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Studie : 1,1 Millionen Arbeitsplätze durch Fracking?

Erfolg durch Fracking: Der Gaspreis in Nordamerika ist um fast 60 Prozent gefallen Bild: dpa

So billig wie in Amerika wird Energie in Europa auch mit Schiefergas nicht. Aber Industrie und Verbraucher könnten laut einer Studie viel Geld sparen.

          2 Min.

          Die Erdgasförderung mit der umstrittenen Fracking-Methode kann in Europa in den kommenden Jahrzehnten bis zu 1,1 Millionen Arbeitsplätze schaffen. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass das sogenannte Schiefergas den Ländern der Europäischen Union ähnlich weitreichende wirtschaftliche Impulse geben kann wie den Vereinigten Staaten. So lautet die Prognose einer Studie im Auftrag des internationalen Branchenverbands Association of Oil and Gas Producers (OGP).

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sie enthält die erste detaillierte Abschätzung der gesamtwirtschaftlichen Chancen, die das Fracking den Mitgliedsländern der Europäischen Union bieten könnte. Selbst wenn sich die optimistischen Annahmen über den Umfang der Reserven und die politische Unterstützung für das Fracking bewahrheiten, ist demnach nicht mit einem so starken Rückgang der Energiepreise zu rechnen wie auf der anderen Seite des Atlantiks. Anders als Nordamerika werde Europa weiterhin das Gros seines Erdgasbedarfs durch Importe decken müssen, erwarten die Energiefachleute.

          Deutschland könnte einer der Hauptprofiteure sein

          Es seien außerdem bis zu 67.000 Bohrungen nötig, um die Reserven zu heben. „Wir können es uns nicht leisten, auf eine solche Chance zu verzichten“, wirbt Roland Festor, der für die EU zuständige Direktor des Verbands OGP, für die Fracking-Methode. Deutschland könnte einer der wirtschaftlichen Hauptprofiteure sein: Hierzulande werden die zweitgrößten Schiefergasvorkommen in Europa vermutet. Für eine verlässliche Abschätzung sind aber zahlreiche Probebohrungen nötig.

          Europäische Industriemanager warnen immer wieder, dass die höheren Energiepreise zu einem Standortnachteil gegenüber Nordamerika führten und damit Arbeitsplätze bedrohten. Die Studie dämpft allerdings die Erwartungen, dass Europa dank Fracking gleichziehen könnte: Langfristig, heißt es darin, sei mit einem Rückgang der Gaspreise in der EU um 6 bis 14 Prozent zu rechnen – zu wenig, um das Preisgefälle zu den Vereinigten Staaten auszugleichen, wo Erdgas derzeit um etwa zwei Drittel billiger ist als in Europa.

          Die Stückkosten in energieintensiven Branchen könnten durch das Fracking in der EU bis zur Jahrhundertmitte sogar nur um höchstens 1,3 Prozent sinken, erwarten die Wissenschaftler. Erdgas und Erdöl aus sogenannten unkonventionellen Lagerstätten haben den globalen Energiemarkt auf den Kopf gestellt. Bisher profitieren davon allerdings fast ausschließlich die Vereinigten Staaten, wo die Öl- und Gasförderung in den vergangenen sechs Jahren um jeweils rund ein Drittel gestiegen ist.

          Der Gaspreis in Nordamerika ist um fast 60 Prozent gefallen. Fracking zapft früher unerreichbare Öl- und Gasvorkommen an, die in dichten Gesteinsschichten wie Schiefer eingeschlossen sind. Dafür wird unter hohem Druck und in großen Mengen ein Cocktail aus Wasser und Chemikalien in das Bohrloch gepresst, um das Gestein aufzusprengen.

          Der Widerstand in der Bevölkerung ist groß

          Der Widerstand in der Bevölkerung dagegen ist in vielen europäischen Ländern groß. Gegner befürchten unter anderem eine Vergiftung des Grundwassers. Die meisten Regierungen und auch die Landesregierungen in Deutschland zögern deshalb mit der Genehmigung.

          Die nun vorgelegte Studie hebt dagegen die möglichen Wohlstandsgewinne hervor. Vor allem in der Zulieferindustrie für die Bohrbranche könnten demnach viele Arbeitsplätze entstehen. Die Energiekosten der privaten Haushalte könnten 2050 um bis zu 11 Prozent niedriger sein als ohne Schiefergasförderung, die Wirtschaftsleistung der EU-Länder um 1 Prozent höher sein. Bis zur Mitte des Jahrhunderts könnte Europa Energiekosten von bis zu 1,7 Billionen Euro einsparen.

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