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Staatsschulden : Es geht an die Substanz

Bild: Neele Bunjes

Die Staatsschulden sind kaum noch tragbar. Bei den Sparern in Deutschland wächst die Angst vor Staatsbankrott, Hyperinflation und Währungsreform.

          Vom Auswandern redet ja jeder gern mal, reiche Leute ganz besonders. Ein Wahlausgang passt ihnen nicht, die Steuern sind zu hoch - schwupps, schon denken sie übers Wegziehen nach. Aber angesichts der Euro-Krise und der riesigen Schulden bekommt so mancher richtig Angst. Und redet dann nicht nur übers Wegziehen. Sondern schickt sein Geld schon mal vor, für den Fall, dass er bald nachkommt.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So erzählt es Bert Flossbach. In seinem Büro ganz oben im schicksten neuen Hochhaus Kölns verwaltet er das Geld der Superreichen. „Wenn jemand ein größeres Vermögen hat und geografisch ungebunden ist, denkt der jetzt flexibler“, sagt er. „Es geht hier nicht um einen kleinen Crash, nach dem es normal weitergeht. Es ist ein schlechtes Gefühl, wenn die da oben nicht wissen, was zu tun ist.“

          „Dann werden die Defizite noch höher“

          Die Reichen sind nicht allein mit ihren Sorgen. Zwar kann und will nicht jeder gleich auswandern. Doch die Angst zieht sich inzwischen durch die ganze Bevölkerung. Dass die Staatsschulden ins Immense steigen, ist zur Sorge Nummer eins der Deutschen geworden, wie eine Umfrage von Forsa für den „Stern“ zeigt: Mehr als 70 Prozent, fast drei von vier Deutschen, haben darum große Sorgen - direkt gefolgt von der Angst davor, dass die Politiker mit den Problemen überfordert sind. Inzwischen spekuliert auch der Handwerksmeister abends mit seinen Freunden darüber, wann die Hyperinflation kommt.

          Mehr und mehr macht sich das Gefühl breit, dass die Schulden zu hoch sind. Griechenland, Portugal, Spanien und Italien - das kann doch niemand schultern, so denken die Ängstlichen. Das Gefühl bleibt mulmig unkonkret, schließlich hat keiner Erfahrung mit solchen Situationen - das Letzte, was in Deutschland geschehen ist, waren Hyperinflation und Währungsreform. Da geht es ans Ersparte, ans Vermögen. Die Menschen kriegen Angst um ihre Existenz. Und sie bekommen mehr und mehr Zuspruch von Finanzprofis.

          „Die Schulden verschwinden nicht davon, dass man sie in immer neue Gebilde mit lustigen Namen verschiebt“, sagt Stefan Homburg. Und das ist nicht irgendjemand. Er lehrt Öffentliche Finanzen an der Universität Hannover und hat immer wieder die Bundesregierung beraten. „Wenn jetzt noch eine Rezession kommt, werden die Defizite noch höher. Dann kommt der Punkt, an dem die Gläubiger keine weiteren Staatsanleihen mehr kaufen.“ So wie jetzt in Griechenland.

          Mit hohen Vermögenssteuern könnte es glimpflich ausgehen

          Bisher sind Leute wie Homburg in der Minderheit. Dagegen hält zum Beispiel Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. „Ich bin ein Kritiker der EZB“, sagt er von sich selbst, schon lange sei ihm die Zentralbank nicht mehr unabhängig genug. „Aber den Kernstaat Deutschland stelle ich nicht in Frage.“ Die Inflation werde in der kommenden Wirtschaftsflaute sogar erst noch mal zurückgehen, bevor sie dann steigen könnte - aber nur mäßig. Und dass Deutschland in den nächsten Jahren irgendwann keinen Kredit mehr bekommt, hält er für ausgeschlossen. „Gucken Sie doch mal, wie niedrig die Renditen auf Bundesanleihen sind.“

          Von solchen Betrachtungen lässt sich Finanzwissenschaftler Homburg nicht beirren. „Das Problem kommt ja nicht langsam“, sagt er. „Das ist, wie wenn ein Hausbesitzer Schwierigkeiten mit der Bank bekommt. Dann kriegt er immer noch einen Kredit und noch einen, und irgendwann gibt es plötzlich keinen mehr.“ Dabei sieht auch er einen Weg, mit dem Deutschland seine Schulden noch halbwegs glimpflich losbekäme. Das wären relativ hohe Vermögensteuern, vielleicht auch in Form von einmaligen Sondersteuern auf Finanzvermögen oder auf Immobilien.

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