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Transatlantisches Abkommen : Vom Freihandel profitieren vor allem die Amerikaner

Handel ohne Hürden: Amerikaner profitieren am meisten Bild: dpa

Laut einer Studie werden die Handelsströme bei einem Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Vereinigten Staaten deutlich umgelenkt. Deutschland kann mit 180.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen rechnen.

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          Von einem Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten würden vor allem Amerika, Großbritannien und auch das krisengeschüttelte Spanien profitieren. Für Deutschland würde der Abbau von Zöllen und anderen Hemmnissen im transatlantischen Handel zwar auch mehr Wohlstand und mehr Arbeitsplätze bringen, aber in einem niedrigeren Ausmaß, zeigen bislang unveröffentlichte Berechnungen des Ifo-Instituts und der Bertelsmann-Stiftung.

          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Demnach würde in den Vereinigten Staaten das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner langfristig um 13,4Prozent steigen. Volkswirte rechnen dabei mit einem Zeitraum von zehn bis fünfzehn Jahren, bis das Freihandelsabkommen seine Wirkung voll entfalten würde. Für Großbritannien wird der Zuwachs auf 9,7 Prozent beziffert, für Spanien auf 6,6 Prozent, weil teurere Importe aus anderen EU-Ländern durch günstigere aus Amerika ersetzt werden könnten. Für Deutschland prognostiziert die Studie dagegen einen Anstieg von nur 4,7Prozent, was unter dem europäischen Durchschnitt liegt.

          Fachleute rechnen mit dem Abkommen

          Überlegungen für eine Freihandelszone zwischen Europa und Amerika gibt es schon seit den neunziger Jahren. Doch noch nie war es beiden Seiten damit so ernst wie jetzt. Am Freitag erteilten die Handelsminister der EU-Kommission offiziell den Auftrag, darüber zu verhandeln. Auch während des Deutschland-Besuchs des amerikanischen Präsidenten Barack Obama am Dienstag und Mittwoch ist die „Transatlantic Trade and Investment Partnership“ (TTIP) ein wichtiges Thema.

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          Eine solche Freihandelszone würde die Handelsströme erheblich verändern. Der Austausch von Waren mit Amerika würde zunehmen, innerhalb Europas würde er zurückgehen, prognostiziert Gabriel Felbermayr, Leiter des Bereichs Außenhandel im Ifo-Institut. „Die Zollunion wird in gewisser Weise entwertet.“ Felbermayr rechnet damit, dass das Handelsvolumen zwischen Deutschland und den südlichen Euroländern um 30 Prozent sinken würde, das mit Frankreich um 23Prozent. Der Handel zwischen Deutschland und Amerika würde sich dagegen fast verdoppeln. Für die Europäische Gemeinschaft seien die zu erwartenden Verschiebungen durchaus heikel, sagt Ulrich Schoof, einer der zwei Studienautoren von der Bertelsmann-Stiftung. „Die Politik muss den Zusammenhalt im Auge behalten.“

          Trotz der aktuellen Konflikte zu Datenschutz, Kulturförderung und Gentechnik sind die meisten Fachleute davon überzeugt, dass es zu einem Abkommen zwischen den Europäern und den Amerikanern kommen wird. „Man will den Erfolg“, sagt Claudia Schmucker von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). Ein Kompromiss bei unterschiedlichen Interessen könnten etwa lange Übergangsfristen sein. Verlierer eines solchen Abkommens, das zum größten Wirtschaftsraum der Welt führen würde, wären die Länder außerhalb, etwa Kanada, Mexiko und Japan. Auch die Entwicklungsländer würden verlieren.

          Rund 2 Millionen neue Arbeitsplätze in den OECD-Staaten

          Die Bertelsmann-Stiftung mahnt deshalb, dass die Wohlfahrtsgewinne für die EU und Amerika ein Anreiz sein sollten, sich in den multilateralen Verhandlungen kompromissbereit zu zeigen. Sie spielt damit auf die seit mehr als einem Jahrzehnt laufende Doha-Runde an, die innerhalb der Welthandelsorganisation (WTO) ein weltumspannendes Abkommen erreichen will. Bislang scheiterte das aber stets an den gegensätzlichen Interessen von Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern. Das nächste Treffen findet im Dezember auf der indonesischen Ferieninsel Bali statt.

          Durch ein transatlantisches Freihandelsabkommen und die damit verbundene Intensivierung des Handels könnten der Studie zufolge im Kreis der OECD-Staaten - die meisten dieser Länder sind hochentwickelte Industrienationen - rund 2 Millionen Arbeitsplätze entstehen. Mit 1,1 Millionen entfiele davon der Löwenanteil auf die Vereinigten Staaten, gefolgt von Großbritannien (400.000 Stellen), Deutschland (181.000 Stellen) und Spanien (143.000 Stellen). Dort, wo die Arbeitslosigkeit überdurchschnittlich hoch sei, werde sie auch überdurchschnittlich reduziert, heißt es.

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