkfabriken sowie die Qualität ihrer Forschungsergebnisse spielten in den Urteilen der Befragten die größte Rolle. Auch ihr Einfluss auf die Politik sowie ihre Bekanntheit unter Entscheidern waren wichtige Kriterien.

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