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Tarifverhandlungen : Leiharbeiter in der Chemie bekommen mehr Geld

Die Chemieindustrie (Archivbild) will ihren Leiharbeitern künftig mehr bezahlen. Bild: dpa

Je länger ein Leiharbeiter in einem Chemie-Unternehmen arbeitet, desto mehr Geld bekommt er künftig. Die Aufschläge sind groß. Jetzt wollen die Arbeitgeber solche Verträge auch in anderen Branchen abschließen.

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          Die Lohnlücke zwischen Stammbelegschaften und Zeitarbeitern wird auch in der Chemiebranche kleiner. Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) sowie die Zeitarbeitgeberverbände BAP und IGZ haben einen Tarifvertrag abgeschlossen, der eine stufenweise Anpassung der Löhne von Leihkräften vorsieht.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Der Abschluss orientiert sich stark an dem kürzlich abgeschlossenen Tarifvertrag zwischen der Zeitarbeit und der IG Metall . Kern der Vereinbarung ist ein so genannter Branchenzuschlag, der erstmals nach sechs Wochen Einsatzdauer fällig wird. Danach erhält ein geringqualifizierter Zeitarbeiter 15 Prozent seines vereinbarten Tariflohns zusätzlich. Die letzte der fünf Stufen ist nach neun Monaten erreicht, dann gibt es 50 Prozent Zuschlag. Die meisten Zeitarbeitsverhältnisse enden allerdings schon nach drei oder vier Monaten. Der Tarifvertrag wirkt vom 1. November dieses Jahres an und läuft bis zum Jahr 2017.

          Angeregt von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen

          Wegen des Lohngefälles gerade bei einfachen Arbeiten in der Industrie zwischen Stamm- und Leihkräften hatte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Tarifparteien aufgefordert, nach Lösungen zu suchen. Andernfalls wolle sie dies durch ein Gesetz regeln. Nach der Einigung für die Metallindustrie hatte sie Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt und Michael Sommer, den Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, zu einem Zeitarbeitsgipfel im Sommer geladen. Die Ministerin betonte dabei immer, dass eine Regelung alle wichtigen Branchen umfassen muss.

          Arbeitgeber wollen ähnliche Regeln auch in anderen Branchen

          Thomas Bäumer, Verhandlungsführer der Zeitarbeitgeber, betonte, nun mit der zweiten wichtigen Industriegewerkschaft eine Tarifabschluss geschafft zu haben. „Wir streben solch eine Regelung auch mit den anderen Einzelgewerkschaften an.“ Eingriffe der Politik in die Tarifautonomie seien damit überflüssig.

          „Wir haben dazu beigetragen, den Missbrauch der Leiharbeit zu begrenzen und zurückzudrängen“, sagte Peter Hausmann, Tarifexperte der IG BCE. „’Gleicher Lohn für gleiche Arbeit’ ist ein Gebot der Fairness und der sozialen Gerechtigkeit.“

          Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat einen entsprechenden Tarifvertrag bislang offiziell immer abgelehnt. Allerdings wächst der Druck mit jedem Abschluss in einer anderen Branche. „Die IG BCE geht davon aus, dass nach dem Durchbruch in der chemischen Industrie auch in den anderen Sektoren Lösungen erzielt werden können“, heißt es schon in der Mitteilung vom Dienstag.

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