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Toyota, Ford, Boeing und Co. : Trumps beste Wirtschafts-Tweets

Trump zu Besuch bei Klimaanlagenhersteller Carrier: 1100 Arbeitsplätze will er hier gerettet haben. Bild: AFP

Vor Donald Trumps Twitteraktivitäten ist niemand sicher, vor allem die Wirtschaft nicht. Bevor er endlich mit den Medien spricht eine Auswahl seiner wichtigsten Tweets.

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          Gerade erst hat Barack Obama seine letzte Rede als amerikanischer Präsident gehalten, da zieht Donald Trump nach. Obamas Nachfolger hatte sich seit Juli 2016 beharrlich gesträubt, Journalisten Rede und Antwort zu stehen – von einigen ausgewählten Interviews einmal abgesehen. Heute findet nun seine erste Pressekonferenz nach mehr als sechs Monaten statt.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ruhig war es freilich trotzdem nie um den Milliardär. Twitter ist quasi sein offizielles Sprachrohr. An manchen Tagen kommt er auf über zehn Tweets. Mit der „New York Times“ hat er eine Dauerfehde, diverse andere Medien attackierte er. Sein jüngstes Opfer: Meryl Streep. Nachdem die dreifach oscarprämierte Schauspielerin ihn in ihrer Rede bei den Golden Globes scharf kritisiert hatte, konterte der designierte Präsident, indem er Streep als „die am meisten überbewertetste Darstellerin Hollywoods“ bezeichnete.

          Auch zu wirtschaftlichen Fragen äußert sich Trump regelmäßig in 140 Zeichen. So ist ihm bekanntlich die Verlagerung von Produktionsstätten aus Amerika nach Mexiko ein Dorn im Auge. Das bekam am 9. Januar Toyota zu spüren.

          Darum ging's: Der japanische Autobauer produziert Autos in Mexiko und plant aktuell die Errichtung eines weiteren Werks. Ab 2019 sollen hier jährlich 200.000 Toyota Corollas vom Band rollen, die auch nach Amerika exportiert werden sollen. Das rief Trump auf den Plan: „Baut das Werk in Amerika oder zahlt eine hohe Grenzsteuer!“, twitterte er. Konkurrent General Motors bekam wegen eines ähnlichen Falls die gleiche Breitseite via Twitter ab. Der Konzern fertigt sein Modell Chevrolet Cruze teilweise in Mexiko. Ein Dauerthema auf Twitter war auch ein Ford-Werk, das für rund 1,6 Milliarden Dollar in Mexiko gebaut werden sollte.

          Das war die Folge: Anfang 2017 verkündete Ford das Ende dieses Vorhabens in Mexiko. Stattdessen investiert der Konzern jetzt 700 Millionen Dollar in ein bestehendes Werk im amerikanischen Bundesstaat Michigan. Hier sollen 700 neue Arbeitsplätze geschaffen werde. Die Reaktion von Trump folgte prompt: „Danke Ford!“, hieß es auf Twitter und dies sei „erst der Anfang“. Tatsächlich ließ Toyota einige Tage später auf der Automesse in Detroit wissen, man werde in den kommenden fünf Jahren zehn Milliarden Dollar in Amerika investieren.

          Damit behalte der Autobauer sein Investitionsvolumen der vergangenen fünf Jahre in Amerika bei. Die Entscheidung sei aber „teilweise“ auch von Trump beeinflusst worden. Das Werk in Mexiko baut Toyota freilich trotzdem. Und auch Fiat Chrysler verlegt die Produktion seines Jeeps Compass nach Mexiko. Gleichzeitig will der amerikanisch-italienische Autobauer 2000 neue Arbeitsplätze in Amerika schaffen. „Wir werden uns anpassen müssen, uns bleibt nichts anderes übrig“, sagte Vorstand Sergio Marchionne mit Blick auf Trump.

          Ärger mit dem designierten Präsidenten haben aber nicht nur Autobauer. Auch Boeing wurde schon die wenig schmeichelhafte Ehre zuteil, Inhalt eines Trump-Tweets zu sein.

          Darum ging's: Boeing baut derzeit die neue Air Force One, das Dienstflugzeug des amerikanischen Präsidenten. Grundsätzlich hat Trump damit kein Problem – nur belaufen sich die Kosten mittlerweile auf mehr als vier Milliarden Dollar. Zu viel für Trump: „Die Kosten sind außer Kontrolle, mehr als vier Milliarden Dollar. Streicht die Order!“, twitterte er entsprechend. Der Finanzrahmen für Entwicklung und Bau umfasste ursprünglich bis zu drei Milliarden Dollar.

          Das war die Folge: Kurz nach diesem Tweet traf sich Boeing-Chef Dennis Muilenburg in Florida mit Trump. Muilenburg durfte im Anschluss auch das Ergebnis des Treffens verkünden: „Wir werden es für weniger schaffen.“ Er habe Trump sein Wort gegeben.

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