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Tourismus in Österreich : Grüne Hänge im Dezember

Grüne Wiese statt weißer Schnee: Österreich im Dezember 2006 Bild: KEY

Österreich wartet sehnsüchtig auf kältere Temperaturen. Denn ohne Schnee lahmt der Wintertourismus - und damit auch die Wirtschaft. Trotzdem ist die Branche weiterhin optimistisch. Schließlich hat die Saison gerade erst angefangen.

          4 Min.

          In der Ramsau am Dachstein schaut der Besucher derzeit auf grüne Hänge. Wie im gesamten Österreich herrscht in der beliebten steirischen Skiregion noch Frühlingswetter. Wegen der ungewöhnlich hohen Temperaturen wurden am vergangenen Wochenende in vielen Skigebieten die Eröffnungsveranstaltungen zum Saisonauftakt abgesagt. Nicht so am Berg Dachstein selbst, wo ein Gletscher den Alpinisten immer eine Spielwiese bietet.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Dadurch ist auch das Sporthotel Matschner im Ort Ramsau gut gebucht. Brigitte Knaus, Hoteleignerin, ist optimistisch und versteht die Hysterie nicht. Nach den schneereichen Wintersaisonen der vergangenen beiden Jahre werde vergessen, daß früher vor dem Nikolaustag auch selten Schnee war, sagt Knaus. Trotz des aktuellen Schneemangels ist Österreichs Tourismusbranche zuversichtlich für die gerade angelaufene Saison, die bis April dauert.

          Skitourismus als wesentlicher Wirtschaftsfaktor

          Dennoch warten die Skigebiete weiter sehnsüchtig auf tiefere Temperaturen. Schnee ist ein zentrales Element für die österreichische Tourismuswirtschaft - die ein Zehntel des österreichischen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet - und damit ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Während der Sommertourismus in den vergangenen Jahren stagnierte beziehungsweise sogar rückläufig war, verzeichneten die Wintersaisonen ein stetiges Umsatz- und Übernachtungswachstum.

          Wie Sepp Schellhorn, der Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), sagte, gibt es eine ausgezeichnete Buchungslage. Schon jetzt seien rund drei Viertel der Kapazitäten für die kommenden Monate ausgelastet. Er erwartet im Vergleich zum Vorjahr einen Umsatzzuwachs von 15 Prozent. Für ihn ist erst zur Monatsmitte der Maßstab für einen gelungenen Saisonstart. Daß jetzt viele Beobachter jammern und hysterisch sind, liegt aus seiner Sicht im Event- und Opening-Wahn.

          Ausfälle werden mit dem Ostergeschäft aufgefangen

          Unter den Skigebieten herrsche ein derartiger Ehrgeiz, als erster die Saison zu eröffnen, so daß immer früher damit begonnen werde. Insgesamt diene die Vorweihnachtszeit zur Saisonverlängerung. Nur 3 Prozent des Umsatzes im Wintergeschäft werden in den ersten zwanzig Dezembertagen erzielt. Was hier nicht erlöst werde, könnten die Betriebe locker mit dem Ostergeschäft wettmachen.

          Auch für die Geschäftsführerin der Österreich Werbung (ÖW), Petra Stolba, sind die schneefreien Spätherbsttage noch kein Grund zur Sorge. Der österreichische Wintertourismus hänge nicht nur am Schnee. Im Vergleich zu früher stelle sich der Tourismus heute mit einem differenzierten Winterangebot dar, das nicht mehr nur an Schnee gebunden ist. Selbstverständlich hoffe man aber auf Schnee und darauf, daß sich auch dieser Winter dank sehr guter Buchungslage positiv entwickeln werde, sagt Stolba.

          Top-Skigebiete werden massiv künstlich beschneit

          Klar ist den Branchenvertretern indes, daß ohne Schnee die frühen Dezemberbuchungen wieder verlorengehen. Von dem warmen Wetter seien aktuell vor allem die kleineren, tiefer gelegenen Familienskigebiete betroffen, denen oft auch das Geld für Kunstschnee fehle, weiß der Obmann der Tourismussparte in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Johann Schenner. Das sei schade, denn gerade hier gebe es preislich günstige und familienfreundliche Angebote.

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