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Trotz Arcandor-Schieflage : Middelhoff sponserte Eliteuniversitäten

  • -Aktualisiert am

Mit Hang zum Akademischen: Thomas Middelhoff Bild: ddp

Während seiner Zeit bei Arcandor hat der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Thomas Middelhoff, Förderverträge mit den Universitäten Oxford und Witten-Herdecke abgeschlossen - obwohl der Konzern schon in großen finanziellen Nöten schwebte.

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          Der ehemalige Arcandor-Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff soll während seiner Amtszeit trotz der äußerst angespannten Finanzlage des Konzerns als großzügiger Sponsor von Eliteuniversitäten aufgetreten sein. Unter anderem wurden unter seiner Ägide Förderverträge mit der Privatuniversität Witten-Herdecke und der Said Business School der englischen Universität Oxford abgeschlossen, wie das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ berichtet. Danach soll Middelhoff sogar noch unmittelbar vor seinem Ausscheiden im Februar dieses Jahres eine Überweisung von 715.000 Pfund oder annähernd 800.000 Euro an die Business School angeordnet haben. Zu dieser Zeit war der Konzern bereits in bedrohlicher Schieflage, den Mitarbeitern waren schon erhebliche Zugeständnisse abverlangt worden.

          Der 2008 geschlossene, über mehrere Jahre laufende Vertrag mit den Briten soll insgesamt ein Volumen von rund 1,5 Millionen Pfund gehabt haben. Zugleich wurde Middelhoff ein Sitz im international besetzten Beirat des Forschungsinstituts eingeräumt. Diesen bekleidet der umstrittene Manager im Übrigen noch heute, wie der Internetseite der Business School zu entnehmen ist. Allerdings tritt er nun unter dem Absender seiner Investmentfirma Berger, Lahnstein, Middelhoff & Partner (BLM) an, die er noch zu Arcandor-Zeiten mit dem Unternehmensberater Roland Berger gegründet hat.

          Erfüllung der Verträge längst ausgesetzt

          Witten-Herdecke, wo ein Arcandor-Lehrstuhl für ethisch saubere Unternehmensführung finanziert wurde, sollte nach einem auf sechs Jahre ausgelegten Vertrag jährlich mit rund 350.000 Euro aus den klammen Konzernkassen gefördert werden. Der Sprecher des Arcandor-Insolvenzverwalters bestätigte am Freitag die Existenz von Förderverträgen mit den Universitäten. Zu den im Einzelnen vereinbarten Summen konnte er sich aber nicht näher äußern. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg habe die Erfüllung der Verträge aber längst ausgesetzt, so dass kein Geld mehr fließe, sagte der Sprecher weiter. Für die Wittener Privatuniversität soll dies unter anderem die Streichung von zwei Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter zur Konsequenz gehabt haben. Wie es heißt, wurde inzwischen auch der Firmenname Arcandor aus dem Namen des Lehrstuhls getilgt. Noch nicht abgeschlossen sind die inhaltlichen Prüfungen der Verträge mit den Elite-Unis auf eventuelle Gegenleistungen. Aus dem Umfeld Middelhoffs verlautete, dass durch die Förderung des Instituts in Oxford unter anderem qualifizierte Nachwuchskräfte für die damalige Konzern-Tochtergesellschaft Thomas Cook gewonnen werden sollten.

          Auch die übrigen Sponsoring-Verträge des insolventen Handels-Konzerns werden längst nicht mehr erfüllt. So hatte die Tochtergesellschaft Quelle beispielsweise einige Sportvereine gefördert. Karstadt ist aus dem lange unterstützten „Ruhrmarathon“ ausgestiegen.

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