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Subprime-Kredite : Schlechtes Englisch schützt vor der Finanzkrise

Spricht sehr gut Englisch: Taro Aso Bild: REUTERS

Japans Finanzinstitute kamen erstaunlich gut durch die Krise. Finanzminister Taro Aso überrascht nun mit einer skurrilen These, warum dies so war. Tokios Bankszene reagiert mit hochgezogenen Augenbrauen.

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          Der japanische Finanzminister Taro Aso, bekannt für gelegentlich wundersame Äußerungen, hat jüngst eine ungewöhnliche Erklärung dafür geliefert, warum die japanischen Banken von der internationalen Finanzkrise kaum betroffen sind. Auf einem Seminar in Tokio sagte Aso, dass oft darauf hingewiesen wird, wie gut Japans Finanzinstitute durch die Krise gekommen sind. „Das ist nicht die ganze Wahrheit“, sagte er und lieferte seine Erklärung gleich nach: „Die Manager japanischer Banken verstehen kaum Englisch.“ Deswegen hätten sie damals die Finanzprodukte der amerikanischen Banken, die die Subprimekrise auslösten und die Bilanzen ihrer europäischen Kollegen bis heute belasten, auch nicht gekauft.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Dass es in Japan schwieriger ist als in anderen Ländern, mit Englisch durch den Alltag oder durchs Geschäftsleben zu kommen, erfahren Ausländer selbst in der Hauptstadt Tokio immer wieder. Dabei sind die Englischkenntnisse der Japaner besser als ihr Ruf. In den Schulen wird allerdings zu viel Grammatik gepaukt und zu wenig Wert darauf gelegt, die Sprache auch tatsächlich zu sprechen. Aso meint dennoch, weil die Banker in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt nur schlecht Englisch verstünden, seien sie der internationalen Kreditkrise noch einmal entronnen. Zumindest die Bankszene in Tokio reagierte auf Asos Erklärungen mit hochgezogenen Augenbrauen.

          Aso selbst ist bekannt dafür, dass er sehr gut Englisch spricht. Die konservative Zeitung „Yomiuri“ lobte ihn dafür, dass er mit ausländischen Kollegen auch Englisch die „Klingen kreuzen“ könne. Deswegen ist der Finanzminister, der auch stellvertretender Ministerpräsident ist, dieser Tage neben einer bekannten Fernsehansagerin als Werber für die Olympiabewerbung Tokios für 2020 ernannt worden. Es werde sicher Eindruck machen, wenn Japaner im September vor dem Olympischen Komitee die Bewerbung Tokios ohne einen Übersetzer präsentieren, erklärte ein Sprecher der Stadtverwaltung stolz. Aso habe „einen großen Namen“, meinte der Sprecher. „Er ist Weltklasse.“

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