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Tabaksteuer : Schwere Zeiten für die Zigarettenindustrie

  • Aktualisiert am

Rauchen wird wieder teurer Bild: dpa

Die deutschen Zigarettenhersteller müssen sich auf einen massiven Absatzrückgang einstellen. Tabaksteuer und Schmuggel machen der Branche zu schaffen.

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          Die deutschen Zigarettenhersteller müssen sich auf einen massiven Absatzrückgang einstellen. Die Industrie wird Fertigungen stillegen, im Einzelhandel wird mit Betriebsaufgaben gerechnet.

          Allein im ersten Monat dieses Jahres ist der Absatz von Fabrikzigaretten (Marken- und Handelszigaretten) um mehr als ein Sechstel auf 8,7 (Vorjahr: 10,5) Milliarden Stück eingebrochen. Dies ist nach Ansicht von Branchenexperten weniger auf zurückgehenden Zigarettenkonsum, sondern vielmehr auf die drastische Erhöhung der Tabaksteuer und in deren Folge auf die Zunahme günstigerer Angebote (Handelsmarken, Steckzigaretten) sowie den organisierten Schmuggel zurückzuführen.

          Die "Privateinfuhr" dürfte weiter gewachsen sein. Im vergangenen Jahr war sie am Zigarettenabsatz von 145 Milliarden Stück bereits mit 8 Prozent beteiligt.

          Konsumenten weichen aus

          Nach einer Steuererhöhung von jeweils 1 Cent je Zigarette in den Jahren 2002 und 2003 wird die Steuer dieses Jahr gleich zweimal um jeweils 1,2 Cent je Zigarette (im März und Dezember) und im Herbst 2005 nochmals um 1,2 Cent erhöht. Eine Packung "Lucky Strike" beispielsweise, für die um die Jahrhundertwende 2,60 Euro bezahlt wurde, wird im März 3,50 Euro kosten.

          Nach Branchenmeinung wird der Fiskus erstmals weniger Geld aus der Tabaksteuer einnehmen. Der Rückgang wird auf 6 bis 7 Prozent geschätzt, nachdem das Tabaksteueraufkommen zwischen 2001 und 2002 noch von 11,4 auf 13,2 Milliarden Euro gestiegen war. Denn geraucht wird kaum weniger. Vielmehr weichen die Konsumenten zunehmend auf günstigere Angebote aus.

          „Grauer Markt“ wächst

          Mit Sorge beobachtet der Verband der Deutschen Cigarettenindustrie das stürmische Wachstum des "grauen Marktes", der durch legale und illegale Privateinfuhr sowie durch den organisierten Schmuggel versorgt wird. Nach Angaben von Ernst Brückner, Geschäftsführer des Verbands, ist derzeit fast jede zwölfte in Deutschland gerauchte Zigarette nicht in Deutschland - wenn überhaupt - versteuert.

          Durch die Öffnung der Ostgrenzen im Mai werde sich der grenzüberschreitende Handel weiter ausbreiten, meint er und befürchtet, daß sich die Raucher im grenznahen Bereich (bis zu 30 Kilometer) zu Polen und zur Tschechischen Republik systematisch jenseits der dann offenen Grenzen mit Zigaretten zu versorgen beginnen.

          Je größer die Preisdifferenz werde - versteuerte Zigaretten in Polen sind bald um die Hälfte billiger -, desto größer werde auch der Einzugsbereich sein.

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