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Südafrikanische Zentralbank : "Wir müssen auf Preisschocks reagieren"

  • Aktualisiert am

Tito Mboweni Bild: AP

Die Inflation in Südafrika steigt unaufhörlich. Gewerkschaften werfen Notenbankchef Tito Mboweni vor, mit Zinserhöhungen der Wirtschaft mehr zu schaden als zu nützen. Im Gespräch mit der F.A.Z. verteidigt sich Mboweni: Auf die Haupttreiber der Inflation habe die Zentralbank keinen Einfluss.

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          Trotz einer Serie kräftiger Zinserhöhungen steigt die Inflation in Südafrika unaufhörlich. Gewerkschaften und namhafte Ökonomen werfen Tito Mboweni, dem Gouverneur der südafrikanischen Zentralbank, vor, der Wirtschaft mehr zu schaden als zu nützen. Auf die Haupttreiber der Inflation, die Nahrungsmittelpreise und den Ölpreis, habe die Zentralbank keinen Einfluss. Der 49 Jahre alte Gouverneur - der erste Schwarze in diesem Amt in Südafrika - jedoch bleibt hart.

          Die Inflationsrate ist vor kurzem auf den höchsten Stand seit fünf Jahren geklettert, obwohl die Zentralbank die Zinsen seit Juni 2006 um insgesamt 5 Prozent erhöht hat. Ist Ihre Politik wirkungslos?

          Der Hauptgrund für den Inflationsanstieg liegt in externen Schocks, vor allem im Anstieg der Lebensmittel- und Energiepreise. Die Geldpolitik kann die Erstrundeneffekte dieser Schocks nicht verhindern. Sie muss sich darauf konzentrieren, einem allgemeinen Preisanstieg entgegenzuwirken. Ihre Wirksamkeit muss daran gemessen werden, ob sie Zweitrundeneffekte eindämmt und ob sie die Inflation in einer vernünftigen Zeit wieder in den Bereich bringt, der von der Zentralbank angestrebt wird.

          Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz argumentiert, dass eine Zentralbank in einem Entwicklungsland angesichts der drastisch gestiegenen Nahrungsmittelpreise ein Inflationsziel nur erreichen kann, wenn sie besondere Härten für die Bevölkerung in Kauf nimmt. Warum halten Sie trotzdem an Ihrem Inflationsziel fest?

          Unabhängig davon, ob wir ein Inflationsziel haben oder nicht, müssen wir auf die externen Preisschocks reagieren. Die meisten Zentralbanken haben Preisstabilität als eines ihrer Hauptziele. Wenn wir verhindern wollen, dass die Preisschocks die Inflationserwartungen beeinflussen und die Inflation über eine Lohn-Preis-Spirale angeheizt wird, müssen wir reagieren. Unsere Reaktionen und unsere Instrumente sind die gleichen, ob wir ein Inflationsziel haben oder nicht. Wenn wir der Inflation tatenlos zusehen, haben wir in der Zukunft das Problem einer weitaus höheren Inflation.

          Die Wirtschaft Südafrikas ist im ersten Quartal so langsam gewachsen wie seit sechseinhalb Jahren nicht mehr. Wie werden sich weitere Zinserhöhungen auf das Wachstum auswirken?

          Zweifellos haben die höheren Zinsen den Konsum beeinflusst, das könnte sich zu einem gewissen Grad auf das Wachstum auswirken. Die realen Zinsen jedoch sind nicht besonders hoch, so dass die Investitionsnachfrage nicht deutlich getroffen sein wird. Die Wirtschaft Südafrikas ist lange Zeit kräftiger gewachsen als das von uns geschätzte Potentialwachstum von 4,5 Prozent. Eine Mäßigung würde uns daher helfen, den Inflationsdruck abzudämpfen. Wir erwarten jedoch keinen drastischen Abschwung, weil das Wachstum von den großen Infrastrukturprojekten der Regierung gestützt wird. Das Finanzministerium rechnet mit 4 Prozent Wachstum in diesem Jahr, die Privatwirtschaft mit 3,5 Prozent.

          Zentralbanken wie die amerikanische Fed haben den entgegengesetzten Kurs eingeschlagen. Zu Recht?

          Im Moment konzentriert sich die Fed wegen der Subprime-Krise auf die Stabilität auf den Finanzmärkten und versucht, den Banken aus dem Liquiditätsengpass zu helfen. Wir würden ähnlich agieren, wenn wir in dieser Situation wären. Glücklicherweise sind Südafrika die schlimmsten Folgen der Finanzkrise erspart geblieben. Daher können wir uns weiterhin auf unsere Hauptaufgabe konzentrieren, auf die Preisstabilität.

          Die hohen Nahrungsmittelpreise haben in afrikanischen Ländern zu Unruhen geführt. Auch in Südafrika gingen die Menschen auf die Straße und forderten Preisregulierung. Was halten Sie davon?

          Preiskontrollen wirken nicht in einer Marktwirtschaft. Wenn der Preis kontrolliert wird, entsteht ein Schwarzmarkt. Am Ende werden weniger Nahrungsmittel in den Supermarktregalen zu finden sein. Es gibt bessere Möglichkeiten, um den Armen zu helfen, aber das ist eine Frage der Fiskalpolitik.

          Südafrika sorgt nicht gerade für positive Schlagzeilen: Energiekrise, Inflation, politische Unsicherheit und jetzt auch noch die Angriffe auf afrikanische Immigranten. Gibt es auch gute Nachrichten für ausländische Investoren?

          Meine Botschaft an Investoren lautet: Auch wenn wir uns derzeit vielen Herausforderungen gegenübersehen, bin ich sicher, dass wir diese meistern werden. Was die Energiekrise angeht, wurde anfangs vermutlich überreagiert, als die Bergwerke eine Woche lang geschlossen wurden. Die Situation hat sich mittlerweile mehr oder weniger normalisiert. Da wir nur geringe Reserven haben, bleibt die Energieversorgung jedoch anfällig. Natürlich sind wir besorgt über die Inflation, aber wir sind entschlossen, sie unter Kontrolle zu bringen.

          Wann wird die Inflation wieder den Zielkorridor von 3 bis 6 Prozent erreichen?

          Derzeit erwarten wir eine Rückkehr in den Zielkorridor im letzten Quartal 2010.

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