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Trump trifft Tech-Konzerne : „Wir haben keine formale Befehlskette“

Donald Trump spricht, PayPal-Mitgründer Peter Thiel und Apple-CEO Tim Cook hören zu. Bild: Reuters

Antrittsbesuch beim künftigen Präsidenten: Eine illustre Gruppe aus dem Silicon Valley trifft sich mit Donald Trump. Der gibt sich gönnerhaft und verspricht ein offenes Ohr.

          3 Min.

          Es ging mit einer Vorstellungsrunde los. Tim Cook, Elon Musk, Jeff Bezos, Sheryl Sandberg, Larry Page: Ein Hochkaräter nach dem anderen nannte brav seinen Namen. Eine solch illustre Runde von Vertretern der amerikanischen Technologiebranche sieht man selten an einem Tisch. Schon gar so formell mit Anzug und Krawatte, wie das bei den meisten männlichen Gästen der Fall war, die ihre sonst übliche, lässige Silicon-Valley-Kluft für diesen Anlass im Schrank ließen. Aber da saßen sie nun, hoch oben im New Yorker Trump Tower, mit einem traumhaften Blick auf den Central Park und das Plaza-Hotel. Die Top-Manager von Unternehmen wie Apple, Tesla, Amazon, Facebook und Alphabet waren gekommen, um dem künftigen amerikanischen Präsidenten Donald Trump einen Antrittsbesuch abzustatten. Sie repräsentierten Unternehmen mit einem kombinierten Börsenwert von mehreren Billionen Dollar.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          In dem Treffen steckte viel Zündstoff. Einige der versammelten Manager haben im Wahlkampf lautstark Partei für Trumps Rivalin Hillary Clinton ergriffen. Von Trump vertretene Positionen zu Themen wie Freihandel oder Einwanderung widersprechen völlig den gängigen Auffassungen in der Technologiebranche. Trump hat auch einige Unternehmen direkt ins Visier genommen. Er hat gesagt, er werde Apple dazu bringen, seine „verdammten Computer“ wieder in Amerika herzustellen, und er unterstellte Amazon ein „riesiges Kartellproblem“.

          Bei dem Treffen schlug Trump aber versöhnliche Töne an. „Das ist eine wirklich wunderbare Gruppe von Leuten“, sagte er und lobte die „unglaubliche Innovation“ der von seinen Besuchern geführten Unternehmen. Trump versprach, zu tun, was er könne, um den Unternehmen zu helfen. „Ruft meine Leute an, ruft mich an, wir haben keine formelle Befehlskette.“ Er mutmaßte, angesichts der guten Entwicklung der Aktienkurse seit der Wahl müssten ihn seine Besucher doch „zumindest ein bisschen mögen“.

          Ob die Atmosphäre während des gesamten Treffens so freundlich blieb, ist unklar. Nur in den ersten Minuten waren Kameras erlaubt, danach ging es hinter verschlossenen Türen weiter. Nach gut einer Stunde schien das Treffen vorbei zu sein, und ein Manager nach dem anderen kam mit dem Aufzug herunter ins Foyer des Trump Tower. Keiner von ihnen erstattete bei den versammelten Journalisten Bericht. Amazon-Chef Jeff Bezos gab hinterher eine Stellungnahme heraus, in der er das Treffen „sehr produktiv“ nannte. Er habe dabei seine Auffassung eingebracht, dass die Regierung Innovation zu einem „Schlüsselpfeiler“ machen sollte, womit sie Arbeitsplätze nicht nur in der Technologiebranche, sondern auch in Bereichen wie der Landwirtschaft oder der verarbeitenden Industrie schaffen könnte. Trumps künftiger Stabschef Reince Priebus twitterte, es habe „produktive Diskussionen über das Schaffen von Arbeitsplätzen und wirtschaftliches Wachstum“ gegeben.

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          Eingefädelt wurde das Treffen von Peter Thiel, dem deutschstämmigen Investor, der Trump schon im Wahlkampf unterstützt hat und damit eine große Ausnahme in der Technologieszene im kalifornischen Silicon Valley war. Thiel selbst saß direkt links von Trump und bekam zu Beginn des Treffens ein großes Lob. Trump bedankte sich bei ihm, schüttelte ihm etwas linkisch die Hand und nannte ihn „einen sehr besonderen Kerl“.

          Überraschende Teilnehmer und Interessenkonflikte

          Wie Trump sagte, habe Thiel mitbestimmt, wer eingeladen wird. Was insofern bemerkenswert ist, weil ein etwas unerwarteter Gast von einem Unternehmen zugegen war, zu dem Thiel eine sehr enge Verbindung hat. Am Tisch saß Alex Karp, der Vorstandsvorsitzende von Palantir Technologies, einem auf Datenanalyse spezialisierten Unternehmen. Palantir gehört zwar zu den am höchsten bewerteten Start-Up-Unternehmen aus dem Silicon Valley, hat aber noch nicht annähernd das Kaliber wie die anderen Tech-Giganten, die bei dem Treffen repräsentiert wurden. Und angeblich wurden weitaus bekanntere Silicon Valley-Vertreter wie Twitter-Vorstandschef Jack Dorsey nicht eingeladen. Thiel ist Mitgründer, Großaktionär und Verwaltungsratsvorsitzender von Palantir. Das Unternehmen macht einen Großteil seines Geschäfts mit der amerikanischen Regierung, weshalb ihm ein guter Draht zum künftigen Präsidenten gewiss nicht zum Nachteil gereicht.

          Es gab noch andere überraschende Teilnehmer, deren Gegenwart die Frage nach Interessenkonflikten aufwarf: Am Tisch saßen auch die drei ältesten Kinder von Trump. Donald Junior, Ivanka und Eric Trump haben führende Rollen im Immobilienimperium ihres Vaters. Ebenso wie Thiel sind sie auch im Übergangsteam von Trump.

          Für die Technologiebranche gibt es gute Gründe, den Dialog mit dem künftigen Präsidenten zu suchen. Denn auch wenn die meisten Top-Manager für Hillary Clinton waren: Trumps Sieg hat für ihre Unternehmen möglicherweise auch sehr gute Seiten. Beispielsweise würden Unternehmen wie Apple und Microsoft zu den größten Nutznießern zählen, wenn Trump sein Versprechen wahr macht, den Steuersatz für im Ausland erwirtschaftetet und nach Amerika zurückgebrachte Gewinne deutlich zu reduzieren. Apple hortet derzeit mehr als 200 Milliarden Dollar im Ausland, Microsoft mehr als 100 Milliarden Dollar. Um Trump bei solch gewichtigen Fragen auf seine Seite zu bringen, kann man schon mal eine Krawatte anziehen.

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