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Staatliche Preiskontrollen : Lasst dem Geld freien Lauf!

Zurück zu Ludwig Erhard: Im Jahr 2014 wird die Uhr um 66 Jahre zurückgestellt Bild: dpa

Mit Mindestlöhnen und Mietbremsen fingert Schwarz-Rot an freien Preisen herum. Das kann nur schiefgehen: Was scheinbar billig ist, wird dann in Wirklichkeit teurer. Ludwig Erhard wusste, warum.

          5 Min.

          Der 20. Juni 1948 ist ein Sonntag. Es ist der Tag, an dem jeder Deutsche ein Kopfgeld von 40 neuen D-Mark erhält. Es ist der Tag der Währungsreform. Der 20. Juni 1948 ist auch der Tag der freien Preise. Es ist der Tag, an dem der für die Wirtschaftspolitik der westlichen Besatzungszonen („Bizone“) verantwortliche Ökonom Ludwig Erhard vor dem Rundfunkmikrofon für alle Deutschen vernehmbar das sofortige Ende der Rationierung und der staatlichen Preiskontrollen verkündet.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Lasst den Menschen und dem Geld freien Lauf, und sie werden das Land stark machen“, so lautet Erhards zentraler Satz. Was das bedeutet, kann man sich heute, mehr als 65 Jahre später, nur noch schwer vorstellen. Bis zu jenem 20. Juni herrschte in Deutschland Planwirtschaft. Für Lebensmittel oder Kleidung brauchte man Bezugsscheine und war gleichwohl nie sicher, ob es auch tatsächlich etwas dafür gab. Schlangestehen gehörte zum Alltag; die Löhne waren eingefroren.

          „Luxusgüter“ wie Nylonstrümpfe oder Zigaretten waren nur auf dem Schwarzmarkt zu erhalten. Damit konnte man dann zu den Bauern aufs Land hamstern gehen. Mehr als drei Jahre nach dem schrecklichen Krieg herrschte allenthalben Mangel. Erhards Reform brachte plötzlich Waren in die Schaufenster und in die Haushalte der Menschen. Auch wenn es noch lange dauerte, bis wirklich alle Preise frei vereinbar waren, nahm doch das deutsche Wirtschaftswunder rapide Fahrt auf.

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          Denn jetzt, wo sie ordentliche Preise erzielten, wurde es für die Hersteller attraktiv, ihre Waren auf den Märkten feilzubieten. Trotz des sichtbaren Erfolges der Preisliberalisierung blieben den Deutschen freie Marktpreise stets unheimlich. Die „Zeit“-Redakteurin Marion Gräfin Dönhoff, später eine Heilige des Journalismus, notierte: „Gott schütze uns davor, dass Ludwig Erhard einmal Wirtschaftsminister wird. Das wäre nach Hitler und der Zerstücklung Deutschlands die dritte Katastrophe.“

          Als das Institut für Demoskopie in Allensbach in seiner ersten Repräsentativumfrage im Dezember 1948 wissen wollte, ob die Behörden die Preise wieder kontrollieren sollten, sprachen sich 70 Prozent der Befragten für solche Maßnahmen aus. 71 Prozent aus dieser Gruppe gaben sogar zu Protokoll, dass sie dies auch dann befürworten würden, wenn danach das Angebot in den Geschäften schlechter wäre.

          Staatliche Preisgrenzen

          An dieser stillen Zuneigung der Deutschen zu Intervention, Wirtschaftsplanung und staatlicher Kontrolle „fairer Preise“ hat sich bis heute nichts geändert, allen feierlichen Bekenntnissen zur Marktwirtschaft zum Trotz. Doch die Politik hat dem Begehren des Volkes lange Zeit so gut wie möglich widerstanden. Das ändert sich in diesen Tagen. Die große Koalition – Schwarz und Rot Seit’ an Seit’ – vollzieht die Kehrtwende. Mit atemberaubender Geschwindigkeit setzt die Regierung in vielen Bereichen freie Preise außer Kraft. Mieten werden staatlich gedeckelt.

          Löhne werden staatlich angehoben. Bei Strom und Energie gibt es fast nur noch gesetzlich verordnete Festpreise. Und sogar die Zinsen der Banken (der Preis fürs Geldverleihen) werden von der Politik begrenzt. Die Deutschen haben ihr Vertrauen in die Fairness freier Marktpreise verloren. Und die Politik nimmt die Stimmung auf: Statt auf dem Markt (oder wenigstens zwischen Tarifpartnern) wird nun in politischen Hinterzimmern darüber verhandelt, ob 8,50 Euro als Lohnuntergrenze ausreichen und ob eine Mietobergrenze von zehn Prozent über dem örtlichen Niveau noch zumutbar sei.

          Ein paar Ökonomen, immerhin, halten Erhards Fahne hoch. „Preise signalisieren, welche Wertschätzung Menschen einer Sache entgegenbringen“, sagt der Düsseldorfer Ökonom Justus Haucap. Preise spiegeln die relativen Knappheiten von Gütern und Dienstleistungen: Sie geben kollektive Ziele vor, etwas, was eine sozialistische Planwirtschaft mit ihren Fünfjahresplänen nie hinbekommen hat. Da wollten die Planer entscheiden, was ihre Landsleute haben sollten. Doch stets gab es nur Schlangen vor den Läden: ein Elend. In der Marktwirtschaft ist nur das Geld wirklich knapp; das ist das fairste Rationierungsmittel.

          Wenn dieser Gedanke Ludwig Erhards so zwingend ist, warum findet dann die Preisregulierung bei Bürgern wie Politikern so hohe Zustimmung? „Mit staatlichen Preisgrenzen können Politiker Wohltaten an ihre Wähler verteilen, ohne dass es sie auf den ersten Blick etwas kostet“, sagt Ökonom Haucap. Und die Wähler?

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