https://www.faz.net/-gqe-8i6b0

Lohnlücke : Deshalb verdienen Frauen weniger

  • Aktualisiert am

Gut bezahlt? Bild: Picture-Alliance

Werden Frauen mit dem Gehaltszettel diskriminiert? Ein Institut hat jetzt ausgerechnet, warum sie weniger Lohn bekommen. Die Familienministerin mag die Studie nicht.

          2 Min.

          Forscher des IW-Instituts halten staatliches Eingreifen wegen der Gehaltsunterschiede bei Männern und Frauen für unnötig. Frauen verdienten in Deutschland zwar im Schnitt 21 Prozent weniger als ihre Kollegen, aber die gesamtwirtschaftliche Lohnlücke sei deutlich geringer, teilten die arbeitgebernahen Ökonomen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) am Montag mit.

          Denn Frauen arbeiteten häufiger Teilzeit und meist in Branchen mit geringerer Entlohnung – etwa in der Erziehung sowie im Gesundheits- und Sozialwesen. Klammere man dies aus, so liege die Lohnlücke nur bei rund 6,6 Prozent. „Der Politik fehlt damit die entscheidende Begründung für das Lohngerechtigkeitsgesetz“, sagte IW-Direktor Michael Hüther. Familienministerin Manuela Schwesig wies dies umgehend zurück.

          Schwesig dringt darauf, dass Beschäftigte ein Auskunftsrecht zu den Gehaltsstrukturen in ihren Betrieben bekommen. Durch mehr Transparenz erhofft sich die SPD-Politikerin größeren Druck auf die Arbeitgeber, der dann zu einer Annäherung bei der Bezahlung führen soll. Schwesigs Gesetzentwurf liegt aber seit Monaten im Kanzleramt auf Eis, da sich SPD und Union um Details streiten.

          Gründe für die Lohnlücke

          Laut der Analyse sind die Hauptgründe dafür, dass Frauen weniger verdienen:

          Berufserfahrung: Die Kindererziehung übernehmen oftmals die Frauen. Deshalb fehlt ihnen danach die Berufserfahrung – und sie verdienen weniger.

          Branche: Frauen arbeiten häufig im Gesundheits- und Sozialwesen, seltener in der Industrie, wo hohe Gehälter gezahlt werden.

          Verantwortung im Beruf: Innerhalb ihrer Berufe übernehmen Männer häufig die verantwortungsvolleren Aufgaben. Dabei geht es nicht in erster Linie um Führungsverantwortung. Männer arbeiten häufig an Positionen, an denen mehr Selbständigkeit verlangt wird. Gleichzeitig arbeiten Frauen eher unterhalb ihrer Qualifikation.

          Unternehmensgröße: Große Unternehmen zahlen mehr als kleine. Frauen arbeiten häufiger in kleinen Firmen.

          Schwesig kritisierte die IW-Analyse. „Es ist doch offensichtlich, dass das Problem der Lohnlücke kleingeredet und kleingerechnet wird“, sagte die Sprecherin der Ministerin. „Fest steht: Frauen mit gleicher Qualifikation auf vergleichbaren Stellen verdienen sieben Prozent weniger.“ Die Lohnlücke sei keine private Entscheidung. „Die Lohnlücke hat etwas mit verkrusteten Strukturen zu tun, die wir aufbrechen müssen, um die Gleichstellung der Frauen zu erreichen.“

          Das Berliner DIW-Institut betonte, es sei für Männer leichter in Führungspositionen zu kommen. „Durch das Ehegattensplitting und die ungleiche Entlohnung von Frauen und Männern wird die tradierte Aufgabenteilung im Haushalt gefördert und letztendlich reproduziert“, sagte DIW-Expertin Elke Holst zu Reuters. Bei Lohn und Gehalt seien Frauen oft bis zum 29. Lebensjahr fast gleichauf. „Dann bekommen viele ihr erstes Kind. Danach vergrößert sich die Lohnlücke.“

          Weitere Themen

          Österreichs nie genutztes Kernkraftwerk Video-Seite öffnen

          Zwentendorf : Österreichs nie genutztes Kernkraftwerk

          In Betrieb gegangen ist das einzige Atomkraftwerk Österreichs nie, da sich die Menschen in einer Volksabstimmung in den siebziger Jahren gegen die Kernkraft entschieden. Aus Wien kommt nun heftiger Widerstand gegen die Brüsseler Taxonomie-Verordnung.

          Das erste Wasserstoff-Schiff der Welt ist unterwegs

          Von Australien nach Japan : Das erste Wasserstoff-Schiff der Welt ist unterwegs

          Wasserstoff ist ein großer Hoffnungsträger für die Energieversorgung der Zukunft. Der Transport in der „riesigen Thermoskanne“ gilt als „Meisterleistung der Ingenieurskunst“. Allerdings wird er in Australien noch so produziert, wie das nicht alle möchten.

          Topmeldungen

          Die Suiso Frontier bei ihrer Ankunft im Hafen von Hastings, Australien.

          Von Australien nach Japan : Das erste Wasserstoff-Schiff der Welt ist unterwegs

          Wasserstoff ist ein großer Hoffnungsträger für die Energieversorgung der Zukunft. Der Transport in der „riesigen Thermoskanne“ gilt als „Meisterleistung der Ingenieurskunst“. Allerdings wird er in Australien noch so produziert, wie das nicht alle möchten.
           Will Emmanuel Macron beerben: Valérie Pécresse

          Wahl in Frankreich : Madame statt   Macho?

          Frauen haben es in der französischen Politik schwer. Jetzt treten rechts von der Mitte gleich mehrere Kandidatinnen gegen Emmanuel Macron an. Das hat es in der V. Republik noch nicht gegeben.
          Wald tut gut. Aber was ist jetzt gut für den klimagestressten Wald?

          Ökologie : Waldkampf

          Die Debatte darum, wie dem Wald zu helfen ist, wird schärfer. Es wäre schon ein Fortschritt, sich einzugestehen: Gerade weiß das niemand so genau.