https://www.faz.net/-gqe-x23g

Studie zur Schattenwirtschaft : Jeder Zehnte arbeitet schwarz

Wird ihrem Ruf gerecht: die Baubranche Bild: ddp

Ungefähr jeder Zehnte in Deutschland gibt zu, Schwarzarbeit zu leisten - und zwar durchschnittlich zu einem Lohn von etwa 10 Euro. Das ergaben Umfragen für eine Studie über die Schattenwirtschaft. Knapp 30 Prozent der Schwarzarbeit findet am Bau statt.

          Ungefähr jeder Zehnte in Deutschland gibt zu, Schwarzarbeit zu leisten – und zwar durchschnittlich knapp acht Stunden in der Woche zu einem Lohn von etwa 10 Euro. Allerdings sind sowohl der Anteil der Schwarzarbeiter als auch ihre Wochenarbeitszeit von 2001 bis 2006 leicht gesunken. Das ergaben Umfragen für eine Studie, die der Wirtschaftsprofessor Lars Feld von der Universität Heidelberg und der dänische Ökonom Claus Larsen erstellt haben. Der von der Rockwool Foundation finanzierten Studie liegen mehrere repräsentative Befragungen von meist 2000 und zuletzt 1000 Menschen zugrunde. Nach den Antworten schwankte der Anteil der Schwarzarbeiter zwischen 12 und 7 Prozent der Bevölkerung mit zuletzt fallender Tendenz. Die wöchentliche Arbeitszeit dieser Gruppe betrug zwischen 8,2 und 6,7 Stunden, ebenfalls mit leicht sinkender Tendenz.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die beiden Autoren der Studie sind vorsichtig in ihrer Interpretation der Ergebnisse. Es sei nicht klar, ob tatsächlich das Ausmaß der Schwarzarbeit zurückgehe oder nur die Auskunftsbereitschaft der Befragten. Im Sommer 2004 wurde das Gesetz zur Bekämpfung der Schwarzarbeit beschlossen; gleichzeitig begannen öffentliche Abschreckungskampagnen. Durchschnittlich ergaben die Umfragen, dass etwa doppelt so viele Männer wie Frauen schwarz arbeiten. Unter Jüngeren, Arbeitslosen und Selbständigen ist Schwarzarbeit verbreitet, generell mehr im Osten als in Westdeutschland. Knapp 30 Prozent der Schwarzarbeit findet am Bau statt, 15 Prozent in Landwirtschaft und Gärtnereien, 15 Prozent in privaten Haushalten sowie 8 Prozent in Hotels und Gaststätten. Aus den Umfrageergebnissen errechnen die Forscher einen Anteil der Schwarzarbeit am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 3,2 Prozent im Westen und 4,8 Prozent im Osten im Jahr 2005. Im Jahr 2006 waren es demnach nur noch 2,5 Prozent für ganz Deutschland.

          118.000 Strafverfahren wurden im Jahr 2007 eröffnet

          Andere Wissenschaftler, die sich mit dem Ausmaß der Schwarzarbeit und der Schattenwirtschaft beschäftigen, kommen meist zu höheren Ergebnissen. Der renommierte Linzer Ökonom Friedrich Schneider, der mit dem Bargeldschätzansatz arbeitet, beziffert die Wertschöpfung der Schattenwirtschaft in Deutschland auf etwa 348 Milliarden Euro im vergangenen Jahr (siehe: Ein ganzes Bundesland arbeitet schwarz). Dies entspräche knapp 15 Prozent des BIP und umgerechnet bis zu 8 Millionen Vollzeitarbeitsstellen. „Diese Schätzungen stellen den obersten Rand des Wahrscheinlichen dar“, sagt dazu Feld, „unsere umfragebasierten Ergebnisse sind wohl der untere Rand.“

          Auch Schneider schätzt, dass die Schwarzarbeit seit 2004 gesunken ist, führt dies aber vor allem auf eine Liberalisierung des Arbeitsmarktes zurück. Die höhere Mehrwertsteuer seit 2007 habe dagegen einen Schub für die Schattenwirtschaft gebracht. Wie groß die abschreckende Wirkung von schärferen Gesetzen und strengeren Kontrollen ist und welchen Einfluss andere Faktoren auf die Steuermoral haben, ist eine unter Wissenschaftlern umstrittene Frage, die Feld mit ökonometrischen Methoden zu beantworten sucht. Das Risiko, als Schwarzarbeiter entdeckt zu werden, schätzten 41 Prozent der von ihm Befragten als sehr hoch oder hoch ein; 45 Prozent hielten es jedoch für gering. Im Jahr 2007 kontrollierte der Zoll rund 477.000 Personen und eröffnete 118.000 Strafverfahren – 13 Prozent mehr als im Vorjahr.

          Wichtiger noch als harte Strafen – dies ergab eine Studie von Feld und Benno Torgler zur Entwicklung in der ehemaligen DDR seit der Wiedervereinigung – ist für die Steuermoral, dass der Staat und seiner Steuergesetze als legitim und gerecht anerkannt werden.

          Weitere Themen

          Neue Vorwürfe gegen Scheuer

          Maut-Debakel : Neue Vorwürfe gegen Scheuer

          Die Pkw-Maut kommt nicht - jetzt werden die Verträge aufgearbeitet. Hat Verkehrsminister Scheuer getrickst, damit die Mauterhebung billiger aussieht?

          Topmeldungen

          Wer macht’s? Annalena Baerbock und Robert Habeck

          Grüne Kanzlerkandidatur : Baerbock oder Habeck?

          Die grüne Spitze kommt gut an. Doch Annalena Baerbock und Robert Habeck wollen nicht darüber reden, wer Kanzlerkandidat wird und mit wem sie im Bund koalieren wollen.
          Verkehrsminister Andreas Scheuer

          Maut-Debakel : Neue Vorwürfe gegen Scheuer

          Die Pkw-Maut kommt nicht - jetzt werden die Verträge aufgearbeitet. Hat Verkehrsminister Scheuer getrickst, damit die Mauterhebung billiger aussieht?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.