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Trotz sicherer Renditen : Bürger wollen keine Strommasten vor dem Fenster

Unerwünscht: Neue Netze braucht das Energiewende-Land, doch keiner will sie in seiner Nähe haben. Bild: dpa

Anwohner sollen sich finanziell am Netzausbau beteiligen können und damit Geld verdienen. Diese Idee von Umwelt- und Wirtschaftsminister wurde vergangene Woche gefeiert. Eine Befragung wirft aber nun Zweifel auf: Die Bürger wollen gar nicht mitmachen.

          Der Plan, den Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und Philipp Rösler (FDP) in der vergangenen Woche präsentierten, klingt nach einer einfachen und guten Idee: Bürger, die in der Nähe geplanter Stromleitungen wohnen, sollen sich an dem Neubau finanziell beteiligen können. Für eine Mindesteinlage von 1000 Euro können die Anwohner mit einer Rendite von bis zu 5 Prozent rechnen. Im Gegenzug für die Entlohnung, die Altmaier „Bürgerdividende“ nennt, erhoffen sich Politik und Netzbetreiber weniger Widerstand gegen neue Trassen und reibungslosere Bauprozesse.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Eine repräsentative Befragung des Forschungszentrums Jülich wirft nun jedoch Zweifel auf, ob dieses Kalkül tatsächlich aufgehen wird. Nicht einmal jeder Vierte von mehr als 1000 Befragten gab an, den Bau einer Freileitung in der Nähe des eigenen Wohnhauses zu akzeptieren, falls im Gegenzug eine finanzielle Beteiligung und sichere Renditen ermöglicht werden.

          „Sicherlich ist das Beteiligungsvorhaben nicht die universelle Lösung, mit der möglicher Widerstand auf einen Schlag verhindert wird“, folgert der Jülicher Forscher Wolfgang Fischer. Und der Widerstand der Bevölkerung könnte erheblich ausfallen: Bei der Befragung, die im Januar dieses Jahres unter Leitung der Forscherin Diana Schumann stattfand, gab fast jeder Dritte an, aktiv werden zu wollen, falls in der eigenen Umgebung eine neue Stromleitung entstehen soll. Etwas relativiert wird die Aussagekraft, weil nicht die Anwohner schon geplanter Leitungen selbst, sondern eine zufällig ausgewählte, repräsentative Gruppe von Deutschen befragt wurde.

          Sorge um Lebensqualität und Gesundheit

          Mehr als sichere Renditen scheint die Bevölkerung die Sorge um verminderte Lebensqualität oder mögliche Gesundheitsrisiken zu beschäftigen. Jeweils 44 Prozent signalisierten Zustimmung für neue Leitungen, falls diese besonders wenig Strahlung verursachen oder das Landschaftsbild kaum beeinträchtigen. Falsch wäre es jedoch, aus der Studie zu schließen, dass finanzielle Faktoren für die Akzeptanz keinerlei Rolle spielen. Würden die zusätzlichen Leitungen nämlich dafür sorgen, dass der Strompreis nicht weiter angehoben werden muss - etwa weil sie teure neue Kraftwerke überflüssig machen -, würde sich mehr als jeder Zweite überzeugen lassen. Eine pauschale finanzielle Entschädigung für die Stromleitung vor dem eigenen Fenster würde ebenfalls fast jeden Zweiten milde stimmen.

          Warum eine pauschale Entschädigung der Befragung zufolge die Akzeptanz deutlich stärker steigern würde als eine Beteiligung mit verlockenden Renditen, darüber können die Forscher nur spekulieren. Fischer vermutet, Anwohner würden davor zurückschrecken, sich finanziell zu einem in der eigenen Umgebung umstrittenen Projekt zu bekennen. „Bei einer Entschädigung enthält man einfach Geld und kann selbst passiv bleiben“, sagt der Forscher. Eine finanzielle Beteiligung könne das Konfliktpotential vor Ort sogar erhöhen, da zusätzliche wirtschaftliche Interessen den Graben zwischen Befürwortern und Gegnern verstärken könnten.

          Ein schlechtes Zeugnis stellt die Studie der Bundesregierung für ihr Bemühen aus, den für den Ausbau maßgeblichen Netzentwicklungsplan in der Bevölkerung bekannt zu machen. „Das ist an den Leuten vollkommen vorbeigegangen, neun von zehn Bürgern wissen nichts darüber“, sagt Fischer. Bürger, die angeben, sich selbst an dem von der Regierung beworbenen Partizipationsverfahren beteiligt zu haben, müsse man mit der Lupe suchen.

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