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Steigende Wohnkosten : Wenn die Miete arm macht

Luxus Wohnen: Eine Altbauwohnung im Hamburger Stadtteil Eppendorf Bild: Bode, Henning

Die Mieten in den deutschen Ballungsräumen steigen rasant. Selbst Familien aus der Mittelschicht ächzen. Eine Flucht ins Umland ist fast nie eine Alternative.

          Familie Emeni hat ein kleines Kind, ein kleines Einkommen und ein großes Problem: Sie wohnen in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in Hofheim, einer Kreisstadt im Frankfurter Speckgürtel. Die Emenis würden gerne umziehen, denn ihre Zweijährige hat kein eigenes Zimmer und schläft noch immer neben dem Ehebett. Gebügelt wird im Eingangsflur. Seit acht Monaten sucht die Familie ein neues Zuhause, bislang ohne Ergebnis. „Im Moment zahlen wir 665 Euro Kaltmiete, selbst eine billige Drei-Zimmer-Wohnung kostet mindestens 150 Euro mehr“, klagt Mutter Emeni, die als Sachbearbeiterin bei einer Bank arbeitet. Ihr Mann ist Schuhverkäufer. „Obwohl wir beide arbeiten“, sagt sie, „können wir uns eine größere Wohnung nicht leisten“.

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Die steigenden Wohnkosten setzen nicht nur Familie Emeni zu. „In den 12 bis 15 größten deutschen Städten hat sich mittlerweile ein ernsthaftes Problem aufgebaut“, sagt Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW). Die Wohnungsnachfrage in den Ballungszentren steige derart stark, dass der Bau neuer Wohnungen nicht hinterherkomme. Wer in München eine Wohnung mieten möchte, muss dem IW zufolge im Schnitt mit einer Kaltmiete von 13,30 Euro pro Quadratmeter rechnen. In Frankfurt zahlten Neumieter 12,30 Euro, in Hamburg seien 11,10 Euro fällig. „Das belastet insbesondere sozialschwache Haushalte. Aber auch für Otto Normalverbraucher wird es angesichts solcher Preise immer schwieriger, eine bezahlbare Wohnung zu finden“, sagt Voigtländer.

          Anstieg seit sechs Jahren

          Das Problem ist allerdings relativ. Der Immobilienverband Deutschland (IVD) weist in einer Analyse darauf hin, dass die Mieten in den zehn begehrtesten Städten Deutschlands seit 1992 lediglich um 13,6 Prozent gestiegen seien. „Da die Inflation im selben Zeitraum um über 40 Prozent gestiegen ist, lagen die realen Mieten im vergangenen Jahr deutlich unter dem Niveau von vor 20 Jahren“, sagt IVD-Präsident Jens-Ulrich Kießling. Ist also alles nur halb so schlimm?

          Das kommt darauf an. Wer die aktuellen Mieten nicht mit denen von 1992 vergleicht sondern mit denen von 2007, erhält ein völlig anderes Bild der Lage. Seit sechs Jahren nämlich steigt der sogenannte Wohnkostenanteil in den zehn größten Städten rasant. Dieser misst, wie viel Prozent seines Nettoeinkommens ein Haushalt in Deutschland für Wohnkosten (Nettokaltmiete plus Betriebskosten) aufwenden muss. Im bundesdeutschen Durchschnitt fiel der Anstieg moderat aus. In den Ballungsräumen hingegen zog der Indikator spürbar an. Den größten Anstieg mussten die Münchner verkraften. In der bayerischen Hauptstadt gaben die Mieter 2007 rund 20,5 Prozent ihres Nettoeinkommens fürs Wohnen aus. Fünf Jahre später stieg der Anteil auf 23,5 Prozent. In Frankfurt und Hamburg erhöhte sich der Wohnkostenanteil um rund 2 Punkte auf knapp 22 Prozent.

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