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Stillstand am Hauptbahnhof : Mainz wird zur Blamage für die Bahn

In Mainz geht teilweise nichts mehr. Bild: dpa

Wenige Krankheitsfälle von Mainzer Stellwerksmitarbeitern bringen den Zugverkehr teils zum Erliegen. Gewerkschaften werfen der Bahn vor, sie habe sich mit dem Personal verplant. Die Bahn wehrt sich.

          Für die Deutsche Bahn wird der Mainzer Hauptbahnhof mehr und mehr zum Brennpunkt. Das Unternehmen muss sich nun gegen massive Vorwürfe wehren, sie hätte die Probleme des demografischen Wandels verkannt. Personalvorstand Ulrich Weber sagte am Freitag. „In den vergangenen Jahren haben wir Zehntausende neue Mitarbeiter eingestellt und ausgebildet.“ Alleine 2012 seien es rund 10.000 gewesen, in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres mehr als 5000. „Heute sind im Konzern 247 Fahrdienstleiter mehr als Ende 2012 tätig. Der Wind hat sich von der Sanierung zur Rekrutierung gedreht.“

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Grundsätzlich heißt es bei der Bahn, man könne für Extremfälle keine unendliche Reserve an Mitarbeitern vorhalten. Allerdings räumt das Unternehmen auch Versäumnisse ein. In der Tochtergesellschaft DB Netz seien deshalb vor einigen Monaten der Vorstandsvorsitzende und der Personalvorstand ausgetauscht worden. Bahnchef Rüdiger Grube hat dem Unternehmen in der „Strategie 2020“ verordnet, „Top-Arbeitgeber“ in Deutschland zu werden. Dazu gehört auch die Einstellung Zehntausender neuer Mitarbeiter.

          Hintergrund für die Vorwürfe sind große Probleme mit dem Zugverkehr am Mainzer Hauptbahnhof: Wegen Personalmangels im Stellwerk leitet die Bahn schon seit einer Woche abends und nachts ICE- und IC-Züge über die rechte Rheinseite um; sie halten zum Ärger der Kunden nicht mehr im Hauptbahnhof, sondern nur noch in Mainz-Bischofsheim und Frankfurt-Flughafen. Aller Voraussicht nach wird sich die Lage vom kommenden Montag an noch verschlimmern, wenn es bei der hohen Zahl von Krankmeldungen bleibt. Auch tagsüber soll es dann zu Zugausfällen kommen - vor allem im Fernverkehr, aber auch im Nahverkehr. Die Störungen werden voraussichtlich mindestens bis Ende August andauern. Sollten sich die Befürchtungen der Bahn erfüllen, bleibt „Mainz“ kein Einzelfall: Schon in der Vergangenheit war es immer wieder zu regionalen Personalengpässen gekommen, die zu betrieblichen Einschränkungen führten, etwa im Betrieb der Berliner S-Bahn.

          Gewerkschaft: Bahn-Konzern „chronisch unterbesetzt“

          Die Gewerkschaften sehen sich durch die Vorgänge in Mainz in ihrer Kritik an der Personalplanung der Bahn bestätigt. Sie seien „nicht die ersten ihrer Art und schon gar kein Einzelfall“, sagte der Vorsitzende der Bahngewerkschaft EVG, Alexander Kirchner. Wegen des jahrelangen Sparkurses sei der Konzern personell „chronisch unterbesetzt“. Nur eine von mehreren problematischen Schnittstellen sei die Arbeit der Fahrdienstleiter in den Stellwerken. Die EVG beklagt aber auch die schlechte personelle Ausstattung im Regionalverkehr - eine Folge des hohen Kostendrucks durch die Wettbewerbsausschreibungen von Verkehrsverträgen.

          Kirchner warf der Bahn vor, ein „grundsätzliches Problem“ zu verharmlosen. Die Vorkommnisse in Mainz hätten mit Urlaub und Krankmeldungen nichts zu tun. Jahrelang sei Personal abgebaut, anschließend neue Mitarbeiter aber nur zögerlich eingestellt worden. „Nach unseren Schätzungen fehlen bundesweit gut 1000 Mitarbeiter im Bereich der Fahrdienstleiter. So viele zusätzliche Mitarbeiter wären nötig, um aufgelaufene rund eine Million Überstunden der Kollegen abzubauen“, sagte Kirchner der Zeitung „Die Welt“.

          Hinter vorgehaltener Hand wird in den Führungsetagen der Bahn vermutet, dass Arbeitnehmer mit den vielen Krankmeldungen Druck auf den Bahn-Vorstand ausüben wollen. Im Hintergrund tobt unter Arbeitnehmervertretern ein Konkurrenzkampf der Gewerkschaft EVG mit der Lokführergewerkschaft GDL. Diese möchte ihren Einfluss auf die Berufsgruppe der Fahrdienstleiter ausweiten. Im Jahr 2014 läuft der Grundlagentarifvertrag aus, der seit einigen Jahren für „Frieden“ zwischen EVG und GDL sorgt.

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