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Studie : Arbeitskosten in Deutschland überdurchschnittlich gestiegen

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In den Jahren nach der Jahrtausendwende hatte sich Arbeit in Deutschland wegen der moderaten Lohnpolitik noch weit unterdurchschnittlich verteuert und die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft damit gesteigert. Doch das ist nun auch wegen der guten Lage am Arbeitsmarkt vorbei. Bild: dpa

Arbeit verteuert sich laut einer Studie in Deutschland derzeit stärker als in der Euro-Zone. Die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtige das aber nicht, meinen die Forscher der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

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          Die Arbeitskosten in Deutschland sind 2012 und in der ersten Hälfte 2013 im EU-Vergleich überdurchschnittlich stark gestiegen. Dies sei nach Jahren unterdurchschnittlicher Steigerungsraten jedoch nur ein „Nachholprozess“, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf. Deutschland habe gegenüber dem Rest Europas weiterhin einen „extrem hohen preislichen Wettbewerbsvorteil“. Der hohe Leistungsbilanzüberschuss von mehr als 185 Milliarden Euro 2012 werde dieses Jahr wahrscheinlich nicht zurückgehen.

          Zu den Arbeitskosten zählen der Bruttolohn, der Arbeitgeberanteil an den Sozialbeiträgen, Aufwendungen des Arbeitgebers für Aus- und Weiterbildung sowie bestimmte Steuern. Sie betrugen nach Berechnungen der Studienautoren im vergangenen Jahr 31 Euro pro Stunde. Deutschland liege damit an achter Stelle unter den EU-Ländern: hinter Schweden, Belgien, Frankreich und den Niederlanden zum Beispiel und vor den Krisenländern Italien, Irland, Spanien und Griechenland.

          Die Lohnstückkosten, welche die Arbeitskosten in Relation zur Produktivitätsentwicklung setzen, stiegen laut Studie 2012 und in der ersten Hälfte 2013 ebenfalls überdurchschnittlich. Sie seien aber von 2000 bis 2012 in Deutschland auch deutlich langsamer als im Euroraum insgesamt gestiegen, betonten die Studienautoren. Auch wenn sich der Abstand zu den Euro-Partnern verringere, habe Deutschland gegenüber dem Rest Europas weiterhin einen hohen Wettbewerbsvorteil.

          Gustav Horn, Leiter des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung, verwies am Montag noch einmal auf die breite internationale Kritik an den enormen Überschüssen in der deutschen Leistungsbilanz. Es sei im deutschen Interesse, diese Kritik ernst zu nehmen. Viele Wirtschaftswissenschaftler und Politiker seien „extrem fixiert“ auf möglichst niedrige Arbeitskosten gewesen. Die Kehrseite sei eine schwache Entwicklung bei Löhnen, Binnennachfrage, Importen und Investitionen gewesen. Dies habe zur Krise im Euroraum mit beigetragen. Die aktuellen Arbeitskosten signalisierten den „vorsichtigen Einstieg in eine Korrektur dieser Fehlentwicklung“.

          2012 lagen die durchschnittlichen Arbeitskosten in Deutschland bei 31 Euro je Stunde, im Euroraum bei 28,20 Euro und in der gesamten EU bei 23,60 Euro

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