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Tobias Adrian : Ein Deutsch-Amerikaner wird neuer IWF-Finanzmarktchef

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Die Weltwirtschaft im Blick: Emblem am Hauptquartier der Internationalen Währungsfonds in Washington. Bild: Reuters

Der Internationale Währungsfonds bekommt einen neuen obersten Kapitalmarktfachmann. Er heißt Tobias Adrian – und arbeitet derzeit für die Notenbank in New York. Seine Wurzeln liegen jedoch im Taunus.

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          Wenn die Fachleute des mächtigen Internationalen Währungsfonds (IWF) ihre Vorhersagen über den Zustand der Weltwirtschaft veröffentlichen, hört die Wirtschaftswelt immer ganz genau hin. Der IWF gilt, obwohl auch seine Experten immer wieder irren, als seriöse und quasi-amtliche Quelle für verlässliche Daten und Ansichten, die oberhalb der (Partei-)Politik steht.

          Dabei besteht die große Wirtschaftsanalyse des Währungsfonds aus zwei Teilen. Einmal ist da der volkswirtschaftliche Ausblick, in dem es um Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit, Inflation geht und immer wieder spezielle einzelne Themen, die gerade aktuell sind. Außerdem schreiben die Kapitalmarktfachleute des Währungsfonds einen sogenannten Finanzstabilitätsbericht, in dem sie auf Entwicklungen an den Finanzmärkten eingehen. Dieser Ausblick ist in der jüngeren Vergangenheit häufig stark fokussiert auf drohende Risiken und Gefahren gewesen

          „Dinge passieren“

          Das hat etwas mit einer Art Rollenverteilung innerhalb des IWF zu tun, die sein früherer Chefvolkswirt Olivier Blanchard mit einem Augenzwinkern einmal so skizzierte: Die Leute aus der Kapitalmarkt-Abteilung warnten stets mit dramatischen Worten vor dieser und jener drohenden Krise, seine Mitarbeiter reagierten darauf dann meist erst einmal mit einem „Well, stuff happens“ („Ja, Dinge passieren“). Dabei ging es ihm keineswegs darum, die Arbeit der anderen Abteilung schlechtzumachen, sondern um die ganz nüchterne Feststellung, dass auch die Sicht auf die Wirtschaftslage wesentlich von der Perspektive abhängt, aus der jemand darauf schaut.

          Als Blanchard das sagte, war er selbst nicht mehr Chefvolkswirt des IWF. Auf dem Stuhl neben ihm saß ein Mann namens Jose Viñals, der amtierende Leiter der Kapitalmarkt-Abteilung des Währungsfonds und derjenige, in dessen Verantwortung der besagte Finanzstabilitätsbericht fällt. Bislang. Denn auf diesem Posten gibt es nun einen Wechsel: Im Januar endet die Amtszeit des früheren spanischen Notenbankers Viñals.

          An seine Stelle tritt der deutsch-amerikanische Ökonom Tobias Adrian, wie der Währungsfonds mitteilte. Adrian ist derzeit noch leitender Volkswirt der Federal Reserve Bank von New York, des Ablegers der amerikanischen Notenbank in der Ostküsten-Metropole. Dort arbeitet er seit dem Jahr 2003 in verschiedenen Positionen, immer aber mit einem Fokus auf das Kapitalmarktgeschehen. Die New Yorker Notenbank führt für die amerikanische Notenbank auch wesentlich die Kapitalmarktoperationen aus.

          „Herr Adrian hat eine umfangreiche Erfahrung im Einschätzen und Adressieren von Kapitalmarkt-Angelegenheiten und darin, geld- und finanzpolitische Stabilisierungsmaßnahmen zu entwickeln“, erläuterte IWF-Chefin Christine Lagarde die Ernennung. Adrian selbst studierte an der London School of Economics, an der Goethe-Universität in Frankfurt, an der Dauphine-Universität in Paris und promovierte schließlich am renommierten MIT in Boston; dort studierten beispielsweise auch der amtierende IWF-Chefökonom Maurice Obstfels, sein Vorgänger Blanchard und EZB-Präsident Mario Draghi. Sein Abitur machte der designierte IWF-Finanzchef Tobias Adrian wiederum an der Humboldtschule in Bad Homburg nahe Frankfurt. Im Jahr 1991.

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