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Suche nach Energierohstoffen : Deutschland sucht Erdgas vor ostafrikanischer Küste

  • -Aktualisiert am

Neu gebaut: das Forschungsschiff „Sonne“ im überdachten Baudock der Meyer-Werft in Papenburg Bild: dpa

Eine Forschungsexpedition des Bundes erkundet den Meeresgrund vor Tansania und Moçambique. Dort vermuten Forscher große Erdgasvorkommen.

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          Deutschland intensiviert die Suche nach Energierohstoffen auf der südlichen Erdhalbkugel. Erst Ende vorigen Jahres hatte die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) eine internationale Lizenz zur Erkundung von mineralischen Rohstoffvorkommen im Pazifik vor Madagaskar beantragt. Nun hat sie das Forschungsschiff „Sonne“ Richtung Ostafrika in Marsch gesetzt.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Das Ziel der sechswöchigen Forschungsmission sei die Erkundung der ostafrikanischen Bruchzone vor Tansania und Moçambique. Damit soll auch eine genauere Einschätzung der dort vermuteten Erdgasvorkommen vorgenommen werden, teilt die BGR mit. Die Behörde untersteht dem Bundeswirtschaftsministerium.

          Die nachgewiesenen und vermuteten Erdgasressourcen im Gebiet der beiden ostafrikanischen Staaten sind immens. Sie würden rechnerisch reichen, Deutschland viele Jahrzehnte mit Erdgas zu versorgen. In einer Studie beziffert die BGR sie auf 5,2 Billionen Kubikmeter. Das wäre annähernd das Dreifache dessen, was beispielsweise Norwegen an wirtschaftlich förderbaren Reserven und an darüber hinaus nachgewiesen Ressourcen hat. Norwegen ist nach Russland der größte Erdgasproduzent in Europa.

          Mit den Erdgasfunden strebten Tansania und Moçambique „einen vorderen Platz unter den Exportnationen für Erdgas in verflüssigter Form (LNG) an“, schreiben die BGR-Experten. Auch wenn man seit rund 100 Jahren über Vorkommen an Land Bescheid wisse, sei die Ausbeutung in größerem Stil in diesen Ländern erst in den vergangenen Jahren in Gang gekommen. Allein in Moçambique summierten sich die in den vergangenen zehn Jahren neu entdeckten technisch förderbaren Erdgasressourcen auf annähernd 3 Billionen Kubikmeter. Weitere Erdgasfunde in erheblichem Umfang seien zu erwarten.

          Die Ressourcen in Tansania, allerdings teils 1500 Meter unter der Wasseroberfläche gelegen, würden auf weitere 1,5 Billionen Kubikmeter geschätzt. Viele internationale Konzerne seien an der Ausbeutung beteiligt, darunter europäische wie Eni aus Italien, Statoil aus Norwegen und Total aus Frankreich, aber auch asiatische und afrikanische Gesellschaften. Deutsche Firmennamen fehlen allerdings in der Auflistung. Die Erdgasfunde im Meer vor Moçambique und Tansania könnten diese Region zu einem weltweit bedeutenden Exporteur von verflüssigtem Erdgas werden lassen, vermutet die BGR. Das Gas sei trocken und benötige wenig Aufbereitung.

          Da die lokale Nachfrage nicht groß sei und es an Leitungsinfrastruktur fehle, werde vor allem über einen Transport des Erdgases in verflüssigter Form als LNG nachgedacht. Die Lage der Staaten mache sie zu geeigneten Standorten für Lieferungen nach Ostasien. Beide Länder konkurrierten um den Bau der ersten LNG-Anlage in Ostafrika. Erste Lieferungen seien kaum vor dem Ende dieses Jahrzehnts zu erwarten, da zuvor mehrere Dutzend Milliarden Euro investiert werden müssten - ein Vielfaches des Bruttoinlandsprodukts von Moçambique und Tansania.

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