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Spieltheorie : Tipps für gelingende Koalitionsverhandlungen

Beim Malefiz versuchen vier Spieler, mit ihren Steinen ins Ziel zu gelangen. Manchmal bilden sich dabei Koalitionen Bild: Ravensburger

Wie gelingen die Koalitionsverhandlungen besonders gut? Spieltheoretiker raten: Die CDU verhandelt besser zuerst mit den Grünen. Und die SPD sollte Rot-Rot-Grün als Option nicht vorschnell verwerfen.

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          Das Berliner Koalitionsspiel ist ein Fall für Ökonomen. Denn das Ringen um die Regierung ist nichts anderes als das Feilschen auf einem Markt: Sozialdemokraten und Grüne treiben mit ihrem zögerlichen Verhalten die Preise für eine mögliche Regierungsbeteiligung in die Höhe. Als wäre es eine Auktion, holt die Union Angebote von den potentiellen Juniorpartnern ein. Und unabhängig von ihrer politischen Richtung maximieren Parteien im Wettbewerb ihre Macht.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Spieltheoretiker, Verhaltensökonomen und Wettbewerbsforscher können antizipieren, wie dieses Spiel ausgehen wird. Ihr Alltagsgeschäft ist, Verhandlungen im Labor zu simulieren und mit mathematischen Modellen herauszufinden, welche Strategie zum Erfolg führt und welche ins Chaos.

          CDU muss „Entschädigung“ zahlen

          „Da muss ich erst einmal ein wenig rechnen“, sagt Matthias Sutter. Der österreichische Experimentalökonom hat in der Vergangenheit erforscht, ob man Taxifahrern trauen kann und ob Fußballschiedsrichter fair entscheiden. Der Forscher, der gerade an das European University Institute (EUI) in Florenz gewechselt ist, kennt sich aus mit Problemen aus dem wahren Leben. In der Tabelle, die er kurz darauf zuschickt, hat Sutter berechnet, wie mächtig die Parteien in den Koalitionsverhandlungen sind. Um den jeweiligen „Machtindex“ zu beziffern, hat er die 16 Regierungskonstellationen aufgelistet, die CDU, CSU, SPD, Grüne und Linke theoretisch bilden können. Die Fraktionen, die eine Koalition platzen lassen können, punkten auf dem Index. Egal ob man die Linken in die Rechnung einbezieht oder nicht, das Ergebnis ist nicht sonderlich überraschend: Die CDU hat die mit Abstand höchste Verhandlungsmacht, die CSU spielt, isoliert betrachtet, keine Rolle. Interessanter ist Sutters zweite Beobachtung. SPD und Grüne besitzen exakt gleich große Verhandlungsmacht. „Obwohl die Grünen nur etwa ein Drittel der Stimmen bekommen haben, können sie genau so hoch pokern wie die SPD“, sagt Sutter. Der Spieltheoretiker würde der Kanzlerin raten, zuerst mit den Grünen zu verhandeln. „Sie würden sich wahrscheinlich mit weniger Posten zufriedengeben“, sagt Sutter.

          Damit seine Rechnung aufgeht, muss man die Bedeutung politischer Inhalte ausblenden und voraussetzen, dass Rote und Grüne tatsächlich an die Macht wollen. Aber genau da hakt es, sagt Benny Moldovanu, Spieltheoretiker an der Universität Bonn. Normalerweise könnte die CDU als „dominante Spielerin“ beide potentiellen Partner gegeneinander ausspielen. Da aber beide Parteien glaubhaft vermitteln, dass sie gar nicht zwingend in einer Regierung Merkel mitspielen wollen, müsse die CDU eine „Entschädigung“ zahlen. „Es ist daher nicht verwunderlich, dass Wolfgang Schäuble schon von Steuererhöhungen gesprochen hat“, sagt Moldovanu.

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