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Tarifverträge : Viele Abschlüsse bringen nur kurzfristig mehr Geld

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Die Löhne auf dem Bau steigen dank früher Tarifabschlüsse Bild: dapd

In vielen neuen Tarifverträgen werden den Arbeitnehmern Einmalzahlungen zugestanden. Das erhöht zwar den Lohn - hat aber nur einen kurzfristen Effekt: Im Gegensatz zu regulären prozentualen Erhöhungen werden die Einmalzahlungen bei Erhöhungen in den kommenden Jahren nicht berücksichtigt.

          Die Krise schwächt sich ab, dennoch haben deutsche Arbeitnehmer seit Jahresbeginn kaum von nachhaltigen Lohnerhöhungen profitiert. Neue Tarifabschlüsse sahen im ersten Halbjahr überwiegend einmalige Zahlungen vor. Die werden bei zukünftigen Erhöhungen nicht berücksichtigt. Dies teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in einer Bilanz zu den jüngsten Tarifeinigungen mit. Bei den Abschlüssen habe trotz des Endes der Rezession vor allem die Sicherung der Beschäftigung im Fokus gestanden.

          Die Statistiker verwiesen auf Abschlüsse der Chemie-, Metall- und Elektroindustrie. Die Chemie-Beschäftigten erhalten von Mai 2010 bis März 2011 nur eine Zahlung zwischen 550 und 715 Euro und einen Konjunkturbonus von 200 bis 260 Euro. Dies gilt nur für Unternehmen, die nicht wesentlich von der Krise betroffen waren.

          Profit durch frühe Abschlüsse

          Im Pilotabschluss in der Metallindustrie vereinbarten die Tarifparteien für dieses Jahr eine Pauschale von insgesamt 320 Euro und eine Anhebung des Tarifs für 2011. Auch im Bankgewerbe und in der Kautschukindustrie wurden Pauschalzahlungen für 2010 und Tariferhöhungen für kommendes Jahr vereinbart.

          Ministerin Ursula von der Leyen unterstützt die Gewerkschafter

          Von prozentualen Tarifsteigerungen, die auch künftig die Löhne erhöhen, profitierten Beschäftigte eher dank früherer Abschlüsse. Dies kam den Arbeitnehmern im öffentlichen Dienst der Länder zugute (plus 1,2 Prozent), im Groß- und Außenhandel (plus 1,5 Prozent), beim Bau (etwa plus 2,4 Prozent) und im Versicherungsgewerbe (plus 2,5 Prozent).

          Gewerkschaften fordern höhere Löhne

          Mit Anziehen der Konjunktur hatten die Gewerkschaften angekündigt, nicht mehr zurück zu stecken. Die IG Metall fordert 6 Prozent mehr Lohn und Gehalt in der Tarifrunde für 85.000 Beschäftigten der nordwestdeutschen Stahlindustrie.

          Der Abschluss dürfte einen vorbildlichen Charakter für andere Branchen haben. Auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte sich vor kurzem positiv über die Forderungen der Gewerkschaften geäussert. Während des Aufschwungs sollten die Arbeitnehmer auch davon profitieren, sagte sie.

          In keinem anderen EU-Staat stiegen die Verdienste im vergangenen Jahrzehnt so langsam wie in Deutschland. Die Bruttolöhne und -gehälter in der privaten Wirtschaft erhöhten sich von Anfang 2000 bis zum ersten Quartal 2010 im Schnitt um 21,8 Prozent, wie das Statistikamt am Mittwoch erklärt hatte. EU-weit legten sie um 35,5 Prozent zu.

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