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Steven Mnuchin : Das ist Donald Trumps Finanzminister

Im Trump Tower: Steven Mnuchin wird nun Finanzminister von Amerika. Bild: AFP

Er arbeitete für Goldman Sachs, mit George Soros und finanzierte Hollywood-Blockbuster wie Avatar: Donald Trump hat einen Minister ernannt, der auch Deutschland sehr interessieren wird.

          Natürlich wissen die meisten Deutschen, wer amerikanischer Präsident ist. Die übrigen Mitglieder der Regierung in Washington sind einer breiten Öffentlichkeit außerhalb der Vereinigten Staaten meist eher unbekannt. Eine Ausnahme war zumindest in den vergangenen Jahren der Finanzminister. Nicht nur wegen der Finanzkrise in Amerika, sondern weil dieser eben immer mal wieder auch in Europa ein gehöriges Wort mitsprach, als es darum ging, Banken aufzufangen und Hilfspakete für Staaten zu beschließen - nicht immer waren und sind die Einlassungen aus Washington bekanntlich zur Freude etwa des deutschen Kassenwarts Wolfgang Schäuble.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Nun hat der designierte amerikanische Präsident Donald Trump entschieden, wer einmal in seiner Regierung diesen wichtigen Posten besetzen soll: Steven Mnuchin. Der Mann hat sich in Trumps Wahlkampfteam um die Finanzen gekümmert und bestätigte gegenüber dem Finanzsender CNBC seine Nominierung. Ein weiteres Mal ernennt Trump damit jemanden in seine Regierung, der ihn schon während der erbitterten vergangenen Monate unterstützte.

          „Avatar“ und „X-Men“

          Mit dem künftigen Präsidenten hat Mnuchin mindestens zwei Dinge gemein: Beide sind Geschäftsleute aus der freien Wirtschaft und Quereinsteiger ohne eigene politische Erfahrung. 17 Jahre arbeitete Mnuchin für die Investmentbank Goldman Sachs (sein Vater Robert war bereits Partner in der Bank gewesen in den sechziger Jahren). Mit Blick auf die vergangenen zwanzig Jahre findet sich dieser Karrierebestandteil in den Biografien vieler amerikanischer Finanzminister: George W. Bushs Finanzminister Hank Paulson war zuvor sogar Chef des Wall-Street-Hauses.

          Mit einem geschätzten Vermögen von angeblich mehr als 40 Millionen Dollar verabschiedete sich Mnuchin von Goldman Sachs, zwischenzeitlichen arbeitete er damals auch für den bekannten Hedgefonds-Manager George Soros. Er gründete die Investitionsfirma Dune Capital Management, mit seiner ebenfalls nach diese Zeit ins Leben gerufenen Produktionsfirma RatPac-Dune-Entertainment finanzierte er Hollywood-Blockbuster wie „Avatar“ und die „X-Men“-Filme; einer seiner Geschäftspartner ist der australische Kasino-Milliardär James Packer.

          Was Donald mit Ronald zu tun hat: Die Rückkehr der Finanzpolitik.

          Mit seiner Investitionsfirma wiederum kaufte Mnuchin den infolge der Finanzkrise pleitegegangenen Hypotheken-Finanzierer Indymac von der amerikanischen Einlagensicherungsbehörde FDIC ab, zusammen übrigens mit George Soros und den beiden Hedgefonds-Managern John Paulson und Chris Flowers, wie der Finanzdienst Bloomberg berichtete. Er benannte ihn in OneWest Bank um, und führte ihn bis zum Verkauf an die Finanzfirma CIT Group im vergangenen Jahr.

          Für Trump dürfte Mnuchin als Finanzminister in zweierlei Hinsicht besonders wichtig sein: Er ist weiterhin offenkundig gut vernetzt und wohl gelitten im Umfeld der Wall Street, mit der sich der künftige Staatschef im Wahlkampf zumindest öffentlich angelegt hatte. „Es ist schwer zu glauben, dass Mnuchin sich die Wall Street vorknöpfen würde“, sagte Jeff Hauser unlängst, Direktor des auf die Ernennung von politischen Spitzenpersonal spezialisierten „Revolving Door Projekt“, gegenüber der Internetseite „Politico“: „In der Tat stellt man sich Mnuchins Banken-Agenda vor, um Trumps Reputation an der Wall Street wieder herzustellen.“

          Außerdem dürfte gerade der Finanzminister auch unter dem Präsidenten Trump eine herausgehobene Rolle spielen: Dieser hat im Wahlkampf enorme Steuersenkungen in Aussicht gestellt und außerdem Millionen neuer Arbeitsplätze und ein riesiges Infrastrukturprogramm versprochen. Wie das alles finanziert werden soll, darum wird sich wesentlich Mnuchin kümmern müssen.

          Im Finanzsender CNBC sagte Mnuchin schon einmal, was er als wichtige Inhalte seiner Arbeit ansieht. „Unsere oberste Priorität hat die Steuerreform.“ Und weiter: „Wir werden die Unternehmenssteuern senken, was enorm viele Jobs zurück in die Vereinigten Staaten bringen wird.“ Sie sollen auf 15 Prozent halbiert werden, auch mittlere Einkommen sollen entlastet werden. Mnuchin stellte die größte Steuerreform seit der Amtszeit des Präsidenten Ronald Reagan in den achtziger Jahren in Aussicht.

          Auch wenn Mnuchin, Jahrgang 1962, deutlich jünger ist als andere Minister, gibt es eine weitere Gemeinsamkeit: Wie Trumps Stabschef Reince Priebus, sein Justizminister Jeff Sessions, der wahrscheinliche Wirtschaftsminister Wilbur Ross und Trump selbst gehört er zu ebenjener Elite und dem Establishment im weiten Sinne, gegen die Trump im Wahlkampf mobilisiert hatte.

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