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Tarifrunde : IG Bau fordert 5,9 Prozent mehr

  • Aktualisiert am

Sonnige Ausblicke? Die IG Bau fordert 5,9 Prozent mehr Lohn für ihre Mitglieder Bild: dapd

2010 zogen vor allem die Unternehmens- und Vermögenseinkommen kräftig an. Jetzt verlangen die Arbeitnehmer kräftige Lohnerhöhungen. Auch die Beschäftigten am Bau wollen am Aufschwung teilhaben: Sie fordern 5,9 Prozent mehr Geld.

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          Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) fordert für die rund 700 000 Beschäftigten am Bau 5,9 Prozent mehr Geld. Diese Forderung für die Tarifrunde 2011 hat die Bundestarifkommission der Gewerkschaft am Donnerstag in Frankfurt beschlossen. Der stellvertretende IG Bau-Bundesvorsitzende Dietmar Schäfers sagte: „Der Aufschwung hält auch in diesem Jahr an. Die Bauwirtschaft wird davon profitieren und erwartet ein stabiles Geschäft.“ Die Bauwirtschaft habe sich in den vergangenen zwei Jahren insbesondere dank der Konjunkturpakete stabil entwickelt. Daran müssten die Beschäftigten am Bau nun teilhaben.

          Die Arbeitgeber wiesen die Lohnforderung postwendend als überzogen zurück. Sie sehen die Bauindustrie noch lange nicht zurück auf dem Wachstumspfad. „Fakt ist, dass das Bauhauptgewerbe noch nicht vom gesamtwirtschaftlichen Aufschwung profitiert. Während das Verarbeitende Gewerbe ein Umsatzplus von 12 Prozent verbuchen konnte, sind die Umsätze im Bauhauptgewerbe sogar um ein Prozent gesunken“, sagte der Verhandlungsführer der Bau-Arbeitgeber und Vizepräsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Klaus Hering. Er hoffe, dass die Tarifparteien schnell einen Konsens über die aktuelle konjunkturelle Lage in der Bauwirtschaft erzielen können, um auf einer realistischen Grundlage verhandeln zu können. Die Verhandlungen beginnen voraussichtlich am 4. März in Berlin.

          Nach der Jobsicherung stehen für die Gewerkschaften im Tarifjahr 2011 hohe Lohnzuwächse auf der Agenda. Die Arbeitnehmer wollen vom Aufschwung profitieren. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war das Arbeitnehmerentgelt 2010 gegenüber dem Vorjahr zwar deutlich um 2,6 Prozent gestiegen. Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen legten mit plus 13,2 Prozent aber weitaus kräftiger zu. Wie das Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung am Donnerstag in Düsseldorf mitteilte, stiegen im vergangenen Jahr die Tariflöhne und -gehälter im Durchschnitt um 1,8 Prozent. Da sich die Verbraucherpreise um 1,1 Prozent erhöht hätten, ergebe sich ein realer Anstieg der Tarifvergütungen um 0,7 Prozent.

          Arbeitgeber verweisen auf geringe Umsatzsteigerungen

          Die Forderungen für das Tarifjahr 2011 liegen in wichtigen Branchen bei sechs Prozent und darüber. Verhandlungen stehen zum Beispiel in der Druckindustrie an. In der wichtigsten Industrie- Tarifrunde in diesem Jahr verlangt die Gewerkschaft IG BCE für die rund 550.000 Beschäftigten der Chemie-Industrie 6 bis 7 Prozent mehr Geld, nachdem es beim letzten Mal nur Einmalzahlungen gab. Der größte Flächentarif für die Metall- und Elektroindustrie wird erst 2012 wieder verhandelt.

          Der Vizepräsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, Frank Dupré, bestätigte zwar, dass sich die IG Bau mit ihrer Lohnforderung im Bereich dessen bewegt, was in anderen Branchen gefordert wurde: „Allerdings haben die übrigen Branchen im vergangenen Jahr deutlich höhere Umsatzzuwächse erzielt, als dieses am Bau der Fall war.“

          Die geringen Umsatzsteigerungen der Branche im vergangenen Jahr rechtfertigten keine derart hohe Lohnforderung. Dupré warnte auch angesichts der Öffnung des Arbeitsmarktes nach Osten zum 1. Mai davor, die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Baubetriebe durch hohe Lohnforderungen zu gefährden. „Sonst stehen einmal mehr heimische Arbeitsplätze auf dem Spiel.“ Die IG Bau verlangt, dass in der Tarifrunde auch die Erhöhung der Mindestlöhne zum 1. Dezember 2011 vereinbart wird. Außerdem strebt sie eine weitere Angleichung der Ost- an die Westlöhne an. „Es muss endlich Schluss sein mit der Lohndiskriminierung im Osten“, sagte Schäfers. Das Ziel teilen die Arbeitgeber, betonte Hering: „Aber der Weg und die Geschwindigkeit erfordern kluge Verhandlungen. Wir dürfen den Osten nicht überfordern.“

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