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Studie : Ganz Amerika profitiert von Freihandel mit Europa

Vom geplanten transatlantischen Freihandelsabkommen würden alle amerikanischen Bundesstaaten profitieren, belegt eine neue Studie Bild: dapd

Von dem angestrebten Freihandelsabkommen mit der EU würden alle 50 amerikanischen Bundesstaaten profitieren. Das zeigt eine Studie und belegt, wie stark die transatlantische Wirtschaft schon verflochten ist.

          2 Min.

          Das angestrebte umfassende Freihandelsabkommen zwischen der Europäische Union und Amerika hilft den Vereinigten Staaten nicht nur insgesamt, sondern auch jedem einzelnen der 50 Bundesstaaten. Diese dürfen einen Exportzuwachs in die EU und einen Beschäftigungszuwachs erwarten. Das ist das Ergebnis einer Studie der Britischen Botschaft, der Bertelsmann Stiftung und des Atlantic Council, die an diesem Dienstag in Washington vorgestellt wird.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Europäische Union und die Vereinigten Staaten, die beiden größten Wirtschaftsräume der Welt, hatten im Sommer mit den konkreten Verhandlungen über das umfassenden Freihandels- und Investitionsabkommen (TTIP) begonnen und steuern damit auf einen lange gehegten Traum zu. Beide Seiten streben eine schnelle Einigung an, wobei die Verhandlungen noch sehr am Anfang stehen und noch unklar ist, ob und wie die Knackpunkte etwa im Agrarhandel gelöst werden können.

          865 Dollar pro vierköpfiger Familie mehr im Jahr

          Von einem umfassenden Freihandels- und Investitionsabkommen würden nach allen bisher vorliegenden Studien sowohl die Amerikaner und als auch die Europäer profitieren. Nach einer Studie erzielten amerikanische Haushalte mit vier Personen im Jahr ein Einkommensplus von 865 Dollar. Für europäische Familien wären es fast 720 Dollar. Neu an der jetzt vorgelegten Studie ist, dass sie auf die Auswirkungen auf die Regionen – in diesem Fall die amerikanischen Bundesstaaten – fokussiert. Indirekt zeigt die Studie damit, wie stark die transatlantische Wirtschaft schon verflochten ist.

          Alle Bundesstaaten profitieren nach der Studie im Export, durchschnittlich dürfen sie einen Exportzuwachs von 33 Prozent erwarten. Die Unterschiede sind dabei groß: Für West-Virginia erwarten die Institute ein Plus von 6,6 Prozent, für Süd-Karolina von 187 Prozent.

          Automobilwirtschaft profitiert besonders

          Die Studie zeigt zwei generelle Trends auf: Zum einen wird aus amerikanischer Sicht der Güterhandel mit einem umfassenden Freihandelsabkommen stärker wachsen als der Handel mit Dienstleistungen. Das ist insoweit bemerkenswert, als der Dienstleistungsexport nach Europa schon jetzt einen größeren Anteil am amerikanischen Dienstleistungsexport hat als der entsprechende Warenhandel.

          Als zweiten Trend erwarten die Institute, dass vor allem die amerikanischen Regionen profitieren werden, die schon jetzt stark in die Zulieferketten für den transatlantischen Automobilmarkt integriert sind. Für Michigan erwarten die Institute einen Exportzuwachs dem Wert nach von 95 Prozent, für Süd-Karolina und Alabama von 187 beziehungsweise 138 Prozent. Größere Zugewinne im Export erwarten die Institute auch in der Chemiewirtschaft. Davon würden vor allem Pennsylvania, New Jersey und Nord-Karolina profitieren.

          Beschäftigungszuwachs hängt nicht nur am Export

          Mit dem Exportgewinn geht ein Beschäftigungszuwachs einher, der gemäß der Studie alle 50 Bundesstaaten erfassen wird. Die meisten neuen Stellen entstünden dabei in Kalifornien mit 75.000, in Texas mit 67.000 und in New York mit 51.000.

          Die Institute betonen dabei, dass der Beschäftigungszuwachs nicht nur am Export hängt. Mindestens ebenso stark wirkt, dass durch den Abbau von Handelshemmnissen und den größeren Wettbewerbsdruck die Produktion effizienter wird und damit die Preise der Tendenz nach sinken werden. Zudem steigen durch die Mehrproduktion die Einkommen, was Mehrausgaben und weitere Beschäftigungsgewinne an anderen Stellen ermöglicht.

          Studie mit großer Bedeutung

          Die Studie über die regionalen Folgen des Freihandelsabkommens ist von großer Bedeutung, weil über das Freihandelsabkommen letztlich nicht die Vereinigten Staaten oder die Europäische Union bestimmen, sondern regionale Interessen. In den Vereinigten Staaten muss der Kongress zustimmen, in dem das Stimmverhalten der Abgeordneten und erst recht der Senatoren stark von ihrer regionalen Herkunft abhängt. In der EU gilt ohnedies, dass ein Freihandelsvertrag mit den Vereinigten Staaten von allen Mitgliedstaaten ratifiziert werden müsste.

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