https://www.faz.net/-gqe-86j2u

Kluge Entwicklungsziele : 19 Projekte für eine bessere Welt

  • -Aktualisiert am

Ein exzellentes Entwicklungsziel ist der Kampf gegen Unterernährung von Kindern. Denn gerade für sie ist eine ausreichende Ernährung besonders wichtig und kritisch. Bild: dpa

Einige Entwicklungsziele bringen viel mehr Nutzen je eingesetztem Dollar als andere. Top-Ökonomen haben eine Prioritätenliste erstellt. Darunter sind auch überraschende Forderungen - auf den ersten Blick. Ein Gastbeitrag.

          4 Min.

          Im September werden 193 Staats- und Regierungschefs bei der UN-Vollversammlung in New York zusammenkommen und sich ehrgeizige globale Ziele bis zum Jahr 2030 setzen. In den nächsten fünfzehn Jahren werden diese Ziele die Verwendung von etwa 2,5 Billionen Dollar lenken, die für Entwicklungshilfe ausgegeben werden. Hinzu kommen nochmals Billionen Dollar aus nationalen Budgets. Aber wofür sollte man das Geld ausgeben, damit jeder eingesetzte Dollar die größte Wirkung erzielt?

          Es gibt mehrere hundert Vorschläge für mögliche Ziele. Drei der Autoren dieses Artikels, Kydland, Schelling und Stokey, haben eine Prioritätenliste erstellt mit den lohnendsten Vorhaben. Dafür haben sie auf die Analysen von 82 Topökonomen und 44 Experten für spezielle Bereiche der Entwicklungshilfe zurückgegriffen; all dies hat das Copenhagen Consensus Center organisiert. Die Resultate zeigten eine sehr große Bandbreite von sehr lohnenden und wirkungsvollen bis wenig oder gar nicht wirkungsvollen Entwicklungsstrategien. Einige Entwicklungsziele bringen einen sehr viel höheren wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Nutzen als andere, jeweils pro ausgegebenen Dollar gerechnet.

          169 Ziele, doch manche haben keinen Wirkungshebel

          Nach langen Verhandlungen haben sich die Vereinten Nationen vergangene Woche auf 169 Ziele verständigt, welche die Staats- und Regierungschefs im September beschließen sollen. Sicherlich klingt jedes für sich genommen gut, und die Verlockung ist groß, allen alles zu versprechen. Das wäre aber falsch, denn einige der Projekte haben keinen Wirkungshebel. Sie produzieren kaum mehr Nutzen als einen Dollar je Dollar, der eingesetzt wird.

          Der Schutz von Korallenriffen zahlt sich aus - mit einer überraschend hohen Rendite. Die Vorteile: Biodiversität bliebe erhalten und der Tourismus bringt mehr Einnahmen.

          Wir haben aus der Liste 19 Ziele ausgewählt, von denen wir den größten Nutzen erwarten. Wenn die UN sich auf diese Ziele konzentrieren würden, könnte man je ausgegebenen Dollar etwa 20 bis 40 Dollar Nutzen erzielen. Für den Durchschnitt der vorgeschlagenen 169 Ziele jedoch kämen nur weniger als 10 Dollar heraus. Wenn die Budgets sich auf die Ziele mit dem höchsten Kosten-Nutzen-Verhältnis konzentrieren, kann man also den Nutzen verdoppeln bis vervierfachen. Unsere Liste, die nach sorgfältiger Auswertung der verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz erstellt wurde, ist vielfältig. Der rote Faden sind die überdurchschnittlich hohen Erträge in Bezug auf die Gesundheit der Menschen, die Umwelt und den wirtschaftlichen Wohlstand, die drei Oberbegriffe, welche die Vereinten Nationen „People, Planet, Prosperity“ genannt haben.

          Ein exzellentes Entwicklungsziel ist der Kampf gegen die Unterernährung von Kindern. Natürlich verdienen Menschen aller Altersgruppen eine ausreichende Ernährung. Doch gerade für Kinder ist sie besonders wichtig und kritisch. Gute Ernährung lässt die Gehirne und Muskeln der Kinder sich besser entwickeln und bringt ihnen lebenslange Vorteile. Studien zeigen: Gutgenährte Kinder bleiben länger in der Schule, sie lernen länger und sind als Erwachsene produktivere Mitglieder der Gesellschaft. Nach einer Modellrechnung könnte eine bessere Versorgung für fast hundert Millionen unterernährte Kinder über ihren Lebenszyklus je ausgegebenen Dollar rund 45 Dollar Ertrag – zusätzliches Einkommen und Einsparungen von anderen Kosten – bringen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) spricht in Salzgitter mit Journalisten.

          Nach Angriff auf Syrien : VW-Werk in der Türkei steht vor dem Aus

          Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil sieht wegen der türkischen Invasion keine Grundlage mehr für die geplante Milliardeninvestition. Das sei ein „Schlag ins Gesicht von Menschenrechten“.
          Luisa Neubauer: Die „Fridays for Future“-Bewegung wird medial vor allem von jungen Frauen repräsentiert.

          Shell-Jugendstudie : Es ist der Klimawandel, Dummkopf!

          „Eine Generation meldet sich zu Wort“: So heißt die 18. Shell-Jugendstudie. Eine neue Entwicklung stellten die Autoren nicht nur bei Themen fest, die Jugendlichen Sorgen bereiten – sondern auch bei den Geschlechterrollen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.