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Tarife : Metallarbeitgeber bieten drei Prozent mehr Geld

  • Aktualisiert am

Die IG Metall fordert 6,5 Prozent mehr Lohn Bild: AP

Bei den Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie haben die Arbeitgeber am Dienstag in Baden-Württemberg das bundesweit erste Angebot vorgelegt. 2,5 Prozent mehr Lohn und einen Konjunkturbonus von 0,5 Prozent sind sie bereit zu zahlen.

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          Die 3,4 Millionen Beschäftigten der deutschen Metall- und Elektroindustrie sollen in diesem Jahr eine dauerhafte Lohn- und Gehaltserhöhung um 2,5 Prozent und zusätzlich für die zwölfmonatige Laufzeit des neuen Tarifvertrages einen Konjunkturbonus von 0,5 Prozent erhalten. Einen entsprechenden „Lösungsvorschlag“ hat der Südwestmetall-Vorsitzende Jan Stefan Roell am Dienstag in der zweiten Verhandlungsrunde in Sindelfingen vorgelegt.

          Außerdem streben die Arbeitgeber den Einstieg in eine systematische und dauerhafte Differenzierung des Weihnachtsgeldes an. Roell bezeichnete die Offerte als „außergewöhnlich attraktives Paket“. Die Tarifparteien hätten die Chance, die wirtschaftliche Erfolgsstory des vergangenen Jahres fortzuschreiben. Ein Beschäftigungszuwachs um 50.000 Stellen sei möglich.

          „Entgelterhöhung mit Verfallsdatum“

          Die IG Metall wies die Offerte als völlig unzureichend zurück. Die Gewerkschaft fordert 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt. IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann kritisierte die Aufteilung der Erhöhung in zwei Bestandteile als pure Augenwischerei. Der Konjunkturbonus sei eine „Entgelterhöhung mit Verfallsdatum“. Hierfür sei die IG Metall nicht zu haben. Mit dem Angebot der Arbeitgeber sei es wie beim Zwiebelschneiden: „Ist die Schale weg, kommen einem die Tränen.“ Die jüngste Erhöhung um 3,6 plus einmalig 0,7 Prozent in der Chemieindustrie sei kein Vorbild, weil die konjunkturelle Situation in der Metallbranche besser sei.

          Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser

          Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser sagte in Berlin, es handele sich nicht um ein erstes Angebot, sondern um einen Lösungsvorschlag, der die Messlatte des Vorjahresabschlusses nicht überschreite. „Es wird nicht der übliche Teppichhandel einsetzen“, stellte Kannegiesser fest. Das Lösungspaket erhöhe die Realeinkommen, beteilige die Arbeitnehmer dauerhaft an der Entwicklung der Produktivität und lasse sie von der guten Lage der Branche profitieren, die allerdings unter der des Vorjahres bleibe.

          Kannegiesser will zügige Lösung

          Die Offerte sei ein großer Schritt hin zum Abschluss und ein klares Zeichen, dass die Arbeitgeber mit aller Kraft auf eine zügige Lösung der Tarifrunde hinarbeiteten. Eine Einigung noch innerhalb der Friedenspflicht, die am 28. April endet, nannte Kannegiesser nicht ausgeschlossen, sofern nicht noch „organisationspolitische Querschläge“ kämen. Er hätte jedenfalls kein Verständnis dafür, wenn die IG Metall mit der üblichen Folklore reagierte und das Lösungspaket zum Anlass für einen großen Showdown nähme.

          Seit November werde nun schon öffentlich über die Tarifrunde diskutiert, sämtliche Fakten und Argumente lägen auf dem Tisch. Außerdem gehe es im wesentlichen nur um das Entgelt. „Diese Runde erfordert keine intellektuellen Höchstleistungen. Insofern sollten wir uns überflüssige Rituale ersparen.“ Die Unternehmen erwarteten Planungssicherheit bei den Kosten, weil sie jetzt wichtige unternehmerische Entscheidungen treffen müssten, mahnte Kannegiesser.

          Er betonte, dass die dauerhafte Erhöhung und der Konjunkturbonus in allen Betrieben gezahlt werden müssten. „Das ist Flächentarif pur. Es gibt keine Differenzierung in der Erhöhung.“ Als Ausgleich dafür wolle man den Betriebsparteien erlauben, künftig Maßstäbe für die Flexibilisierung des Weihnachtsgeldes festzulegen, an die sie sich dann über eine längere Frist von beispielsweise fünf Jahren halten müssten. In welchem Korridor das Weihnachtsgeld schwanken könnte, ließ Kannegiesser offen. „Es gibt eine Menge Zahlen zwischen Null und hundert Prozent.“ Dies festzulegen sei Sache der Betriebe.

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