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Streik der Erzieherinnen : Auch in Kitas fahren keine Züge mehr

Die Schnuller bleiben am Brett: Hunderttausende Eltern müssen sich von Freitag an auf unbefristete Streiks in den kommunalen Kitas einrichten. Bild: dpa

Die Lokführer streiken noch, da beginnt schon der Ausstand der Erzieherinnen - und er soll ein Vorbild für andere Sozialberufe sein. Aber wie viel Geld verdienen Erzieherinnen eigentlich?

          Der bevorstehende Arbeitskampf der Erzieherinnen und Sozialarbeiter von Freitag an ist für die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi nur der Einstieg in eine breit angelegte Hochstufung aller Sozialberufen im Lohngefüge. „Wir verhandeln mit den kommunalen Arbeitgebern auch über eine Aufwertung der Pflegeberufe“, kündigte der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske an. Zwar sei die tarifliche Friedenspflicht bisher nur für den Sozial- und Erziehungsdienst aufgehoben. Er sei aber sicher, dass dessen finanzielle Aufwertung „auch auf die Pflegeberufe ausstrahlen wird“.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Parallel zum aktuellen Tarifstreit um die Gehälter der Erzieherinnen verhandeln Verdi und die kommunalen Arbeitgeber derzeit über ein neues Regelwerk zur tariflichen Eingruppierung aller zwei Millionen Angestellten von Städten und Gemeinden. Da die aktuellen Tarifregelungen für die anderen Bereiche aber nicht gekündigt sind, bleiben die Streiks derzeit auf Sozial- und Erziehungsberufe begrenzt. Wie schon beim Arbeitskampf der Lokführer der Deutschen Bahn werden indes auch diese vielerorts empfindliche Folgen für unbeteiligte Bürger haben. „Keine Frage, das wird Eltern hart treffen“, räumte Bsirske ein. Doch hätten in den vergangenen Wochen auch viele Eltern Verständnis dafür gezeigt, dass der Beruf der Erzieherinnen und Erzieher aufgewertet werden müsse.

          Aus den nun abgeschlossenen Streik-Urabstimmungen leiten die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes mit Verdi an der Spitze jedenfalls starken Rückhalt unter den Beschäftigten ab. Unter den teilnehmenden Verdi-Mitgliedern stimmten 93,4 Prozent für den Arbeitskampf, bei der Bildungsgewerkschaft GEW waren es sogar 96,4 Prozent. Grundsätzlich sind solche hohen Ergebnisse freilich nicht überraschend, da nur abgegebene Stimmen gewertet werden. Wie viele ihrer Mitglieder gar nicht abstimmten, halten die Gewerkschaften unter Verschluss.

          Verdi-Chef Frank Bsirske

          Bsirske versicherte, die Streiks würden zeigen, wie groß der Rückhalt für die Forderungen der Gewerkschaften sei. Diese laufen darauf hinaus, dass sich die Bezahlung der 240.000 Erzieherinnen und Sozialarbeiter der Städte und Gemeinden um etwa 10 Prozent erhöhen würde; in der Spitze wäre es 21 Prozent. So beträgt das Endgehalt einer ausgebildeten Erzieherin in der üblichen Tarifgruppe S6 bisher 3289 Euro. Dieses Endgehalt wird im Regelfall nach 17 Dienstjahren erreicht. Nach Auskunft der kommunalen Arbeitgeberverbände haben 40 Prozent der Erzieherinnen, die nach Tarifgruppe S6 bezahlt werden, diese Endstufe erreicht.

          Ziel der Gewerkschaften ist es, diese Erzieherinnen in die höhere Tarifgruppe S8 einzustufen, die bisher für erschwerte Tätigkeiten vorgesehen ist. Dort beträgt das Endgehalt derzeit 3974 Euro, was einem Plus von 21 Prozent entsprechen würde. Auch andere Erziehungskräfte einschließlich der Kindergartenleitungen sollen hochgestuft werden. Konkrete Angaben zu den Kosten gibt es nicht, sie werden auf 0,5 bis 1,2 Milliarden Euro geschätzt.

          Einige Verwirrung herrscht indes auch darüber, wie hoch die Kita-Gehälter nun tatsächlich sind und wie diese im Vergleich zu anderen Berufen zu bewerten seien. So werden in der Diskussion oft niedrigere Werte genannt; die Bandbreite reicht von 2000 Euro im Monat bis zu 5274 Euro. Letztere Zahl ist einer Tabelle des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zu entnehmen; sie stellt einen vom Statistischen Bundesamt ermittelten Durchschnitt für Erzieherinnen in höheren Leitungsfunktionen dar. Auf der anderen Seite gibt es in den Kindergärten durchaus auch Gehälter, die kaum über 2000 Euro liegen. Der Tarifvertrag, an den sich praktisch alle Kommunen halten müssen, sieht ein Einstiegsgehalt von 2043 Euro für sogenannte Kinderpflegerinnen vor. In der Endstufe können sie 2880 Euro erreichen. Laut Bildungsstatistik haben 14 Prozent des Kita-Personals diese einfachere Ausbildung, die große Mehrheit von rund 70 Prozent jedoch die volle Ausbildung.

          Daneben gibt es noch einen Grund, warum Gehaltszahlen angeführt werden, die niedriger sind als es der Tarifvertrag der Kommunen nahelegt: Gut 400.000 weitere Erzieherinnen und Sozialarbeiter arbeiten bei freien und kirchlichen Trägern. Deren Gehälter orientieren sich zwar oft am öffentlichen Dienst, sind aber bei einigen Trägern um bis zu 15 Prozent niedriger. Bezieht man diese in den Durchschnittsbetrachtungen mit ein, sinken die Werte ebenfalls. Die Kommunen sehen freilich nicht ein, dass schon aus niedrigeren Gehältern anderer Träger eine Forderungen nach höheren Gehältern für ihre Beschäftigten abgeleitet wird. Unbestritten und nicht durch Lobbyinteressen verzerrt ist indes ein Vergleichsmaßstab: Der Durchschnittslohn aller vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer in Deutschland lag nach Messung des Statistischen Bundesamts im Jahr 2014 bei 3527 Euro im Monat.

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