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Tarifstreit : Fluglotsen wollen in wenigen Tagen streiken

  • Aktualisiert am

Streiken die Lotsen tatsächlich, fallen rund ein Viertel aller Flüge aus Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Noch nie haben in Deutschland Fluglotsen die Arbeit niedergelegt, jetzt steht ein genauer Streik-Termin bereits fest. Die Deutsche Flugsicherung hält den Streik für rechtswidrig und will seine Mitarbeiter auf Schadensersatz verklagen.

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          Der erste Streik von Fluglotsen in Deutschland steht offenbar unmittelbar bevor. “Es ist alles vorbereitet. Der Streikbeginn ist nur noch eine Frage von Tagen, nicht von Wochen“, sagte der Sprecher der Lotsen-Gewerkschaft GdF, Marek Kluzniak. Der genaue Termin stehe bereits fest, werde aber wie geplant erst 24 Stunden vorher bekannt gegeben.

          Ziel sei, möglichst viele Flüge ausfallen zu lassen. Damit dürfte es zu erheblichen Behinderungen des
          Flugverkehrs in und über Deutschland kommen. Eine Notfallvereinbarung mit der Deutschen Flugsicherung sehe vor, dass lediglich 25 Prozent aller Flüge stattfinden, sagte Kluzniak.

          Auslöser des Arbeitskampfes sind die festgefahrenen Tarifverhandlungen der Lotsen-Gewerkschaft mit der Deutschen Flugsicherung für deren gut 5.000 Beschäftigten, darunter 1.800 Fluglotsen. Das bundeseigene Unternehmen lehnt die Forderungen nach je vier Prozent mehr Gehalt für dieses und nächstes Jahr ab, hat aber bislang noch kein eigenes Angebot vorgelegt.

          Massive Verspätungen und Flugausfälle

          Von den täglich durchschnittlich 8.000 Starts, Landungen und Überflügen über Deutschland sollen wegen des Streiks bis zu 6.000 ausfallen. Überflüge könnten umgeleitet werden. Ansonsten könnten Fluggesellschaften größere Maschinen einsetzen, um ein Teil der Probleme aufzufangen.

          “Doch es wird in jedem Fall zu massiven Verspätungen und Flugausfällen kommen. Wir wollen, dass der Streik auch klar Wirkung zeigt, damit sich die Deutsche Flugsicherung bewegt und wir schnell an den Verhandlungstisch zurückkehren können“, sagte Kluzniak.

          Fluglotsen haben in Deutschland bislang noch nie die Arbeit niedergelegt. Anfang der 70er Jahre gab es lediglich einen so genannten Bummelstreik der damals noch beamteten Lotsen. Die Maßnahme erwies sich allerdings als unrechtmäßig, der damalige Verband der Fluglotsen wurde von Fluggesellschaften auf Schadenersatz verklagt. “Diesmal ist der Streik rechtmäßig. Wir haben alle Fristen eingehalten“, sagte Kluzniak.

          Deutsche Flugsicherung will auf Schadensersatz klagen

          Die bundeseigene Deutsche Flugsicherung (DFS) sieht das anders. Sie hält einen Arbeitskampf für höhere Gehälter unzulässig, weil zurzeit ein Manteltarifvertrag noch nicht gekündigt sei und daher die
          Friedenspflicht herrsche. Mehrere Experten hätten diese Rechtsauffassung bestätigt, hieß es in einer Mitteilung.

          Sollten die Fluglotsen dennoch streiken, müssten sie mit rechtlichen Schritten und Schadenersatzforderungen seitens der DFS rechnen, sagte ein Sprecher der DFS. Auch
          Fluggesellschaften könnten auf Schadensersatz klagen, wenn ihre Flugzeuge wegen eines illegalen Streiks am Boden bleiben müssen.

          Die DFS forderte die Gewerkschaft auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Zugleich bekräftigte sie aber, die Forderung der Fluglotsen würden im Schnitt zu 20 Prozent mehr Einkommen führen und
          die Kosten dafür entsprächen dem gesamten Eigenkapital des Unternehmens.

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