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Neue Umfrage : Europäische Unternehmen in China zunehmend frustriert

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Volkswagen-Mitarbeiter in Schanghai: Deutsche Unternehmen fühlen sich in China benachteiligt. Bild: dpa

Langsames Wachstum und stotternde Reformen trüben die Stimmung. Europäische Unternehmen haben es in China zunehmend schwer. Auch die „Marktwirtschaft“ lässt zu wünschen übrig.

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          Die Stimmung bei europäischen Unternehmen in China ist so schlecht wie nie zuvor. Ihr Pessimismus habe „einen neuen Höchstwert“ erreicht, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichen Umfrage der Europäischen Handelskammer in Peking. Demnach gaben 15 Prozent der befragten Firmen an, negativ auf ihre künftigen Wachstumschancen in der zweitgrößten Volkswirtschaft zu blicken.

          Noch vor einem Jahr hatte dieser Wert bei acht Prozent gelegen. Das Lager der Optimisten, die mit weiterem Wachstum in ihrer Branche rechnen, verkleinerte sich das sechste Jahr in Folge auf nun noch 44 Prozent und ist damit noch etwa halb so groß wie 2011.

          „Die Enttäuschung nimmt zu“, sagte Kammer-Präsident Jörg Wuttke anlässlich der Präsentation der Studie. Die wirtschaftliche Abkühlung aber auch weiterhin eingeschränkte Marktzugänge seien demnach die gravierendsten Probleme für europäische Unternehmen in China. Die Wirtschaft des Landes war zuletzt mit 6,7 Prozent so langsam wie seit 25 Jahren nicht mehr gewachsen. Doch nicht nur die geringeren Wachstumsraten bereiten den Unternehmen Sorge. Ausschlaggebend für die pessimistische Stimmung sei, dass notwendige Reformen und der Umbau der chinesischen Wirtschaft zu langsam vorangingen.

          Benachteiligung gegenüber chinesischen Konkurrenten

          Statt wie versprochen die Märkte weiter zu öffnen, sieht es „in der Realität oft so aus, dass Peking sich in die entgegengesetzte Richtung bewegt“, schreibt die Europäische Kammer in ihrer Analyse. So fürchten die befragten Firmen, „dass die schlimmste Phase der wirtschaftliche Abschwächung erst noch folgen wird“. Die gewaltigen Überkapazitäten der Wirtschaft seien laut Wuttke noch immer das sichtbarste Problem in China. Praktisch alle wichtigen Industriezweige des Landes leiden darunter, dass sie mehr Fabriken betreiben und Mitarbeiter beschäftigen als notwendig wären.

          Verbesserungen lassen auch bei den größten bürokratischen Hürden vergeblich auf sich warten. An der Spitze der Klagen stehen: Ein unberechenbares rechtliches Umfeld und eine beliebige Auslegung von Vorschriften. Auch Diskriminierung im Vergleich zu chinesischen Konkurrenten drückt bei den Europäern auf die Stimmung. Mehr als jedes zweite Unternehmen aus Europa fühlt sich im Vergleich zu chinesischen Wettbewerbern benachteiligt. 58 Prozent der befragten Unternehmen gaben zudem an, dass die strengen Internetsperren in China ihre Geschäfte belasten.

          Die sich eintrübende Stimmung wirkt sich auch auf die Investitionslaune der europäischen Unternehmen in China aus. So gaben bei der diesjährigen Umfrage noch 72 Prozent an, dass sie ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung in China in der nahen Zukunft erhöhen wollen. Im Vorjahr hatte dieser Wert noch bei 85 Prozent gelegen. „Wir investieren weniger in China, aber es ist kein Exodus“, sagte Wuttke.

          China warnt EU vor Handelsstreit

          Unterdessen geht der Streit um die die Einstufung Chinas als Marktwirtschaft weiter. China hat die Europäische Union vor einem Handelsstreit gewarnt. Die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen könnten Schaden nehmen, wenn sich die EU weiter weigere, China den Status als Marktwirtschaft zu gewähren, schrieb die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag in einem Kommentar.

          „Das schlimmste Szenario könnte ein ausgewachsener Handelskrieg sein.“ Das EU-Parlament hatte im Mai eine solche Einstufung mit großer Mehrheit abgelehnt. Der Status würde China vor teuren Anti-Dumping-Klagen schützen - also Beschwerden, dass es seine Waren unter Preis auf den Markt wirft.

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