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Energiewende : Stromautobahnen werden später fertig

Kunststoffrohre, durch die Strom-Erdkabel gezogen werden Bild: dpa

Weil die Leitungen unter die Erde sollen, beginnt die Planung von vorn. Die Verzögerungen treiben die Rechnung für die Energiewende weiter in die Höhe.

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          Wichtige Überlandleitungen, die Windstrom aus dem Norden nach Baden-Württemberg und Bayern bringen sollen, werden frühestens 2025 in Betrieb gehen können. Ihr Bau wird sich um wenigstens drei Jahre verzögern, weil die Verlegung der Stromkabel unter die Erde ein neues Planungs- und Genehmigungsverfahren erfordert. Das geht aus einem Zwischenbericht hervor, den die Bundesnetzagentur auf ihrer Internetseite veröffentlicht hat.

          Helmut Bünder
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Ursprünglich sollten die beiden großen Gleichstromverbindungen SuedLink und SuedOstlink als Freileitungen errichtet werden. Eine Ende 2015 auf Drängen Bayerns beschlossene Neuregelung gibt nun aber Erdkabeln den Vorrang. „Die Netzbetreiber müssen mit ihren Planungen neu ansetzen und die Anträge für die beiden Vorhaben entsprechend vorbereiten“, so eine Sprecherin der Netzagentur. Der Erdkabelvorrang könne helfen, die Akzeptanz in der Öffentlichkeit zu verbessern, aber er führe unvermeidlich zu Verzögerungen.

          Hinter dem Zeitplan zurück ist deshalb auch die in Erdverkabelung geplante nördliche Trasse zwischen Emden und dem westfälischen Osterath. Sie soll im besten Fall ebenfalls erst 2025 fertig werden. Zügiger läuft es auf dem südlichen Abschnitt zwischen Osterath und Philippsburg: Denn hier sollen die Gleichstromleitungen nicht in die Erde, sondern an vorhandenen Masten aufgehängt werden. Dieses als „Ultranet“ bezeichnete Trassenstück könne deshalb voraussichtlich 2021 in Betrieb genommen werden, schreibt die Netzagentur.

          Bild: dpa

          Insgesamt sind im Bundesbedarfsplan rund 6100 Kilometer Leitungen für die Energiewende ausgewiesen. Rund die Hälfte davon muss ganz neu gebaut werden, für die übrigen Strecken genügt eine Verstärkung alter Trassen.

          Laut Netzagentur sind bisher gerade einmal 350 Kilometer der geplanten neuen Nord-Süd-Korridore genehmigt und 65 Kilometer tatsächlich schon gebaut worden. Selbst die bereits 2009 mit dem „Energieleitungsausbaugesetz“ als vorrangig eingestuften Leitungen, mit denen Lücken im bestehenden Stromnetz geschlossen werden sollen, kommen nur äußerst schleppend voran. In vielen Fällen könnten die „angestrebten Zieldaten für den Bau der Vorhaben nicht gehalten werden“, heißt es in dem Bericht. Von den geplanten 1800 Kilometern ist erst ein Drittel fertig.  Bis 2017 sei mit der Fertigstellung von 45 Prozent zu rechnen.

          Weil die Leitungen für einen großräumigen Stromtransport fehlen, häufen sich die Eingriffe in den Kraftwerkspark, mit denen die Netzbetreiber das schwankenden Aufkommen von Wind- und Sonnenstrom ausgleichen: Windräder müssen vorübergehend vom Netz genommen, konventionelle Kraftwerke je nach Bedarf zu- oder abgeschaltet werden. Bereits im vorigen Jahr fielen dafür Kosten von mehr als einer Milliarde Euro an, Tendenz weiter stark steigend. „Der Ausbau des Stromnetzes wird teuer, aber das Stromnetz nicht auszubauen, führt langfristig zu noch höheren Kosten“, sagte eine Sprecherin der Netzagentur.

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