https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/steigender-euro-kurs-wird-fuer-die-ezb-immer-relevanter-12846099.html

Geldpolitik : Euro-Anstieg wird für die EZB immer relevanter

  • Aktualisiert am

Der Neubau der EZB glänzt im Frankfurter Abendlicht. Bild: dpa

Der Kurs des Euro steigt - die Gemeinschaftswährung ist fast 1,40 Dollar wert. Die Notenbank-Direktoren verfolgen das genau: Ein weiterer Anstieg passt ihnen schlecht ins Konzept.

          1 Min.

          Für die Europäische Zentralbank (EZB) ist der Kursanstieg des Euro offenbar zunehmend brisant. Wegen der niedrigen Teuerung werde die Aufwertung der Gemeinschaftswährung immer relevanter, wenn es darum gehe die Stabilität des Preisniveaus zu beurteilen, sagte Notenbank-Präsident Mario Draghi in Wien. Ähnlich hatte sich zuvor der deutsche Bundesbank-Präsident Jens Weidmann geäußert. Er hatte gesagt, die Aufwertung des Euro könne zu einer Veränderung der Teuerungserwartung führen und müsse deshalb fpr die Geldpolitik berücksichtigt werden.

          Der Euro hatte sich zuletzt bis auf fast 1,40 Dollar verteuert. Dies verteuert für sich genommen Exporte aus dem Euroraum und könnte die sich gerade langsam erholende Wirtschaft bremsen - mit der Folge, dass der Preisanstieg noch tiefer unterhalb den von der EZB angestrebte Inflations-Zielwert von nahe 2 Prozent fällt. Eine echte Deflation, also sinkende Preise auf breiter Front, erwartet der Zentralbankchef aber nach wie vor nicht. Er bezeichnete dieses Risiko als „sehr limitiert“.

          Diese Einschätzung hatten die EZB-Oberen auch in der vergangenen Woche vorgebracht, als sie den Leitzins auf dem rekordniedrigen Niveau von 0,25 Prozent beließen. Draghi warnte allerdings, je länger die Teuerung niedrig bleibe, desto größer würden die Risiken. Die EZB sei deshalb jederzeit bereit einzuschreiten. „Sollten die Teuerungserwartungen sich aus ihrer Verankerung lösen, würde das mit zusätzlichen geldpolitischen Maßnahmen beantwortet.“

          Das von der EZB vergangene Woche wiederholte Versprechen, die Zinsen noch eine längere Zeit auf dem niedrigen Niveau zu belassen oder sogar noch weiter zu senken, wirkt laut Draghi wie eine zusätzliche geldpolitische Lockerung. „Dies sollte die Nachfrage nach Krediten unterstützen und einen sich selbst verstärkenden Kreislauf von höheren Investitionen, steigendem Konsum, Wachstum und einem leicht anziehenden Preisniveau in Gang setzen.“

          Weitere Themen

          Notenbanken ziehen nach

          Zinserhöhungen : Notenbanken ziehen nach

          Nach der amerikanischen Fed haben auch die Schweiz und die Bank of England die Zinsen erhöht. In Japan sieht man dazu keinen Anlass.

          Topmeldungen

          Ein städtischer Wideraufbautrupp in Mykolaiv 60 Kilometer südöstlich von Cherson Ende August

          „Referenden“ in der Ukraine : „Ich gehe da nicht hin“

          Putin will Russlands Eroberungen im Osten und Süden der Ukraine annektieren. Dafür soll es jetzt fingierte Volksabstimmungen geben, aber eine Frau in Cherson sagt Nein. Ein Protokoll.

          Anwältin im Interview : „Erbengemeinschaften sind die Pest“

          Nach dem Tod eines geliebten Verwandten bleibt zunächst die Trauer. Doch irgendwann werden Gespräche über das Erbe relevant. Anwältin Katharina Mosel über die Konflikte, wenn mehrere eine Immobilie erben, alte Rechnungen und emotionale Kosten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.