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Spargelbauer : „Der Mindestlohn macht mir Angst“

Endspurt vor Saisonende: Spargelbauer Peter Lipp im Einsatz Bild: dpa

Politiker streiten darüber, ob es in der Landwirtschaft Ausnahmen beim gesetzlichen Mindestlohn geben sollte. Ein Spargelbauer aus Südhessen erklärt, warum Peru der lachende Dritte wäre, wenn es keine gibt.

          Herr Lipp, am 24. Juni ist Johannistag. Die Spargelbauern beenden an diesem Tag traditionell die Ernte, damit das Gemüse sich bis zum nächsten Jahr erholen kann. Sie bauen auf 120 Hektar nahe Darmstadt Spargel an und sind einer der größeren Produzenten in der Region. Wie ist die Saison für Sie gelaufen?

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Wir sind zufrieden und kommen in diesem Jahr gut über die Runden. Aber was in Zukunft passieren wird, das kann ich nicht sagen.

          Sie spielen wahrscheinlich auf die Pläne der Bundesregierung für einen Mindestlohn von 8,50 Euro in der Stunde an. Was würde es für Sie bedeuten, wenn es keine Ausnahmen für die Landwirtschaft oder Saisonarbeiter geben sollte?

          Wir zahlen jetzt 7,20 Euro in der Stunde. Dazu kommen Zuschläge, die sich nach der Erntemenge richten. Wenn der Mindestlohn so kommt, wie man es hört, dann müssten die Preise für Spargel spürbar steigen.

          Was kostet das Kilo bei Ihnen zurzeit?

          In der Klasse IV etwa 3,40 Euro, in der Klasse I sind es ungeschält 8,80 Euro. Wir würden dort dann in die Bereiche von 10 Euro je Kilo kommen.

          Glauben Sie nicht, dass die Deutschen bereit sind, für das königliche Gemüse ein bisschen tiefer in die Tasche zu greifen?

          Wir reden ja auch unter Kollegen darüber, und es gibt einige, die sehen das ganz entspannt. Ich aber nicht, mir macht der Mindestlohn Angst. Wir haben in diesem Jahr zum ersten Mal Biospargel angebaut. Der kostet wegen der zusätzlichen Handarbeit und Pflege jetzt schon 10 Euro. Die Leute fanden es zwar toll, dass da jetzt „Bio“ draufsteht. Aber die Nachfrage war eher enttäuschend. Da wird dann wohl lieber der billige Spargel aus dem Supermarkt gekauft.

          Wo kommt der her?

          Vieles stammt aus Peru, wo die Helfer vielleicht umgerechnet einen Euro am Tag verdienen. Der Spargel wird in Spezialcontaintern per Schiff nach Europa befördert. Er schmeckt dann noch frisch, und im Supermarkt kosten 500 Gramm zwischen zwei und drei Euro. Das macht einen Unterschied.

          Fürchten Sie, dass deutsche Produktion ins Ausland abwandern könnte?

          Ja, bei Eiern ist das ja schon passiert. Seit die Käfighaltung in Deutschland verboten ist, kommen teils billige Eier aus Osteuropa. Und beim Spargel droht das auch. Wir waren im Frühjahr mit einigen Kollegen in Mexiko und Südkalifornien, um uns Produktionsbetriebe anzuschauen. Ich habe früher die amerikanischen Höfe immer bewundert, weil die so gut organisiert waren. Jetzt baut dort keiner mehr Spargel an. Die sind alle nach Süden abgewandert, weil in Amerika ein Mindestlohn von 7,25 Dollar und bald von 10 Dollar in der Stunde gilt, in Mexiko sind es 5 Dollar am ganzen Tag. Und in Peru sind es noch weniger.

          Die Personalsuche dürfte für Sie dank des Mindestlohns einfacher werden.

          Da haben wir schon heute keine Probleme. Wir hatten rund 300 Erntehelfer im Einsatz, fast ausschließlich Rumänen. Die kommen schon seit Jahren zu uns, weil sie hier in zwei Monaten für ihre Verhältnisse richtig viel verdienen.

          Warum haben Sie keine deutschen Spargelstecher?

          Die Technik beim Spargelstechen ist zwar nicht schwer, aber wenn man den ganzen Tag auf dem Feld ist, bedeutet das richtig körperliche Arbeit. Unsere Arbeiter sind in der Regel Menschen, die in Rumänien auch Landwirtschaft betreiben. Die sind harte Arbeit gewohnt.

          Also kommen deutsche Arbeitslose nicht in Frage für Sie?

          Doch, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen. Ich sage dem Arbeitsamt immer, dass ich jeden Deutschen einstelle, der einen Halbmarathon laufen kann. Aber wenn die Kraft nur für 100 Meter langt, dann reicht das nicht.

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