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Südchinesisches Meer : Säbelrasseln über dem Meer

Drohgebärden: Amerikanisches Kriegsschiff und ein Schiff der Küstenwache im Hafen von General Santos auf den Philippinen Bild: Getty Images

Reiche Fischgründe, die wichtigsten Schifffahrtswege der Welt und womöglich auch Öl und Gas: China, Amerika, Indien und Südostasien ringen um die Vorherrschaft in Asiens Mittelmeer. Mit - fast - allen Mitteln.

          Für Xiao Jie dürfte es ein großer Sieg gewesen sein. Gerade wurde der 51-Jährige zum ersten Bürgermeister der chinesischen Stadt Sansha gewählt. Sein Amtssitz liegt mitten im Südchinesischen Meer, auf den Paracel-Inseln, gut tausend Kilometer vor dem chinesischen Festland. Xiao führt nur knapp 600 Bürger. So könnte er regieren wie einst König Alfons der Viertelvorzwölfte von Lummerland. Wäre Sansha nicht Ausgangspunkt von Chinas Machtstreben, das Südchinesische Meer zu beherrschen. Bald will Peking eine Garnison nach Sansha verlagern. Deshalb schlug Xiaos Wahl Wellen bis nach Hanoi, nach Manila, ja nach Washington.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Vor der chinesischen Botschaft in Vietnams Hauptstadt Hanoi schreien Demonstranten ihre Wut hinaus, auf Spruchbändern hetzen sie gegen den „Bastard-Nachbarn“ China. Einer diktiert Reportern in den Block, China verhalte sich wie Hitler-Deutschland beim Überfall auf Polen. Einige Wochen zuvor, drei Flugstunden weiter östlich auf den Philippinen, fragt Präsident Benigno Aquino seine Landsleute in einer Regierungsansprache: „Was würdet Ihr tun, wenn ein Nachbar in euer Haus eindringt, und es nicht mehr hergeben will?“ Sie recken die Fäuste.

          China und Indien stoßen bei der Ölsuche aufeinander

          Das „Haus“, das sind aus Sicht der Demonstranten in Manila die Seegebiete der Philippinen. Und den „Überfall“ erkennen die Protestierer in Hanoi in Chinas Vorpreschen in Seeregionen, die ihrer Ansicht nach Vietnam gehören. Der Streit um das Südchinesische Meer ist nur auf den ersten Blick bizarr. Engagiert sind die größten Wirtschaftsnationen der Welt, einige derjenigen, die am schnellsten wachsen und eng miteinander verflochten sind. „Alle, die Ansprüche anmelden, stärken ihren militärischen Apparat und ihre Durchsetzungskraft. Unterdessen stützt der wachsende Nationalismus in der jeweiligen Heimat die Hardliner, die auf einen noch stärkeren Auftritt in Territorialfragen drängen“, heißt es bei der International Crisis Group. Die Region gilt inzwischen als Austragungsort für den schwersten bilateralen Konflikt zwischen Amerika und China.

          Gleich sechs Nationen streiten sich um Gebiete im Südchinesischen Meer Bilderstrecke

          Jahrhunderte galt die See um die Spratly- und Paracel-Inseln und die Scarborough-Untiefen Kapitänen als „dangerous ground“, als gefährliches Gebiet, aufgrund seiner vielen unkartierten Riffs. Gefährlich bleibt sie im Zeitalter der Satellitennavigation: Jetzt liegen die Risiken im Ringen um Rohstoffe, in einer unkalkulierbaren Politik, im Machtstreben, in Provokationen. Der Ton ist rauh, die Regierungen ziehen fast alle diplomatischen und militärischen Register. Zweimal haben Schiffe der chinesischen Marineüberwachung Haijian Badui und später ein angeblich eigens dafür umgerüstetes, chinesisches Fischerboot Kabel von vietnamesischen, norwegischen und philippinischen Forschungsschiffen in den Einflusssphären Vietnams und der Philippinen in voller Fahrt durchtrennt, als diese Ölvorkommen erforschten.

          Nur auf den ersten Blick geht es um ein paar Inseln irgendwo in den 650.000 Quadratkilometern grauer See, die meisten nicht mehr als Steinhaufen oder Riffs. Sie bieten kein Süßwasser, viele sind bei Flut nicht zu sehen. Um sie herum aber liegen reiche Fischgründe, unter ihnen womöglich riesige Vorkommen an Öl und Gas, vor ihnen die wichtigsten Schifffahrtswege der Welt. Hier verläuft die Schlagader des Welthandels, zwischen dem Westen und den Wachstumsweltmeistern in Nordasien. Ein Drittel des globalen Warenverkehrs wird durch das Südchinesische Meer abgewickelt, freie Schifffahrtswege sind für Amerikaner und Asiaten ein nicht verhandelbares Gut. „Wie ein Krieg zwischen Amerika und China zu vermeiden ist“, erklärte die Zeitung des benachbarten Stadtstaates Singapurs ihren Lesern Mitte der Woche. Besonders besorgniserregend: Inzwischen stoßen auch die Rivalen China und Indien hier bei der Suche nach Rohöl aufeinander.

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