https://www.faz.net/-gqe-8lsih

Präsidentenwahl in Amerika : Der Super Bowl der Politik

In der Arena wird bereits fleißig geübt: Im Probelauf stehen zwei Studenten an den Pulten, Moderator Lester Holt (l.) schon mal auf seinem Stuhl. Bild: dpa

Die erste Fernsehdebatte zwischen Hillary Clinton und Donald Trump verspricht höchste Einschaltquoten. Die übertragenden Sender könnten durch Werbung sehr viel Geld verdienen – gäbe es da nicht ein paar Haken.

          An diesem Montag um 21 Uhr amerikanische Ostküsten-Zeit (3 Uhr nachts deutscher Zeit am Dienstag) beginnt die erste von drei Fernsehdebatten zwischen Hillary Clinton und Donald Trump. Und Amerika ist gespannt wie ein Flitzebogen.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Erstmals, so vermuten Experten, könnte die erste Debatte fast so viele Fernsehzuschauer anlocken wie Amerikas allergrößtes Fernsehspektakel: Der Super Bowl. Das Finale der beiden besten Profi-Football-Mannschaften haben im Februar dieses Jahres 112 Millionen Zuschauer verfolgt. Die TV-Debatten der Präsidentschaftskandidaten hatten in der Vergangenheit dagegen zwischen 30 und 80 Millionen Menschen in Amerika an die Fernseher gelockt.

          Dafür, dass es diesmal mehr werden könnten, spricht der außergewöhnliche Kandidat der Republikanischen Partei. Als Donald Trump die politische Arena betrat, war er dank der Reality-TV-Sendung „Der Lehrling“  („The Apprentice“) schon ein bekannter Mann – und zwar in Kreisen, die nicht zu den klassischen Konsumenten von Politik im Fernsehen gehören.

          In Umfragen fast gleichauf

          Sein unkonventioneller Wahlkampf hat dann nicht nur in den Vorwahlen neue Wählerschichten an die Urnen gelockt, er hatte auch den Kabelkanälen CNN und Fox News beste Einschaltquoten beschert. Vor allem für die Kandidatendebatten.

          Beflügelnd auf die Quote wirkt Trumps besonderer Sinn fürs Klatschpressen-Drama, der sich auch aktuell wieder beweist. Er drohte auf dem Kurznachrichtendienst Twitter spielerisch damit, Gennifer Flowers  in die erste Reihe zu platzieren. Mit ihr hatte Bill Clinton früher mal eine Affäre. So bleibt stets eine Ungewissheit um den Mann, die Neugier produziert.

          Wird er an diesem Montagabend den Rüpel geben? Oder wird er versuchen, den Staatsmann zu spielen? Das Publikum spürt zudem, dass da noch ein größeres Drama im Gange sein wird: Zum ersten Mal debattiert ein männlicher gegen einen weiblichen Kandidaten. Und ausgerechnet jetzt liegen die Kandidaten fast gleichauf in den Umfragen.

          Besser geht es also nicht für die Fernsehsender, die die Debatten übertragen und Sendefläche an die werbetreibende Industrie verkaufen. Allerdings wird die Debatte nicht für Reklame unterbrochen. Es passiert etwas, was wirklich sehr selten ist auf amerikanischen Kanälen: Mindestens anderthalb Stunden TV-Debatte und kein einziger Werbespot mittendrin.

          Die übertragenden Sender sind deshalb darauf angewiesen, die Randzeiten zu verkaufen. Die sind, wie die TV-Manager in Fachmagazinen fröhlich verraten, bestens gebucht.  Was die geschäftlichen Perspektiven  mindert, ist die Tatsache, dass kein Sender das Monopol auf die Debatte hat.  ABC, CBS, Fox, NBC, CNN, MSNBC und Fox News, alle zeigen das Aufeinandertreffen Clinton-Trump. Dazu kommen die Online-Anbieter Facebook, Twitter, Youtube, Yahoo und Hulu. Eine Ausnahme bietet der Sportkanal ESPN, der Profi-Football überträgt und damit den Zuschauerrekord womöglich doch bedroht.

          Wie wichtig sind die Debatten?

          Der Hype um die Debatten ist berechtigt und auch wieder nicht. Mehr als ein Drittel der registrierten  Wähler sagt, die Debatte sei  wichtig für ihre Wahlentscheidung, hat eine aktuelle Umfrage des „Wall Street Journals“ und des Fernsehsenders NBC herausgefunden. Vor den Wahlen des Jahres 2008 haben fast vier von fünf Wählern wenigstens eine der Debatten geschaut.

          Werden die Wähler nach Gründen für ihre Entscheidung gefragt, dann benennen sie die Kandidaten-Performance in den Debatten als den häufigsten konkreten Grund für ihre Wahlentscheidung. Auf der anderen Seite zeigen Forschungen, dass die Debatten nie zu großen Sprüngen in der Wählergunst geführt haben.

          Die Soziologen Robert Erikson und Christopher Wlezien haben in einer Untersuchung festgestellt, dass die Präsidentschaftskandidaten der Jahre 1980 bis 2012 vor der ersten Fernsehdebatte annähernd genauso gut oder schlecht lagen in der Wählergunst wie nach der letzten TV-Debatte. Der Unterschied war nur wenige Prozentpunkte groß.

          Doch wenige Prozentpunkte können große Folgen haben, wenn dadurch entscheidende Bundesstaaten gewonnen werden. Und eine Folge der Duelle ist ganz unbestreitbar: Die anderen Präsidentschafts-Kandidaten fallen aus dem Wahrnehmungsfenster. Das ist nicht unumstritten. Der libertäre Kandidat Gary Johnson schneidet mit Zustimmungswerten von knapp neun Prozent überraschend gut ab, obwohl er von den meisten Medien ignoriert wird. Und die grüne Jill Stein bringt es immerhin auf vier Prozent.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          „Haltet uns nicht länger hin“ fordern Demonstranten vor der Sitzung des Klimakabinetts in Berlin.

          Klimakabinett : Warmlaufen für den Tag der Entscheidung

          Weil erst in zwei Monaten feststehen soll, wie Deutschland seine Klimaziele einhalten will, vertagt die Regierung Beschlüsse. Bei einem Thema sperrt sich der Wirtschaftsminister besonders.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.