Steuer auf Kapitalerträge : Kirchen finden Geldquelle
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Marktkirche in Wiesbaden Bild: Röth, Frank
Die Kirchen in Deutschland sind auf der Suche nach Einnahmequellen - und haben sie bei den Kapitalanlegern gefunden: Vom kommenden Jahr an wird bei Kirchenmitgliedern die Kirchensteuer auf Kapitalerträge automatisch abgeführt.
Die Kirchen in Deutschland können mit einem zusätzlichen Geldsegen rechnen. Vom 1. Januar 2015 an führen Banken bei Mitgliedern der christlichen Kirchen zusätzlich zur Kapitalertragssteuer von 25 Prozent automatisch die Kirchensteuer ab. Das sind je nach Bistum und Landeskirchen acht oder neun Prozent auf die staatliche Steuer. Die Kirchen verkaufen diese Änderung als „Modernisierung und Vereinfachung“ und verweisen darauf, dass auch nach bisherigem Recht auf Kapitalerträge Kirchensteuer fällig wurde.
Allerdings musste dazu eigens ein Antrag bei der Bank auf Einbehalt von Kirchensteuer gestellt werden. Das haben nur sehr wenige Gläubige gemacht. Die meisten haben gar keine Kirchensteuer auf Zinsen, Dividenden und andere Einkünfte entrichtet – entweder weil sie unter den Freibetrag fielen oder weil sie diese Einkünfte nicht deklarierten. Zwar bestand eine Pflicht dazu, doch haben die Finanzämter dies in der Regel nicht geahndet, da die Quellensteuer ja schon von der Bank abgeführt worden war.
Offenbar machen die Kirchen sich die Erkenntnisse der Verhaltensökonomie zunutze, wonach erwartungsgemäß höhere Einnahmen zusammenkommen, wenn das Geld automatisch eingezogen wird. Die Kirchen selbst halten den Verdacht für ungerechtfertigt: „Ich glaube nicht, dass sich die Kirchensteuer durch das neue Verfahren wesentlich verändert“, sagte der Finanzchef der Evangelischen Kirche in Deutschland, Thomas Begrich, der F.A.S. Ohnehin seien „Normalbürger“ nicht betroffen, da für sie ein Sparerfreibetrag von 801 Euro (1602 Euro für Verheiratete) gelte. Das schließt freilich nicht aus, dass bei finanziell erfolgreichen christlichen Anlegern mit dem neuen Verfahren deutlich mehr zu holen ist. Lediglich 75 Millionen Euro von insgesamt rund fünf Milliarden Kirchensteuermitteln der evangelischen Kirche kamen im Jahr 2013 aus Kapitalerträgen.
Die Banken und Sparkassen, die das Geschäft im Auftrag des Staates für die Kirchen abwickeln müssten, sind von der Zusatzarbeit wenig begeistert, zumal sie für den Aufwand nichts bekommen. Man habe erwartet, dass die Politik der Finanzwirtschaft diese Kosten erstatte, sagte Heinz-Jürgen Tischbein, Steuerexperte der deutschen Banken, der F.A.S.: „Diesem Wunsch hat die Politik nicht entsprochen.“