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Statistisches Bundesamt : Flüchtlinge lösen nicht das Demographieproblem

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Mobilität im Alter - Autofahren ist auch im Alter von 84 Jahren noch möglich, zeigt diese Frau. Bild: dpa

Deutschland altert. Hilft die derzeit hohe Zuwanderung, dies zu verhindern? Das Statistische Bundesamt ist skeptisch.

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          Eine der großen Hoffnungen, die zumal Optimisten mit dem derzeit hohen Flüchtlingsstrom in die Bundesrepublik verbinden, lautet: Damit bekommt Deutschland sein Alterungsproblem in den Griff und die wachsende Schwierigkeit, dass immer weniger Beitragszahler immer mehr Rentner finanzieren müssen. Ganz sicher kann noch niemand abschätzen, ob das gelingt.

          Zumindest die Ökonomen des Statistischen Bundesamtes sind pessimistisch und kommen zu dem Schluss, dass diese Hoffnung nicht aufgehen wird. „Die aktuelle hohe Zuwanderung hat nur sehr eingeschränkte Auswirkungen auf die langfristige Bevölkerungsentwicklung. Sie schlägt sich vor allem im kurzfristigen Anstieg der Bevölkerungszahl nieder. Der Trend zur zunehmenden Alterung der Bevölkerung kann dadurch nicht umgekehrt werden“, schreiben die Amts-Statistiker in einer aktuellen Mitteilung von diesem Mittwoch.

          1992 kamen beinahe 800.000 Menschen nach Deutschland

          Die Alterung ist ihrer Ansicht nach so deutlich, dass Deutschland realistischerweise nicht genügend Zuwanderer aufnehmen kann, schätzen die Experten aus Wiesbaden. Für das Jahr 2040 sagen sie voraus, dass dann mindestens 21,5 Millionen Menschen in Deutschland 67 Jahre alt oder noch älter sind – das wären mehr als 6 Millionen oder umgerechnet 42 Prozent mehr als momentan. Die Zahl der Bundesbürger, die zwischen 20 und 66 Jahre alt sind, werde dann hingegen kleiner sein als heute.

          Die Größe und Entwicklung der jungen Altersgruppe hängt stärker von der Zuwanderung ab – daher kommen die Hoffnungen auf Renten-Entlastung durch die Migranten. Wenn keine Migranten nach Deutschland kämen, gäbe es in dreißig Jahren 13 Millionen oder ein Viertel weniger Menschen in Deutschland im mittleren Alter, schätzt das Statistische Bundesamt.

          Um diesen Rückgang auszugleichen, müssten dauerhaft unter dem Strich mindestens 470.000 Menschen jährlich in Deutschland einwandern. Zwar wurden im vergangenen Jahr rund 1,1 Millionen Flüchtlinge in Deutschland registriert, aber die Statistiker wollen sich offenbar nicht darauf verlassen, dass diese Zahl dauerhaft bleibt. Die Statistiker vergleichen dabei die aktuelle Situation mit dem Beginn der neunziger Jahre, als ebenfalls über mehrere Jahre hinweg deutlich mehr Menschen nach Deutschland ein- als ausgewandert waren. Auch damals hätte sich die Alterung der deutschen Bevölkerung bloß verlangsamt, nicht aber umgekehrt.

          Zugleich weisen die Statistiker allerdings daraufhin, dass ihre Prognosen und Szenarien keine unvorhersehbaren Ereignisse nicht adäquat berücksichtigen wie zum Beispiel Kriege oder  Umweltkatastrophen. Dies gelte auch für den plötzlich angestiegenen Flüchtlingszustrom des vergangenen Jahres 2015. Sie schreiben aber: „Für die langfristigen Wanderungsannahmen kann das Wanderungsgeschehen eines einzelnen Jahres nicht als Muster dienen.“

          In der Vergangenheit habe die Zuwanderung in die Bundesrepublik immer sehr stark geschwankt. Während der neun Jahre von 1988 bis 1996 seien jährlich im Schnitt netto mehr als 500.000 Menschen nach Deutschland gekommen, im Jahr 1992 seien es beinahe 800.000 gewesen. In der erste Dekade des neuen Jahrtausends sei dieser sogenannte Wanderungssaldo dann auf weniger als 100.000 Menschen gesunken.

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