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Streik im Flugverkehr : Die üppige Versorgung der Lufthansa-Piloten

Die Piloten bei der Lufthansa streiken - zu Recht? Bild: Reuters

Die Lufthansa rüstet sich für einen der größten Streiks ihrer Geschichte. Die Piloten kämpfen für ihr altes Privileg, ab 55 Jahre in den Ruhestand gehen zu können. Ist das noch zeitgemäß? Eine Analyse.

          Dem deutschen Luftverkehr droht eine Streikwelle der Lufthansa-Piloten, die in vielen Dimensionen negative Maßstäbe setzt. Den wirtschaftlichen Schaden des dreitägigen Arbeitskampfes, zu dem die Branchengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) von Mittwoch an aufgerufen hat, beläuft sich nach Angaben der Gesellschaft auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Der Schaden für die Reputation des Luftverkehrsstandortes Deutschland dürfte weitaus höher liegen.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit der komfortablen Vergütung und Versorgung, die auf einem 50 Jahre alten Regelwerk basiert, entfernt sich der deutsche Platzhirsch immer mehr von den gängigen Standards eines Industriezweigs, der chronisch ertragsschwach ist und von seinem Geschäftsmodell her  - in einem harten, globalen Wettbewerb steht.
          Im Kern hat sich der morgige Arbeitskampf an der brisanten Frage der Übergangsversorgung entzündet. Erst in zweiter Linie geht es um die geforderte Lohnerhöhung von 10 Prozent oder die Neuregelung der betrieblichen Altersversorgung, über die später in separaten Verhandlungsrunden gesprochen wird.

          Lufthansa-Maschine in Frankfurt

          Nach dem mehr als 50 Jahre alten Privileg der Übergangsversorgung dürfen die 5400 Piloten der Lufthansa mit 55 Jahren in den Ruhestand gehen. Um die Versorgungslücke bis zum Eintritt ins gesetzliche Rentenalter (65 Jahre) zu schließen, zahlte ihr Arbeitgeber dann einen großzügigen Ausgleich, der bis zu 60 Prozent des letzten Bruttogehalts entspricht. Diese Regel erscheint in diesen Tagen nicht mehr zeitgemäß, da sich das Arbeitsumfeld im Cockpit und die Leistungsfähigkeit der Piloten verbessert hat. Zudem gab es in jüngster Zeit Lufthansa-Piloten, die gegen die Frühverrentung mit dem Hinweis auf Altersdiskriminierung klagten und 2011 vom Europäischen Gerichtshof Rückendeckung bekamen. Der Handlungsbedarf der Lufthansa, die Übergangsversorgung endlich anzupassen, ist also entsprechend groß.

          Von der komfortablen Versorgung, die keine andere Fluggesellschaft bietet, profitieren bei der Lufthansa ohnehin die Spitzenverdiener des Konzerns. Die Gehälter der Piloten rangieren, je nach Anzahl der Berufsjahre, zwischen 78.000 und 260.000 Euro im Jahr. Erfahrene Check-Piloten, die mit der Ausbildung befasst sind, erreichen dabei Jahresgehälter von mehr als 300.000 Euro.

          Auf den ersten Blick bescheidenes Pensum

          Das Pensum der Piloten erscheint mit 88 Flugstunden im Monat auf den ersten Blick bescheiden. Doch inklusive Vorbereitungszeit, Schulungen oder logistischem Aufwand ergeben sich Arbeitszeiten von bis zu 60 Stunden in der Woche. Unabhängig von der geforderten Lohnerhöhung von 10 Prozent legt das Jahressalär eines Lufthansa-Piloten automatisch um 3 Prozent im Jahr zu, um allgemeine Preissteigerungen auszugleichen.

          Die Branchengewerkschaft VC rechtfertigt die üppige Entlohnung mit dem Umstand, dass ihre Mitglieder hoch qualifiziert  sind und große Verantwortung für Menschenleben oder Sachwerte in bis zu dreistelliger Millionenhöhe tragen.

          Der Ausstand der Lufthansa-Piloten setzt für die eigene Industrie und den Verkehrsstandort Deutschland ein falsches Signal. Er suggeriert, dass es in der Luftfahrtbranche etwas zu verteilen gäbe. Die Realität sieht jedoch anders aus. Die Lufthansa steckt mitten im Konzernumbau und muss Milliardenbeträge sparen, um wettbewerbsfähig und eigenständig zu bleiben. Dabei gerät der Branchenführer in Europa sowohl im Kurzstreckenverkehr  wie auch im lukrativen Langstreckengeschäft immer mehr unter Druck. Während Preisbrecher wie Easyjet oder Ryanair Kunden und Marktanteile im Heimatmarkt abjagen, dringen staatlich geförderte Konkurrenten aus der Golfregion und der Türkei in das lukrative Langstreckengeschäft ein.

          Soll sich der Abstand zu den profitablen Fluggesellschaften nicht noch weiter vergrößern, kann es sich die Führung der Lufthansa nicht mehr leisten, teure Verpflichtungen für die Altersversorgung ihrer Spitzenkräfte einzugehen, die Milliardenhöhe erreichen und längst in keiner Kostenrechnung eines Wettbewerbers mehr auftauchen.

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