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Städtebau im Westjordanland : Krisengipfel

Die Palästinenser wollen beweisen, was sie können

Aber solcher Widerstand bremst die israelische Regierung nicht. In den Palästinensergebieten wird so viel gebaut wie seit Jahren nicht mehr. Woche für Woche kündigen die israelischen Behörden den Bau neuer Wohnungen in den besetzten Gebieten an - obwohl die Palästinenser einen Baustopp zur Bedingung für neue Friedensgespräche machen. Nach einer Zählung israelischer Menschenrechtler der Organisation „Frieden jetzt“ wurde allein im vergangenen Jahr mit dem Bau von mehr als 1700 neuen Wohnungen in den Siedlungen begonnen und knapp 7000 weitere genehmigt. Im besetzten Westjordanland leben mittlerweile 340000 israelische Siedler. Dazu kommen 200000 Bewohner im annektierten arabischen Ostteil Jerusalems. Und nicht alle siedeln hier als politische Aktivisten: In Siedlungen wie Ateret können sich auch jüngere, wenig vermögende Familien eine Wohnung oder ein kleines Haus leisten, von dem sie in Jerusalem oder Tel Aviv nur träumen könnten. Die israelische Armee sorgt für die Sicherheit und der Staat für die Infrastruktur.

Die Einwohner von Ateret beunruhigt besonders die neue Kreuzung, die auf ihrem Weg nach Jerusalem liegt. „Die Zufahrt nach Rawabi verringert unsere Lebensqualität und schafft ein großes Sicherheitsproblem“, klagt Bürgermeister Aharon. Er meint nicht nur die lärmenden Transporter. Mehr palästinensischer Verkehr könne auch mehr Terror mit sich bringen: In letzter Zeit flogen wieder vermehrt Steine auf israelische Autos. Vor der Nachbarsiedlung wurde schon mit einem Gewehr auf ein Mädchen gezielt.

Beide Seiten begreifen das Bauland als ihr ureigenes Terrain. Israelische Siedler benutzen die Bibel gern als Grundbuchauszug, um ihre Ansprüche auf die Palästinensergebiete zu untermauern. In Rawabi gehen die Planer noch weiter zurück und zitieren andere Vorfahren: So tragen die insgesamt mehr als zwanzig Stadtviertel keine arabischen, sondern kanaanäische Namen, wie Suwan (Feuerstein), Warwar (Nektarvogel) und Makmata (Fels). Die Kanaanäer lebten auf dem Gebiet von Palästina und Syrien, bevor im 13. Jahrhundert vor Christus die Israeliten, die Vorfahren der Juden, dort ankamen. Am höchsten Punkt von Rawabi sind keine Geschichtskenntnisse nötig, um zu verstehen, wo man ist. Arbeiter haben hier den höchsten Fahnenmast der Palästinensergebiete errichtet. Dort wird der palästinensische Präsident Mahmud Abbas die Nationalflagge hissen. Baschar al Masri denkt längst weiter und spricht scherzend von Rawabi 2 und 3 - vielleicht im Norden oder Westen des Westjordanlandes, wo ebenfalls Wohnungen fehlen. Aber im Augenblick würde es Masri genügen, wenn Rawabi 1 zu einer Initialzündung wird, die allen beweist, was Palästinenser können.

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