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Trump-Xi-Gipfel : Amerika gegen China: Wer ist der Stärkere?

Der chinesische Präsident Xi Jinping ist in Florida gelandet. Außenminister Rex Tillerson und Gattin holen das Präsidentenpaar zum Auftakt eines zweitägigen Treffens mit Donald Trump ab. Bild: AP

Chinas Präsident Xi Jinping ist in Florida gelandet. Auf dem Golfresort von Donald Trump streiten die Wirtschaftsmächte um den Wohlstand in der Welt. Wer dabei die besseren Karten hat, ist weniger klar, als es scheint.

          6 Min.

          Die Bühne ist bereitet, das Drehbuch geschrieben, soweit das möglich ist bei diesem Gipfel der Supermächte. „Lantana“ heißt der Flughafen in Palm Beach, auf dem irgendwann an diesem Donnerstag nach 14 Uhr Ortszeit die Maschine von Xi Jinping aufsetzen wird. Das ist der Zeitpunkt, an dem der Luftraum über Floridas Ferienort gesperrt ist für ein zweitägiges Treffen der Führer der beiden mächtigsten Militär- und Wirtschaftsmächte der Welt, Amerika und China.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Vom Flughafen bringt eine Wagenkolonne den chinesischen Präsidenten und seine angeblich 40 Busse füllende Delegation ins Hotel: nicht in Donald Trumps „Winter White House“ namens Mar-a-Lago nächtigt der Führer von Amerikas größtem Gegenspieler. Das käme in China einem Gesichtsverlust gleich. Stattdessen schlafen Xi und Gattin Peng Liyuan in der „Commander-In-Chief“-Suite des „Eau Palm Beach Resort & Spa“, einem tropischen Bettenparadies mit sieben Hektar großem Garten und Privatstrand an Amerikas Atlantikküste.

          Seit Mittwoch umstellen drei Meter hohe Stahlbarrikaden das Hotel von Chinas Präsidenten. Dazu kommt eine Armada an Sicherheitskräften zu Land, Wasser und in der Luft. Das waffenstarrende Großaufgebot an Militär und Polizei soll Xi schützen vor Terroristen und einhundert erwarteten Demonstranten, die aus Menschenrechtsgruppen stammen und aus der von Pekings Behörden harsch verfolgten Sekte Falun Gong.

          Noch leistet Amerikas Wirtschaft deutlich mehr

          Am Donnerstagabend wird das Präsidentenehepaar aus China von Trump und Gattin Melania in Mar-a-Lago zum lockeren Plausch beim Dinner erwartet, bevor es am Freitag an gleicher Stelle um die ganz großen Fragen der Gegenwart gehen soll: Was will Xi tun gegen die atomare Bedrohung aus Nordkorea?

          Hier endet das Drehbuch, alles ist offen. Niemand kann mit Sicherheit sagen, wie tief die beiden Staatschefs in die Diskussion über ihre zahlreichen Differenzen einsteigen werden. Äußert sich der Gast aus Peking zum Beispiel zur steten Klage Trumps, das 347 Milliarden Dollar schwere Defizit in der Handelsbilanz seines Landes mit China sei vor allem deshalb entstanden, weil Peking seine Währung künstlich niedrig halte, ausländischen Unternehmen den eigenen Markt verschließe und überhaupt in der Weltwirtschaft nach unfairen Regeln spiele?

          Donald Trump empfängt den chinesischen Premier Xi Jinping in seinem Feriendomizil Mar-a-Lago in Florida.

          Wenn in Mar-a-Lago die Führer der beiden größten Wirtschaftsmächte auf dem Planeten gegenübersitzen, herrscht neben dem Nordkorea-Konflikt vor allem ein Wettstreit um Wohlstand. Nominal 18,6 Billionen Dollar betrug die Wirtschaftsleistung Amerikas im vergangenen Jahr und wuchs mit 1,6 Prozent. Die von China lag mit 11,3 Billionen Dollar deutlich dahinter auf Platz zwei, wuchs aber mit 6,7 Prozent immer noch vier Mal so schnell.

          Wer bettelt hier bei wem?

          So wie Chinas Größe und Geschwindigkeit, mit der es an die Weltspitze drängt, auch in Europa und nicht zuletzt in Deutschland für Unbehagen sorgt, macht das schnelle Wirtschaftswachstum der Volksrepublik vielen Amerikanern Angst. Zwar hat am Dienstag das amerikanische Forschungszentrum Pew mit Sitz in Washington eine Umfrage unter rund 1500 Amerikanern veröffentlicht, von denen nur noch 47 Prozent eine negative Sichtweise auf China hatten, was die positivste Einstellung der amerikanischen Bevölkerung gegenüber dem chinesischen Wettbewerber seit sechs Jahren darstellt. Doch diese pro-chinesischen Stimmen, auch das zeigte die Umfrage, fanden sich vor allem unter Wählern der Demokraten und den Jungen, also nicht in der Stammwählerschaft Donald Trumps. Der hat den Wahlkampf auch deshalb gewonnen, weil er China für die Verluste von Arbeitsplätzen in der amerikanischen Industrie verantwortlich gemacht hat und verkündete: „China vergewaltigt unser Land“.

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