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Streit zwischen Kassen und Kliniken : Warum operieren die Krankenhäuser so viel?

  • Aktualisiert am

Eine OP-Schwester greift nach dem OP-Besteck. Bild: dpa

Immer mehr Patienten kommen im Krankenhaus unters Messer. Die Krankenkassen halten das für überflüssig und wollen nicht mehr zahlen. Die Krankenhäuser verteidigen sich. Heute kommt eine neue Studie.

          Hunderttausende Patienten sind in Deutschlands Krankenhäusern in den vergangenen Jahren zusätzlich unters Messer gekommen. Die Meinungen über die Ursachen des Anstiegs bei den Operationen gehen zwischen Krankenkassen und Kliniken stark auseinander. Unmittelbar vor Veröffentlichung einer Studie der AOK zum Thema versuchen die Krankenhäuser Zweifel über die Notwendigkeit vieler kostspieliger Eingriffe zu zerstreuen.

          Eine neue Untersuchung im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft kommt zu dem Ergebnis, dass es zwar deutlich mehr Operationen gebe. Der Anstieg rühre aber von der Zunahme der Zahl der Älteren und vom medizinischen Fortschritt her. „Eine generelle Diffamierung der Krankenhausmitarbeiter und eine haltlose Verunsicherung vieler Patienten sind folglich zurückzuweisen“, heißt es in der Erhebung des Deutschen Krankenhausinstituts, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

          Krankenhäuser: Kein Arzt entscheidet allein

          Bemängelt wurde zuletzt zum Beispiel, dass Chefärzte Boni bekommen, die Anreize zu einer hohen Zahl an Operationen schaffen. Jetzt sagt die Studie: Zwar seien ökonomische Fehlanreize nicht zu leugnen. Doch gerade bei den in die Kritik geratenen zahlreichen künstlichen Hüft- und Kniegelenken sowie den Herzschrittmachern und Herzkatheder-Eingriffen gebe es eine solide Indikationsstellung. Die Ärzte ordneten diese Eingriffe also nicht willkürlich an, so das Krankenhausinstitut.

          Die stärksten Steigerungen gibt es laut dieser Erhebung bei Therapien des Muskel-Skelett-Systems und des Kreislaufsystems. Von 2007 bis 2011 gab es hier 532 000 zusätzliche, nach dem Standardverfahren abgerechnete Fälle. Insgesamt seien die Behandlungsfälle in dem Zeitraum um 6,7 Prozent auf 17,7 Millionen pro Jahr gestiegen.

          Zwei von drei Patienten würden von niedergelassenen Ärzten überwiesen, die meisten anderen kämen als Notfälle ins Krankenhaus. Dort gelte das Mehraugenprinzip, nach dem ein Arzt nicht alleine entscheide.

          Neuer Bericht kommt am Freitag

          Unter dem Motto „Mehr Menge - mehr Nutzen?“ stellt der AOK-Bundesverband an diesem Freitag seinen Krankenhaus-Report 2013 vor. Dabei lautet die zentrale Frage: Was muss geschehen, damit Patienten sicher sein können, dass die Qualität der Behandlung stimmt und niemand unnötig operiert wird? Auch der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, Fritz Uwe Niethard, stellt sich dazu der Öffentlichkeit.

          Zuletzt hatte der Spitzenverband der Krankenkassen kritisiert, dass viele Patienten ohne zwingenden medizinischen Grund unters Messer kämen. Der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses aus Ärzten und Krankenkassen übte Kritik an den Operationen. Und selbst die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie stellte fest, medizinische Maßnahmen würden teils vor allem wegen des Geldes ergriffen. So sollten aus den Chefarztverträgen die Vereinbarungen über Boni für viele Operationen zurückgedrängt werden.

          Eine Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung im Kassen-Auftrag hatte einen Anstieg bei den orthopädischen Behandlungen von 14 Prozent innerhalb von vier Jahren ergeben. Bei den kardiologischen Fällen waren sogar 17 Prozent. Fast zwei Drittel des Anstiegs sei nicht mit zunehmendem Alter der Menschen erklärbar.

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