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Steuervermeidung : So viel Steuern tricksen Amerikas Konzerne weg

Vor einem Starbucks-Café Bild: Reuters

Amerikas Konzerne verlagern ihre Gewinne in Steueroasen. Ein französischer Forscher hat jetzt ausgerechnet, wie viel das ausmacht. Das Ausmaß ist groß.

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          Ikea, Google, Starbucks – diese und viele weitere internationale Konzerne stehen am Pranger. Der Vorwurf: Mit trickreichen Konstruktionen schaffen sie es, ihre Gewinne in Ländern mit Niedrigsteuern wie den Niederlande, Luxemburg oder Irland zu verbuchen. Die Debatte ist emotional, das Erregungspotential enorm.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Aber das genaue Ausmaß der Summen, die durch intransparente Firmengeflechte vermieden werden, ist nur schwer zu beziffern. Zumindest einen Hinweis auf die Größenordnung gibt der französische Ökonom Gabriel Zucman, der an der London School of Economics forscht, in einer jetzt im Journal of Economic Perspectives veröffentlichten Studie: Etwa 20 Prozent aller Gewinne amerikanischer Unternehmen werden demnach in  Steueroasen verbucht.  „Das ist eine Verzehnfachung seit den achtziger Jahren“, bilanziert Nachwuchsforscher Zucman, dessen  Doktorvater Ungleichheitsforscher Thomas Piketty war. Die Steuervermeidung  geschehe in erster Linie innerhalb bestehender Gesetze, es handle sich also  nicht um Betrug.

          Um diese enormen Summen zu ermitteln, hat der französische Wirstchaftswissenschaftler nationale Statistiken und Zahlungsströme zwischen Ländern untersucht. Von den 650 Milliarden Euro die Unternehmen aus den Vereinigten Staaten demnach im Ausland erwirtschaften, fielen mehr als die Hälfte auf sechs „Steueroasen“: die Niederlande, die Bermuda.Inseln, Luxemburg, Irland, Singapur und die Schweiz. „Die Nutzung von Steueroasen hat seit den achtziger Jahren kontinuierlich zugenommen und ist dabei, weiter zu steigen“, schreibt Zucman.

          Für die Staaten, in denen die Unternehmen eigentlich beheimatet sind, ist das teuer. In den vergangenen 15 Jahren sei der Steuersatz, den Unternehmen aus den Vereinigten Staaten effektiv zu zahlen hatten, von 30 auf 20 Prozent gefallen. „Und etwa zwei Drittel dieser Verringerung kann der zunehmenden Gewinnverlagerung in Länder mit Niedrigsteuern  zugeschrieben werden“, hat Zucman errechnet. Wäre der Steuersatz konstant geblieben, hätte der Fiskus in den Vereinigten Staaten im Jahr 2013 200 Milliarden Dollar Steuern zusätzlich eingenommen. Für die Steuerzahler jenseits des Atlantiks und die klammen Haushalte wäre das eine enorme Entlastung.

          Studien wie die von Zucman sind rar. Der Mannheimer Steuer-Forscher Clemens Fuest hat in dieser Woche in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung darauf hingewiesen, dass mittelständische Unternehmen weitaus weniger Gestaltungsspielräume haben als mutinationale Unternehmen. „Wenn man die Steuerbelastung von Tochtergesellschaften multinationaler Konzerne mit der von ansonsten ähnlichen, aber rein nationalen Unternehmen vergleicht, liegt die Steuerlast der Multis im Durchschnitt um 20 bis 30 Prozent niedriger“, hatte Fuest im Interview gesagt. Die Ausfälle zu schätzen sei nicht einfach: „In Deutschland entgehen dem Fiskus wohl Einnahmen von 10 bis 15 Milliarden Euro pro Jahr“ schätzt Fuest.

          Zucman belässt nicht bei der Analyse. Ähnlich zu seinem früheren Lehrer Piketty, der eine weltweite Vermögensteuer fordert, macht sich Zucman ein „Welt-Finanzregister“. Ein solches Grundbuch für Vermögen würde die Tricksereien mit der Steuer erheblich erschweren.

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