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Staatliches Rettungspaket : Die Hilfe lockt und schreckt zugleich

Der Griff nach dem Rettungsanker des Staates fällt vielen Banken noch schwer Bild: AP

In der deutschen Finanzwelt wird heftig debattiert: Welche Bank oder welche Versicherung muss das Rettungspaket in Anspruch nehmen und frisches Kapital aus dem Staatshaushalt bekommen? Die meisten Institute schweigen verbissen, doch am Markt überschlagen sich die Gerüchte.

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          In der deutschen Finanzwelt wird heftig debattiert, welche Bank oder welche Versicherung frisches Kapital aus dem Staatshaushalt in Anspruch nehmen muss. Strittig ist, ob es sinnvoll sein kann, auch ohne akute Not auf eine Kapitalzufuhr durch den Bund zurückzugreifen, um das Eigenkapital zu stärken. Dagegen spricht das Argument, dass sich derzeit kein Institut als Problembank mit dringendem Kapitalbedarf offenbaren will, wenn es nicht unbedingt sein muss. „Die Banken werden vermeiden wollen, dass der Staat künftig in ihrem Aufsichtsrat sitzt und auf die Geschäftspolitik erheblichen Einfluss ausübt“, sagt Uwe Angenendt, der Chefvolkswirt der BHF-Bank.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Aus den meisten Instituten heißt es derzeit, es seien noch zu wenige Details zu den am Montag vorgestellten Plänen der Regierung bekannt. Im Markt gibt es dennoch viele Gerüchte um vermeintliche Kandidaten für eine Staatshilfe. Mehrere Landesbanken, darunter die Bayern LB und die Landesbank Baden Württemberg, haben erklärt, man werde das gesamte Maßnahmenpaket der Regierung prüfen. Auch die Commerzbank, die die Stützungsangebote des deutschen Staates nach eigenen Angaben derzeit ebenfalls prüft, wird als Kandidat für eine Inanspruchnahme gehandelt. Sie soll über ihre Verbindung zur Hypothekenbank Eurohypo (in der die ehemalige Essen Hyp aufgegangen ist) ähnliche Schwierigkeiten haben wie die schwer angeschlagene Hypo-Real-Estate/Depfa-Gruppe. Allerdings sollen die Probleme nicht dasselbe Ausmaß haben, heißt es.

          Der Ruf der Privatbanken steht auf dem Spiel

          Andere Institute wie die Deutsche Bank kommentieren Anfragen zur möglichen Inanspruchnahme der staatlichen Kapitalhilfen nicht. Die Dresdner Bank erklärt auf Anfrage, man werde auch zum 30. September „eine wettbewerbsfähige Kapitalquote haben“. Die Hypovereinsbank verweist darauf, dass man über eine solide Kapitalausstattung verfüge.

          Bei den nicht an der Börse notierten traditionellen Privatbanken stünde durch eine staatliche Eigenkapitalzufuhr sogar der gesamte Ruf auf dem Spiel, sagen Branchenkenner. Eine Bank, die immer damit geworben habe, im Familienbesitz geführt zu werden, könne sich jetzt kaum die Blöße geben und den Staat als Miteigner ins Haus lassen.

          „Für Sal. Oppenheim können wir eine Inanspruchnahme dieses Angebots definitiv ausschließen“, erklärt Matthias Graf von Krockow, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter des Bankhauses. „Wir verfügen über ein gesunde Eigenkapitalausstattung und solide Bilanzrelationen. Heute bieten sich historisch einmalige Chancen, zu günstigsten Kursen wertvolle Beteiligungen zu erwerben. Sal. Oppenheim ist als unabhängige Privatbank seit rund 220 Jahren in Familienbesitz, und daran wird sich auch nichts ändern.“

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