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Stephen Bannon im Aufwind : Donald Trumps Chefideologe

Der Chef unter Trumps Beratern: Stephen Bannon Bild: AFP

Stephen Bannon wird eine immer mächtigere Figur in der amerikanischen Regierung. Er ist der ideologische Einflüsterer des neuen Präsidenten. Was verbirgt sich hinter Trumps Chefberater?

          Stephen Bannon ist seit vergangenem August nicht mehr bei „Breitbart News“. Aber seine Handschrift trägt die angriffslustige Online-Publikation bis heute. „Merkel belehrt Trump nach Serie von deutschen Terrorattacken“ lautete hier zum Beispiel am Montag die Schlagzeile zur Kritik der Bundeskanzlerin an dem gerade vom amerikanischen Präsidenten verhängten Einreiseverbot. Am Wochenende hatte die Seite ihre ganz eigene Sicht auf die vielen Demonstrationen gegen das Trump-Dekret an amerikanischen Flughäfen: „Anti-Trump-Proteste blockieren Flughäfen, frustrieren Reisende“, hieß eine Überschrift.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Lektüre von „Breitbart News“ gibt Einblick in das Weltbild von Bannon, das die Politik der neuen amerikanischen Regierung mehr und mehr zu prägen scheint. Denn Bannon ist einer der engsten Vertrauten von Trump und wird zunehmend zu einer Schlüsselfigur. Er wurde zunächst als Wahlkampfmanager engagiert, und nach Trumps Wahlsieg wurde er zum Chefstrategen im Weißen Haus. Er schrieb an Trumps Rede bei der Amtseinführung mit, die ein düsteres Bild von Amerika zeichnete und von einem „Gemetzel“ im Land sprach. Auch bei Trumps Einreise-Dekret spielte er offenbar eine große Rolle und soll darauf gedrungen haben, dass das Verbot sogar für Personen mit „Green Card“ gilt, also mit gültiger Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung.

          Während er zuerst vor allem als Strippenzieher im Hintergrund galt, tritt er seit Trumps Vereidigung immer mehr öffentlich in Erscheinung. Er war auf den Fotos aus dem „Oval Office“ zu sehen, die Trump bei der Unterzeichnung seiner Erlasse zeigen. Und er saß auch bei mehreren Treffen des Präsidenten mit amerikanischen Top-Managern mit am Tisch. Am Wochenende wurde Bannon von Trump sogar mit noch größerer Macht ausgestattet. Er bekam einen ständigen Sitz im obersten Gremium des Nationalen Sicherheitsrats, einer wichtigen Instanz in der amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik. Wie die „New York Times“ feststellte, ist das eine Position, die üblicherweise für Generäle reserviert ist.

          Der 63 Jahre alte Bannon gefällt sich offenbar in der Rolle der finsteren Figur. In einem Interview mit der „New York Times“ nannte er sich in der vergangenen Woche selbst scherzhaft „Darth Vader“, nach dem Bösewicht in der „Star Wars“- Filmreihe. Das Interview war eine Medienschelte in bemerkenswerter Schärfe. Bannon wurde mit den Worten zitiert: „Die Medien sollten peinlich berührt und erniedrigt sein und ihren Mund halten.“ Sie verstünden das Land nicht und wüssten bis heute nicht, warum Trump zum Präsidenten gewählt worden sei. Er sagte weiter, er sehe nicht die Demokraten als Oppositionspartei, sondern die Medien.

          Krawallige Mentalität

          Mit der gleichen krawalligen Mentalität hat Bannon auch „Breitbart News“ geführt. Die Seite wurde 2007 von Andrew Breitbart als konservatives Nachrichtenportal gegründet, aber es war Bannon, der ihr nach dem plötzlichen Tod des Gründers im Jahr 2012 den radikalen Anstrich gegeben hat, den sie bis heute hat. „Breitbart News“ gibt sich streng nationalistisch, pöbelt gegen Einwanderung und Freihandel und kultiviert auch gerne Verschwörungstheorien. Sie gilt als eine Art Zentralorgan der „Alt-Right“, der alternativen rechten Bewegung, der gewöhnliche konservative Positionen zu zahm sind.

          Bannon hat bei „Breitbart News“ nicht nur den redaktionellen Alltag bestimmt, sondern auch selbst Kolumnen geschrieben und eine hauseigene Radioshow moderiert. Vor etwas mehr als einem Jahr hatte er Trump einmal zu Gast in seiner Radiosendung und beschwerte sich dabei darüber, dass zwei Drittel oder drei Viertel aller Vorstandsvorsitzenden im Silicon Valley aus Asien kommen. Das sind Zahlen, die nicht einmal annähernd stimmen, auch wenn die Technologiebranche einige prominente asiatische Top-Manager hat.

          „Amerika zuerst“

          Es war Bannon nicht gerade in die Wiege gelegt, einmal zum rechten Ideologen zu werden. Er wuchs in einem Elternhaus auf, das den Demokraten nahestand. Er verbrachte mehrere Jahre beim Militär, bevor er bei der Investmentbank Goldman Sachs anheuerte, wo er Unternehmen bei der Verteidigung gegen feindliche Übernahmeversuche half. Mit einigen Kollegen gründete er dann eine kleine Investmentbank, die sich auf die Medienbranche spezialisierte. Diese Firma verkaufte er 1998 an die französische Bank Société Générale, und danach wurde er selbst zum Regisseur und Produzenten von Filmen. Er machte sich dabei vor allem einen Namen mit politischen Dokumentationen, zum Beispiel über die Politikerin Sarah Palin oder die Kapitalismuskritiker der „Occupy“-Bewegung.

          Bannons nationalistische Philosophie ist im Einklang mit Trumps „Amerika zuerst“-Position: vom Druck auf amerikanische Unternehmenschefs, Arbeitsplätze in der Heimat anstatt in Mexiko zu schaffen, über die Anordnung, eine Grenzmauer zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko zu errichten, bis zum Einwanderungsstopp für Menschen aus einer Reihe mehrheitlich muslimischer Länder. Bannon meint, auf Amerika könnte ein ganzes Zeitalter nationalistischer Politik zukommen. Dem „Hollywood Reporter“ sagte er, wenn Trump seine Versprechen an die Arbeiterklasse wahrmache, könnten die Republikaner fünfzig Jahre an der Macht bleiben.

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